Kaffeetassen mit dem "Hahn und Henne"-Dekor sollen in wenigen Tagen wieder in Zell am Harmersbach (Ortenaukreis) erhältlich sein. Verkauft werden sie in zehn Geschäften und Hotels in der Stadt. Produziert werden sie allerdings im Allgäu.
Frühere Beschäftigte geben Wissen weiter
Das "Hahn und Henne"-Geschirr, das jahrzehntelang in der Zeller Keramik produziert wurde, entsteht jetzt in der Allgäuer Keramik Hans Rebstock GmbH - in Handarbeit. Das Besondere daran: Ehemalige Fachkräfte der Zeller Keramik in den Produktionsstart wurden eingebunden. Die Firma, die 2023 insolvent ging, hatte in besten Zeiten 400 Beschäftigte. Einige wenige durften jetzt nochmal mitmischen.
Erika Börsig, die von 1972 an in Zell Tassen und Teller bemalt und mit Vornamen beschrieben hatte, ist heute in Rente. Doch auch sie ließ sich für das Revival noch einmal reaktivieren.
"'Hahn und Henne' ist ein Kulturgut von Zell", sagt sie. Um das Comeback zu unterstützen, hat sie deshalb Kolleginnen und Kollegen beim Produktionsstart im Allgäu für einige Tage begleitet und angelernt. "Ich bin froh, dass ich ein Stück weit mitwirken kann, dass es weiterlebt."
Social Media: Freude groß über Revival
In den sozialen Medien freuen sich viele Menschen über das Comeback des "Hahn und Henne"-Geschirrs. Unter einem Facebook-Post von SWR Aktuell schreiben einige Nutzerinnen und Nutzer von Kindheitserinnerungen, die sie mit den Tassen verbinden. Eine Nutzerin schreibt zum Beispiel, dass sie schon vor 80 Jahren eine "Hahn und Henne"-Tasse hatte. Für sie seien es "immer noch wunderschöne Arbeiten, die einem das Herz wärmen".
Eine andere Nutzerin ist so begeistert von dem Traditions-Logo, dass sie sich Hahn und Henne tätowieren lassen hat. Eine weitere hat eine zerbrochene Tasse wieder geklebt und nutzt sie jetzt als Blumentopf.
Einige kritische Stimmen finden sich aber auch unter dem SWR-Post auf Facebook. Kritik wird vor allem daran geübt, dass die Produktion des Geschirrs ins Allgäu verlegt wurde. Ein Nutzer schreibt dazu zum Beispiel: "Hahn und Henne kommt aus Zell am Harmersbach. Basta."
Verkaufsstart kurz vor der Ferienzeit
Im Zuge der Insolvenz hatte sich die Stadt Zell die Markenrechte für "Hahn und Henne" gesichert und den Kontakt zur Allgäuer Keramik hergestellt.
Damit habe die Stadt Zell am Harmersbach Verantwortung für ihr historisches Erbe übernommen, so Bürgermeister Günter Pfundstein (parteilos). "Dass das traditionelle Geschirr nun rechtzeitig zu den Sommerferien wieder in Handarbeit produziert wird, ist ein riesiger Gewinn für unserere Stadt, den Tourismus und die gesamte Region."
Offizielle Verkaufsstart für die neu aufgelegten Tassen ist der 24. Juli 2026.