Ganz ohne Ball und Punktspiele geht es offenbar nicht: Nils Petersen kehrt zurück auf den Platz - in die Kreisliga. Für die Sportfreunde Oberried (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) streift der ehemalige Spieler des SC Freiburg wieder das Trikot über. Nicht für die erste, sondern für die zweite Mannschaft. Der Verein ist begeistert und freut sich über ein Fußball-Idol in der eigenen Kabine.
Petersen überrascht Fans und Verein mit Comeback
Nach seinem Abschied von der großen Fußball-Bühne im Mai 2023 blieb Petersen dem Rasen treu: ob als TV-Experte, kurzzeitig als Schiedsrichter oder zuletzt beim "Legendenspiel" des VfB Germania Halberstadt in Sachsen-Anhalt - eine der prägenden Fußballstationen des 36-jährigen Ex-Profis. Nun hat sich Petersen überraschend dem Kreisligisten Sportfreunde Oberried angeschlossen und wird dort für die zweite Mannschaft auflaufen. In Zukunft heißt es also: Dorfverein statt Spitzenclub.
Eine große Überraschung - auch für Damian Stibal, den Vorstand der Sportfreunde Oberried. Der Wechsel, erzählt er, habe sich über einen privaten, freundschaftlichen Kontakt zu einem Spieler der zweiten Mannschaft ergeben. Deshalb laufe Petersen auch nicht in der ersten, sondern in der zweiten Elf auf. "Es freut uns sehr als Verein, insbesondere im Hinblick auf unsere Jugendspieler. Nils ist ein Idol für sie. Wenn ein so renommierter Spieler plötzlich für einen Dorfverein wie Oberried spielt, ist das natürlich eine tolle Sache", so Stibal weiter. Wann und wie oft Petersen tatsächlich zum Einsatz kommt, ist noch offen. Im Gespräch ist, dass er hin und wieder das zweite Team verstärken wird.
Petersen war sozusagen vereinlos, nach einem Jahr muss man auch keine Ablöse mehr zahlen. Uns kostet das also keinen Pfennig.
Ex-Fußballprofi will keinen Hype auslösen
FC Freiburg-St. Georgen II, TV Köndringen II, SV Glottertal II - so heißen die Gegner der zweiten Herren aus Oberried. Kreisliga B, das ist Amateurfußball in seiner ganzen Romantik: Spielfelder, deren Linien mal mehr, mal weniger gerade gezogen sind, und Kabinen, die dringend wieder einmal einen Pinselstrich vertragen könnten. Doch Nils Petersen ist sich dafür nicht zu schade – im Gegenteil. Der gebürtige Wernigeröder gibt sich gewohnt bodenständig. Schon im Vorfeld der Partien ließ er durchblicken, keinen Hype auslösen zu wollen, berichtet Vereinsvorstand Damian Stibal. "Wir behandeln ihn wie einen normalen Neuzugang", betont er. "Wir in Oberried sind unkomplizierte Leute, da wird er sich schnell integrieren können", so Stibal weiter. Ein Einstandsfest sei bereits geplant, zu dem auch Petersen erwartet werde.
Petersen als TV-Experte tätig
Nils Petersen zählt zu den erfolgreichsten Stürmern der Bundesliga. Er spielte für Energie Cottbus, Werder Bremen, Bayern München und schließlich acht Jahre für den SC Freiburg.
Mit 34 Treffern nach Einwechslungen ist er bis heute der Rekord-Joker der Liga. Zudem absolvierte Petersen zwei Länderspiele und gewann mit der deutschen Olympia-Auswahl 2016 die Silbermedaille. Vor zwei Jahren beendete er seine aktive Karriere in Freiburg. Seither ist er als TV-Experte tätig - zunächst unter anderem bei Amazon Prime und RTL, inzwischen beim Streamingdienst DAZN.