Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald testet

Kindeswohlgefährdung: Kann KI dem Jugendamt helfen, Kinder zu schützen?

Ist ein Kind potenziell gefährdet, müssen die Fachkräfte des Jugendamtes schnell handeln. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald soll bei der Entscheidung jetzt eine KI helfen.

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Von Autor/in Jasmin Weis

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Baden-Württemberg ist auf einem neuen Höchststand - so meldete es das Statistische Landesamt Baden-Württemberg vergangenes Jahr. Das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald testet aktuell eine KI - und ist damit nach eigenen Angaben Vorreiter. Die neue Software soll dabei helfen, schneller eine Entscheidung zu treffen, wenn Kinder in Gefahr sind.

Schwere Kinderschutzfälle im Landkreis waren Auslöser für neue KI

Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gab es in den vergangenen Jahren zwei Fälle, die noch lange im Gedächtnis bleiben dürften. In Lenzkirch hatte ein Stiefvater seinen dreijährigen Sohn misshandelt und so schwer verletzt, dass der Junge starb. In Staufen blieb ein grausamer Missbrauch eines Jungen jahrelang von den Behörden und Gerichten unentdeckt. Die Mutter und ihr Lebenspartner vergewaltigten den Jungen und verkauften ihn im Internet an andere Männer.

Nach diesen beiden Kinderschutzfällen "haben wir immer wieder überlegt: Was kann die Schlussfolgerung (für uns) daraus sein?", sagt Thorsten Culmsee, Sozialdezernent beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Und er fand eine Antwort: Eine ganz neue Software mithilfe von KI muss her, die bei den Entscheidungen helfen soll.

Die KI hebt den Kinderschutz auf eine neue Stufe.

Jugendamt muss oft rasch über Inobhutnahmen entscheiden

Die Herausforderung ist, dass es bei Kindeswohlgefährdung schnell gehen muss. Culmsee nennt ein Beispiel: Ein Kind, das jünger ist als ein Jahr. Beim ersten Vorfall, der ihnen gemeldet wird, geht vielleicht noch alles glimpflich aus. Beim zweiten Vorfall ist das Kind zu 99 Prozent der Fälle tot.

Beim Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald geht jeden Tag mindestens eine Meldung mit einer Risikogefährdung ein. Und jede Meldung muss zeitnah bearbeitet werden - das ist gesetzlich geregelt. Bedeutet: Eine Gefährdungs- und Risikobewertung unter Zeitdruck. "Aufgrund des Zeitdrucks können die Fachkräfte oft nicht so in die Recherche gehen und weitere Expertise einholen", sagt Thorsten Culmsee.

Wie die KI bei Kindeswohlgefährdung helfen kann

Seit 2022 entwickelt die Verwaltung zusammen mit der arf Gesellschaft für Organisationsentwicklung mbH, kurz arf GmbH, die neue Software. Culmseefbetont: "Die KI selbst trifft keine Entscheidung." Aber sie kann den Fachkräften dabei helfen, besser und schneller entscheiden zu können. Die Software besteht aus vier verschiedenen Modulen. Modul Eins und Zwei werden aktuell getestet.

Die KI kann nicht fühlen, riechen, schmecken, so wie die Fachkräfte bei Hausbesuchen.

Die Software kann Fachkräften aus verschiedensten Bereichen zusätzliches Expertenwissen gebündelt zur Verfügung stellen. Etwa aus der Kinder- und Jugendmedizin, der Rechtsmedizin und der Kriminologie. Dabei gibt die Software immer die Quellen der Informationen an. Thorsten Culmsee versichert, dabei würden keine Daten aus dem Internet verwendet, sondern nur fachlich geprüfte Informationen. Außerdem könne die KI einen Fall nochmal Revue passieren lassen und Muster erkennen, die der Mensch so nicht auf Anhieb sehe.

Zudem gibt es die Möglichkeit, dass Fachkräfte beispielsweise auf dem Rückweg von einem Hausbesuch mündlich ihr Protokoll aufnehmen, das dann automatisch von der KI verschriftlicht wird. Das erspare enorme Zeit, denn bisher haben die Jugendamtsmitarbeiter für ihr Protokoll ein bis zwei Stunden gebraucht, heißt es. Die Fachkräfte sollen entlastet werden, damit sie mehr Zeit für die Familien haben.

KI-Software stößt bei Jugendämtern bundesweit auf Interesse

Die neue Software stößt laut Landratsamt bundesweit auf großes Interesse. Deshalb wird sie so entwickelt, dass sie später auch in anderen Jugendämtern einsetzbar ist. Über die bisherigen Kosten wollte bisher niemand eine Auskunft geben.

Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist Mitentwickler der neuen Software. Kunden werden künftig andere Kreise sein. Im Sommer dieses Jahres soll die aktuelle Testphase beendet und die ersten beide Module fertig sein.

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