Für viele Menschen ist das Thema Sterben und Tod - ob eines engen Angehörigen oder möglicherweise das eigene Ableben - noch immer weitgehend ein Tabuthema. Viele Menschen befassen sich erst dann mit dem Tod, wenn der Zeitpunkt gekommen oder absehbar ist. Die Messe "Leben und Tod" in Freiburg lädt noch bis Samstagabend dazu ein, sich jetzt schon damit zu beschäftigen. Rund um diesen Themenkomplex gibt es viele Informationen und neue Bestattungstrends - zum Beispiel ein spezielles Lastenrad.
Mit dem Lastenrad auf den Friedhof
Für Tüftler und Kunstschaffenden Michael Olsen aus Oldenburg (Landkreis Oldenburg/Niedersachsen) sind Leben und Tod eng miteinander verbunden. "Das Thema Tod sollte in der Gesellschaft sichtbar sein" findet er. Warum also sollte beispielsweise der Sarg eines verstorbenen Menschen nicht auch auf einem Bestattungsfahrrad zur letzten Ruhestätte auf den Friedhof gefahren werden? So wie es etwa im dänischen Kopenhagen schon länger gemacht wird. Gesagt, getan: Aus mehreren alten Postfahrrädern schweißte Olsen einen Prototypen zusammen - mit ausgefeilter Lenktechnik, Elektromotor und einer vorne montierten Ladefläche für den Sarg.
Das Thema Tod sollte in der Gesellschaft sichtbar sein.
Als er das erste Mal mit diesem Bestattungsfahrrad in Oldenburg unterwegs war und einen Sarg transportierte, gab es unterschiedliche Reaktionen. "Viele, die mich gesehen haben, zeigten mir mit Daumen hoch, dass sie es toll finden. Andere gingen auf mich los und meinten, das sei pietätlos". Auch im Internet, in den sozialen Netzwerken, habe es ein geteilte Echo darauf gegeben, einen Sag mit einem toten Menschen durch die Öffentlichkeit zu transportieren, erzählt der Oldenburger dem SWR.
Zu Lebzeiten ein Möbelstück, dann Sarg?
Auch Schreinermeister Johannes Wittich, der in Freiburg eine Tischlerei betreibt, hat sich dem Thema Tod von der praktischen Seite her genähert. Er baut seit 30 Jahren Möbel. Vor drei Jahren wurde er von der Witwe eines verstorbenen Freundes gebeten, dessen Sarg zu bauen. Danach widmete er sich mit seinen Mitarbeitenden der Tischlerei dem Sargbau.
Daraus entstand die Idee, ein Sarg müsste sich doch mehrfach nutzen lassen. Zu Lebzeiten als Möbelstück, nach dem Tod als Sarg? Daraus entstanden zehn Möbelstücke: Eine Kommode, ein Bücherregal, sogar ein Tischkicker; sie alle können mit handwerklichem Geschick und wenigen Handgriffen zum Sarg zurückgebaut werden.
Der Sargbau für meinen verstorbenen Freund war für mich ein physisches Abschiednehmen.
In Wittichs Werkstatt hat eine Kundin gar für sich selbst einen Sarg gebaut, der von ihr zunächst mit mehreren Einlegeböden als Bücherregal genutzt werden wird. Dieses Sarg-Möbel hat Michael Olsen am Donnerstagnachmittag auf dessen selbst gebautem Bestattungsrad quer durch Freiburg auf die Neue Messe gefahren. Bei der dortigen Ausstellung "Leben und Tod" können unter anderem sowohl das Spezialrad als auch der Bücherregal-Sarg besichtigt werden.
Messe soll Mut machen, sich mit dem Tod zu beschäftigen
Die Ausstellung "Leben und Tod", die noch bis Samstagabend dauert, findet zum vierten Mal auf dem Freiburger Messegelände statt. Neben Vorträgen gibt es zahlreiche Messe-Stände, an denen Einblicke etwa in die Palliativpflege sowie Informationen über Hospizvereine und deren Arbeit geboten werden.
Sterbe- und Trauerbegleitung ist ebenfalls ein Messe-Thema. Interessierte Besucherinnen und Besucher können auf der Messe mit Fachleuten ins Gespräch kommen, die tiefere Einblicke in das Thema Sterben, Tod und Trauer geben können - beispielsweise von Selbsthilfegruppen oder Vereinen. Laut den Machern der Ausstellung soll die zweitätgige Messe Mut machen, sich mit diesem schwierigen Thema auseinanderzusetzen.