Sollen Grundschulkinder ihre Nachmittage in der Grundschule verbringen oder zuhause? Diese Frage sorgt für Diskussionen in der Gemeinde Feldberg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Nach dem Beschluss des Gemeinderates, eine verpflichtende Ganztagsgrundschule an drei Tagen der Woche einzuführen, haben einige Eltern angekündigt, ihre Kinder nicht in dem Dorf zur Schule schicken zu wollen.
Das Thema Ganztagsbetreuung an Grundschulen sorgt nicht nur auf Landesebene für Diskussionen. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll jedes Kind in der Grundschule den ganzen Tag betreut werden können. Die Schulträger dürfen wählen: Wollen sie eine Halbtagsgrundschule, die nachmittags einfache Betreuung der Kinder anbietet - das sogenannte kommunale Modell - oder wollen sie eine sogenannte gebundene Ganztagsschule einführen, bei der auch Unterricht am Nachmittag stattfinden kann.
Gemeinde Feldberg bekommt Ganztagsschulpflicht an drei Tagen
Für die Grundschule Feldberg hat der dortige Gemeinderat im April 2025 entschieden: An drei Tagen pro Woche endet der Unterricht nicht am Mittag, sondern um 15:30 Uhr. Bei einer Umfrage der Gemeinde hatten sich zuvor 61 Prozent der Eltern für ein Ganztagsmodell ausgesprochen. Lehrer, Elternbeirat und Schulleitung hatten für das Modell geworben.
Anna Schwörer, Luisa Brugger und Julika Knöbel - drei Mütter aus der Gemeinde - wollen diese Entscheidung aber nicht akzeptieren. "Vielen war gar nicht bewusst, was sie da genau entscheiden", meint Schwörer. Das sei alles "hopplahopp" gegangen. Eine neue Umfrage der Elterninitiative gegen die Ganztagsschulpflicht hätte ergeben, dass viele Eltern lieber das kommunale Modell mit freiwilliger Nachmittagsbetreuung hätten.
Eltern befürchten Überlastung der Grundschulkinder
Die Gegnerinnen der Ganztagsschulpflicht sorgen sich vor allem um die Belastung ihrer Kinder. "Man hört ja ganz oft, dass Kinder nur daheim ihre Emotionen so richtig rauslassen können", sagt Anna Schwörer. Sie befürchtet, dass ihre Söhne in der Schule dauerhaft Kompromisse machen müssten und dass sich dabei Emotionen anstauen.
Die Kinder haben keine Chance sich zu entspannen. Sie haben einen Entspannungsraum, aber welches Kind macht das, wenn die Freunde gleichzeitig spielen.
Verschiedene Modelle zur Ganztagsbetreuung
Eine weitere Kritik der Elterninitiative: Nur das Pflichtmodell ist für die Eltern kostenlos. Eine freiwillige Nachmittagsbetreuung wird nicht umfassend vom Land gefördert und könnte somit eine Gebühr kosten. Das würde viele Eltern zu dem Pflichtmodell drängen, sagen Schwörer und ihre Mitstreiterinnen.
Schule in Feldberg erhofft sich mehr pädagogische Möglichkeiten
Schulleiterin Ruth Bender ist hingegen überzeugt vom neuen Konzept. "Unsere Bestrebungen sind, jedes Kind in seinen Begabungen zu fördern und zu fordern und weiterzubringen", sagt sie. Der Stundenplan soll mehr Pausen, Projekte und Arbeitsgemeinschaften zulassen. Geballten Unterricht soll es weniger geben. Außerdem erhofft sich Bender mehr Lehrkräfte für das neue Konzept.
Wir können ganz anders arbeiten. Wir haben viel mehr Zeit mit den Kindern.
Und auch zahlreiche Eltern freuen sich auf das Ganztagskonzept. Andreas Wirbser ist Vater einer heute 16 Monate alten Tochter. In fünf Jahren wird sie eingeschult. "Ich bin überzeugt, dass die Schulleitung mit dem gewählten Modell Familie, Schule und Vereine gut in Einklang bringt", sagt Wirbser. Er hat für das Modell gestimmt. Auch weil es ihm und seiner Frau Planungssicherheit gibt. Er arbeitet Vollzeit und auch seine Frau möchte wieder voll einsteigen.
Kehrtwende von Ganztags-Entscheidung unwahrscheinlich
Der Beschluss für das neue Schulmodell stehe, sagt Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht. Er ist optimistisch, dass sich am Ende alle Eltern damit arrangieren. Anna Schwörer hat aber schon angekündigt, dass sie ihre Kinder wahrscheinlich auf eine Schule in einer Nachbargemeinde schicken wird, wenn die Ganztagsschulpflicht kommt. Viele Eltern würden das Gleiche tun, sagt sie.
Die Gemeinde will bis Ende September den Antrag für eine Ganztagsschule beim Schulamt einreichen.