Protestaktion am Batzenberg

Rote Ballons statt schnellere Züge: Protest gegen Ausbau der Rheintalbahn

Die Deutsche Bahn will die Rheintalbahn bei Schallstadt zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke ausbauen. Kritiker wollen den Ausbau verhindern - und protestieren mit roten Ballons.

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Rund 100 Menschen haben in Schallstadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) am Samstag gegen den Ausbau der Rheintalbahn demonstriert. Rote Luftballons veranschaulichten den Verlauf der geplanten neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Statt 160 km/h sollen zukünftig 200 km/h möglich sein

Die Deutsche Bahn will den Nah- und Fernverkehr zwischen Karlsruhe und Basel ausbauen. Teil des Projekts ist dabei der Ausbau der Rheintalbahn bei Schallstadt. Zwei zusätzliche Gleise sollen die bestehenden vier Spuren ergänzen und die Strecke damit langfristig entlasten. Geplant ist außerdem ein Tunnel durch den Batzenberg, der die Streckenführung auf der eher kurvenreichen Route verbessern soll.

Zukünftig könnten die Züge auf dem neuen Streckenabschnitt mit bis zu 200 km/h fahren. Bislang sind auf der bestehenden Strecke Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h möglich. Ziele des Ausbaus sind mehr Kapazität für Güter- und Personenverkehr, eine Beschleunigung des Fernverkehrs und die Verlagerung von Schwerlastverkehr von der Straße auf die Schiene, so ein Sprecher der Bahn.

Teilnehmende des Aktionstages in Schallstadt
Rund 100 Personen sind trotz Regen zum Aktionstag Batzenberg gekommen.

Bürgerinitiative lehnt Hochgeschwindigkeitsstrecke ab

Kritik kommt von der Bürgerinitiative "Gute Gleise e.V.". Sie lehnt insbesondere die groß dimensionierten Tunnel- und Brückenbauwerke ab. Vorstandsmitglied Thomas Reipöler hält die Pläne für unverhältnismäßig. "Diese ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke macht unserer Einschätzung nach keinen Sinn. Wir glauben, dass wir eine bessere Lösung haben." Zwar spreche sich die Bürgerinitiative mit ihren rund 150 Mitglieder für eine Modernisierung und Sanierung der Rheintalbahn aus, allerdings nur im bestehenden Gleisbett und ohne Hochgeschwindigkeitstrasse.

Der Bürgermeister von Schallstadt, Sebastian Kiss (parteilos), fühlt sich nach eigener Aussage von den Ausbauplänen überrollt. Er befürwortet auch den Ausbau der bestehenden Strecke, kritisiert aber die Pläne zum Bau des Batzenbergtunnels. "Die Frage ist, ob man das genauso machen muss und ob es Sinn macht, in dieser Forschheit vorzugehen", sagt der Politiker.

Reipöler und Kiss vor einem Plakat des Vereins "Gute Gleise"
Thomas Reipöler (links, Vorstandsmitglied Gute Gleise e.V.) und Sebastian Kiss (rechts, Bürgermeister Gemeinde Schallstadt)

Große Umbauten in der Freiburger Bucht: Tunnel, Brücken und neue Trassen

Künftig soll der Fernverkehr auf einigen Streckenabschnitten bis zu 250 km/h fahren können. Fernreisende könnten laut der Bahn dadurch bis zu 25 Minuten zwischen Karlsruhe und Basel einsparen, Pendlerinnen und Pendler in der Region im Schnitt etwa fünf Minuten pro Fahrt. Im Raum Freiburg sind dafür umfangreiche bauliche Eingriffe vorgesehen.

Es sind rund 105 Durchlässe, etwa 110 Brücken, sowie der Umbau von 14 Bahnhöfen geplant. Der Güterverkehr soll künftig überwiegend auf neu entstehenden Gleisen entlang der A5 geführt werden, um die Ortslagen zu entlasten.

Deutsche Bahn und Bürgerinitiative sind im Austausch

Die Deutsche Bahn bestätigt, dass man sich mit der Bürgerinitiative "Gute Gleise e.V." seit Längerem im Austausch befinde. Konkrete Vorschläge, die "sowohl eine deutliche Verbesserung der verkehrlichen Situation auf der Rheintalbahn erwarten lassen als auch den Projektzielen des Bundes entsprechen" lägen der Bahn aber nicht vor, so ein Sprecher.

Thomas Reipöler und die Bürgerinitiative sind anderer Meinung: "Die Bahn weigert sich hartnäckig, andere Ideen durchzuplanen. Wir arbeiten daran, dass sie es trotzdem tut." Gemeinsam mit betroffenen Kommunen habe man ein Gutachten in Auftrag gegeben, das erarbeiten soll, ob die Ausbaupläne notwendig seien oder nicht, so Reipöler.

Ob und wann es zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien kommt, ist unklar. Im nächsten Schritt soll laut der Bahn die Entwurf- und Genehmigungsplanung folgen, um ein Baurecht zu bekommen. Gleichzeitig müsse die Finanzierung durch den Bund gesichert werden.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Jorina Stuber
Jorina Stuber
Mario Schmidt
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