Auch Staatsanwaltschaft Freiburg eingeschaltet

Nach Schüssen auf bewaffneten Angreifer in Eichstetten: Landeskriminalamt ermittelt

Nach den Schüssen auf einen Mann mit Schrotflinte in Eichstetten untersucht das Landeskriminalamt Stuttgart den Fall. Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt gegen zwei Polizisten.

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Stand

Wie in solchen Fällen üblich, wenn Polizisten zur Waffe greifen und auf einen Menschen schießen, ermittelt eine andere oder übergeordnete Polizeidienststelle. Im Fall von Eichstetten am Kaiserstuhl (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ist das auch so. Dort waren Beamte des Polizeipräsidiums am 16. Februar auf offener Straße von einem Mann mit einer Schrotflinte bedroht worden. Die Polizisten gaben mehrere Schüsse ab und verletzten den 48-jährigen Mann schwer. Er starb - trotz Notoperation - später in einer Klinik. Seither führt die Staatsanwaltschaft Freiburg ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Der Fall läuft noch, ein zeitliches Ende ist noch nicht absehbar.

LKA klärt Tathergang in Eichstetten auf

Um unvoreingenommen den Fall in all seinen Facetten zu untersuchen, ist das Landeskriminalamt Stuttgart damit betraut worden. Wie eine Sprecherin der Landesbehörde am Dienstag dem SWR auf Anfrage mitteilte, sind die Ermittlungen in vollem Gange. "Der Fall läuft noch, ein zeitliches Ende ist nicht absehbar" betonte Lisa Schröder, Leiterin der LKA-Pressestelle. Derzeit laufen ballistische Untersuchungen, es gilt aber auch den gesamten Ablauf, was sich an dem Abend in der Kaiserstuhlgemeinde abgespielt hat, herauszufinden und aufzuklären: von der Alarmierung bis zu den verhängnisvollen Schüssen. Dazu wurden vor Ort auch Zeugen befragt, auch die beteiligten Polizisten, um so ein weitgehend lückenloses Bild zu erhalten.

Verfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge

Von Rechtswegen muss die zuständige Staatsanwaltschaft - hier die Strafverfolgungsbehörde in Freiburg - ein Ermittlungsverfahren einleiten. In diesem Fall gegen die Polizeibeamten, die in Eichstetten damals die Schüsse abgegeben haben. Wie Ralf Langenbach, Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg, erklärte, läuft das Ermittlungsverfahren gegen zwei Polizisten.

Kriminaltechniker markieren den Tatort in Eichstetten.
Zahlreiche Markierungen mit Nummern: Vor diesem Haus in Eichstetten wurden etliche Schüsse abgegeben. Anita Westrup

LKA übergibt Akten an Freiburger Staatsanwaltschaft

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Staatsanwaltschaft Freiburg die Ermittlungsakten vom Landeskriminalamt Stuttgart bekommen wird. Dann werden die Ergebnisse der Ermittlungen überprüft und abschließend bewertet. Danach wird entschieden, ob das Verfahren geschlossen wird oder ob sich die beiden Polizisten vor Gericht verantworten müssen.

Angreifer hatte Polizisten bedroht

Am späten Sonntagabend des 16. Feburar hatten Polizisten in Eichstetten am Kaiserstuhl auf einen 48-Jährigen geschossen, der im Ort mit einer Schrotflinte herumlief und die Beamten damit bedrohte. Trotz mehrfacher Aufforderung der Polizei legte der Mann die Waffe nicht ab. Er wurde durch die Schüsse schwer verletzt, kam anschließend in ein Krankenhaus, wo er notoperiert wurde. Kurz darauf verstarb der 48-Jährige an seinen schweren Verletzungen.

Anwohner: "Ich habe eine Schusssalve gehört"

Kriminaltechniker und Beamte des Landeskriminalamts Stuttgart waren noch am späten Sonntagabend in Eichstetten vor Ort. Sie rekonstruierten den Tathergang und befragten Anwohner, unter anderem Nachbarn wie Franz-Josef Kamerewerd. Er berichtete, im Keller am Computer gesessen zu haben, als er draußen Stimmen hörte: "Ich dachte, es seien randalierende Jugendliche." Aus Sicherheitsgründen blieb er im Haus. "Wenig später hörte ich eine Schusssalve", erzählte der Rentner. Der Vorfall erschütterte ihn: "Man weiß nicht, was los ist, warum es passiert ist."

Nachbar rettet Kind per Leiter

Die Polizei waren kurz vor den Schüssen von der 47-jährige Lebensgefährtin des Mannes über den Notruf aus ihrer Wohnung angerufen worden. Sie berichtete, dass der 48-Jährige sie und ihr gemeinsames zehnjähriges Kind geschlagen habe. Daraufhin zog sie sich mit dem Kind in ein Zimmer zurück und verschloss die Tür. Der Mann versuchte, die Zimmertür einzutreten, und gab mutmaßlich einen Schuss auf die geschlossene Tür ab. Der Schuss durchschlug die Tür, traf jedoch niemanden. Das Kind erlitt jedoch ein Knalltrauma.

Ein Nachbar wurde durch den Krach des Randalierers auf den Vorfall aufmerksam. Er lehnte eine Leiter an das Fenster des Zimmers im ersten Stock, sodass das Kind hierüber flüchten konnte. Der 48-jährige Angreifer verließ währenddessen mit der Waffe die Wohnung und lief die Straße entlang, wo ihn die Polizisten stellten.

Ein Nachbar hatte eine Leiter an das rechte Fenster des Zimmers im ersten Stock gelehnt, sodass das Kind flüchten konnte.
Ein Nachbar hatte eine Leiter an das rechte Fenster des Zimmers im ersten Stock gelehnt, sodass das Kind flüchten konnte. Anita Westrup

Angreifer hätte Waffen nicht besitzen dürfen

Die Polizei schoss auf den 48-Jährigen. Bei dem Mann wurde am Tatort eine Schrotflinte und eine Pistole sichergestellt, die er bei sich trug. Laut LKA und Staatsanwaltschaft durfte er diese Waffen nicht besitzen, da gegen ihn ein behördliches Waffenbesitzverbot bestand. Der Mann war bereits wegen Betäubungsmittel- und Körperverletzungsdelikten sowie Verstößen gegen das Waffengesetz polizeibekannt.

Das verletzte Kind wurde im Krankenhaus behandelt. Die Mutter und das Kind wurden psychologisch betreut.

Eichstettens Bürgermeister erschüttert und erleichtert

Einen Tag nach den Schüssen in Eichstetten äußert sich Bürgermeister Michael Bruder (CDU) besorgt. "Die Stimmung ist betroffen, und die Gedanken kreisen darum, was noch hätte passieren können." Er zeigt sich erleichtert, dass es der Frau, dem Kind und den Polizisten gut geht und keine weiteren Bürger betroffen sind. Bruder gibt an, die Familie nicht zu kennen. Sie sei erst vor ein oder zwei Jahren nach Eichstetten gezogen.

Einsatzfahrzeuge stehen in Eichstetten am Kaiserstuhl (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).
Einsatzfahrzeuge stehen in Eichstetten am Kaiserstuhl (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Maurice Jäckle / EinsatzReport24