Spatenstich für die Felssicherungen

Meinung: Wiedereröffnung der Albtalstraße - eine vertane Chance

Zehn Jahre lang war die Albtalstraße gesperrt, nun soll sie wieder freigegeben werden. Doch die nötigen Felssicherungen sind teuer - zu teuer, meint SWR-Reporterin Petra Jehle.

Teilen

Stand

Von Autor/in Petra Jehle

"Wir wollen unsere Heimat zurück" - mit diesem Slogan haben die Salpeterer zehn Jahre lang für die Wiedereröffnung der Albtalstraße gekämpft. Eine Landstraße soll Heimat sein? Klingt absurd. Doch alle, die diese Landstraße kennen, verstehen was die Bürgerinitiative damit meint.

Ich kenne keine Straße, die so schön und so malerisch ist. Vor 170 Jahren gebaut. Der Natur abgerungen. Die Vorfahren haben sich durch die Felsen durchgeschlagen. Ihre Nachkommen haben ihnen mit ihrem Protest alle Ehre gemacht.

Der Protest hat sich gelohnt

Zehn Jahre lang haben sie Hindernisse überwunden und im wahrsten Sinne des Wortes Steine aus dem Weg geräumt: hartnäckig, manchmal stur, aber auch kreativ. Sie haben Kompromissvorschläge erarbeitet, mutig widersprochen und mit skurrilen Aktionen viele Sympathien gewonnen. Ja, ich finde diese Landstraße ist ein Stück Heimat. Aber genau deshalb hätte ich sie NICHT saniert.

Ein Grund: das Geld. 10 Millionen etwa soll die Felssicherung kosten. Die Kosten konnten also um mehr als die Hälfte gesenkt werden. ABER wird das überhaupt reichen? Die Gefahr von Felsstürzen wird immer größer. Die teuren neuen Fangzäune im benachbarten Schlüchttal haben gerade mal ein Jahr gehalten.

Andere Projekte haben Priorität

Dazu kommt: Hat das wirklich Priorität? Die Weiterplanung der A98 steht auf der Kippe, Brückensanierungen werden zurückgestellt, die Busverbindungen auf dem Land sind mies, weil sie zu teuer sind. Die Umleitungsstrecke ist zwar nicht ideal, aber doch zumutbar, meine ich. Wäre das Geld dort nicht sinnvoller investiert?

Und: Das Albtal war in den letzten zehn Jahren schön wie nie zuvor: keine rasenden Autos und Motorradfahrer, kein dicker LKW, der sich mal wieder fehlgeleitet vom Navi um enge Kurven quält. Stattdessen Spaziergänger, Radfahrer und abendliche Grillpartys. Zugegeben: Erlaubt war das in der gesperrten Straße nicht. Aber hätte es nicht legal werden können? Einen Wald- oder Wanderweg daraus machen - wäre sowas nicht möglich gewesen? So wie im Murgtal im Kreis Waldshut.

Die Menschen im Albtal bekommen ihre Verbindungsstraße zurück. Die Freude darüber ist berechtigt. Aber ich hätte mir dennoch den Mut gewünscht, über Alternativen zumindest nachzudenken.

Albbruck

Felssturzgefahr an Landstraße im Naturidyll Albtalstraße: Bauarbeiten für Sanierung gestartet - nach zehn Jahren Sperrung

Wegen Felsturzgefahr ist die Albtalstraße seit zehn Jahren gesperrt. Nun wird die Landstraße im Naturschutzgebiet saniert. Die Reaktion: Freude, Erleichterung, aber auch Bedenken.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Petra Jehle
Profilbild

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!