Tagsüber Familie, abends Vollgas

So tickt der Offenburger Ultraläufer Daniel Hernes hinter der Kamera

Wir haben den Offenburger Ultraläufer Daniel Hernes in seinem verrückten Leben zwischen Leistungssport, Social-Media-Ruhm und ganz normalem Familienalltag begleitet.

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Von Autor/in Wera Engelhardt

Er ist ein gefeierter Star bei Instagram und Tiktok: Daniel Hernes, 37, Extremsportler aus Offenburg. Insgesamt über 600.000 Fans begeistert er mit seinen Videos, in denen er mal eben eineinhalb Marathons in der Nacht läuft oder 1.000 Klimmzüge am Stück macht. Sein Stil: immer fröhlich und aufgedreht, manchmal auch überdreht oder schlichtweg ein bisschen verrückt.

Was nicht alle wissen: Daniel Hernes trainiert meistens nachts. Denn er hat eine Familie, Frau und Tochter, für die er tagsüber da sein will. Und er hat auch noch einen ganz normalen Vollzeitjob. Wie der Ultraläufer hinter der Kamera tickt.

1. Familie und Vollgas

Auch wenn ihm der Sport wichtig ist: Seine Familie komme immer an erster Stelle, sagt Hernes. "Ich trainiere meistens, wenn meine Familie schläft. Ich bringe sie abends ins Bett, dann gehe ich entweder auf meine Terrasse und mache mein Krafttraining, oder ich gehe raus laufen." Schlaf braucht er nicht viel, ein paar Stunden reichen ihm.

Seine Frau Martina kommt gut damit klar. Sie kenne ihren Daniel auch nicht anders, sagt sie. Die beiden haben sich als Jugendliche kennengelernt. "Wir waren mit 15, 16 Jahren die jeweils erste Jugendliebe", erzählt Martina Hernes. Nach der Trennung hätten sich die beiden für eine Weile aus den Augen verloren. "Wir haben uns dann durch Zufall wiedergefunden und nochmal neu kennengelernt." Zur Familie gehört heute auch die neun Jahre alte Tochter Marie und Hund Otto, zwölf Jahre alt.

2. Social-Media-Ruhm

Mit seinen Videos hat Daniel Hernes mittlerweile eine große Reichweite aufgebaut. Das sei aber Zufall gewesen, beteuert er. In seinen Videos dokumentiert er sein Training, seine Ultraläufe oder seine Ernährung. Inspirieren lässt er sich von dem, was er erlebt: einer schönen Landschaft, frischer Luft, der Freude an Bewegung. "Ich mag es, Gaudi zu machen, denn das Leben macht unglaublich viel Spaß", sagt der 37-Jährige. Die Videos schneidet er zwischendurch, zum Beispiel auf dem Weg zum Einkaufen.

Die große Reichweite macht sich mittlerweile bemerkbar. Ob im Supermarkt oder beim Spaziergang: Daniel wird oft angesprochen. Seine Frau Martina versteht das und freut sich für seine Fans, wenn dabei ein gemeinsames Foto herumkommt. Sie hat aber Grenzen: "Ich habe schon zwei, drei Mal beobachtet, dass die Leute hier vor der Haustür hin- und herlaufen", erzählt sie. "Hier sind wir privat, und hier hätte ich schon gerne meine Ruhe."

3. Disziplin und Leidenschaft

Disziplin spielt eine große Rolle in Daniel Hernes' Leben. Zum Beispiel bei der Ernährung: Er habe zwar noch nie eine Diät gemacht und achte einfach darauf, dass er sich ausgewogen ernähre, sagt er. Aber: Süßigkeiten, Zigaretten und Alkohol sind tabu. Zusätzlich nimmt er Stoffe wie Kreatin und Kollagen zu sich, für die Leistungsfähigkeit beim Training. Und er setzt auf seine "Zündkerze": ein scharfes Gebräu aus Ingwer, Kurkuma, Knoblauch, Meerrettich und noch allerhand anderen Zutaten.

Gelernt hat er diese Disziplin schon in jungen Jahren - als Leistungsturner. Während andere junge Leute Party machten, trainierte Hernes in der Turnhalle. Sein Vorbild ist sein verstorbener Vater. Der litt an Rheuma und Osteoporose, konnte sich nicht viel bewegen. Trotzdem sei er immer für die Familie da gewesen und habe hart gearbeitet, erzählt Hernes.

4. Arbeitsalltag

Manch ein Fan kann es kaum glauben, aber Daniel Hernes hat neben all dem Sport und den Videos für Instagram und Tiktok auch noch einen Vollzeitjob. Und zwar nicht im Fitnessstudio, sondern bei Edeka. Dort ist er für die technische Betreuung der Getränkeautomaten zuständig. Gibt es irgendwo in einem Markt Probleme, klingelt sein Telefon. "Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn am Samstagnachmittag der Automat nicht funktioniert und die Kunden stehen da", sagt Hernes. Er kümmert sich dann darum, dass das Problem vor Ort gelöst wird.

Klar, stundenlang am Schreibtisch sitzen geht natürlich gar nicht für den Sport-Freak. Hernes steht die meiste Zeit. Und er nimmt immer die Treppen. Sein Vorgesetzter Thomas Horadam sagt über ihn: "Ich kann mich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal krank war." Auch wenn er so eine Art wandelndes schlechtes Gewissen sei: "Während ich morgens erst mal einen Kaffee brauche, erzählt er mir, dass er schon 30, 40 Kilometer runtergerissen hat", sagt Horadam vorwurfsvoll und lacht.

5. Die Challenge

Daniel Hernes liebt die Herausforderung. In diesem Jahr hat er sein großes Ziel erreicht: alle Fernwanderwege im Schwarzwald alleine und ohne Hilfe an einem Stück zu laufen. "Dass ich das überhaupt schaffen würde, hätte ich niemals gedacht, sagt Hernes. Sein persönlicher Mount Everest war wohl der knapp 300 Kilometer lange Westweg: Herausforderung und Genuss zugleich.

Jetzt hat er immer wieder neue Ideen, um seine Grenzen zu testen und seine Komfortzone zu verlassen. Jüngste Herausforderung: 100 Kilometer am Stück in unter zehn Stunden laufen. Und das nicht im Schwarzwald, sondern auf einem Parkplatz in Offenburg. 200 Runden, immer im Kreis. Ob das nicht langweilig ist? "Es ist sehr angenehm, hier zu laufen", beteuert Hernes. "Ich kann nachdenken und dann verfliegen die Runden wie im Flug." Am Ende zeigt die Uhr neun Stunden und 59 Sekunden.

Offenburg/Feldberg

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Sport an der frischen Luft ist gesund, kostet im Winter aber viel Überwindung. Daniel Hernes, Ultraläufer aus Offenburg, können Schnee und Eis nicht bremsen - im Gegenteil.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

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Autor/in
Wera Engelhardt
SWR Redakteurin Wera Engelhardt

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