Das Seniorenzentrum mitten in Glottertal (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) soll nach etwa vier Jahren wieder öffnen. Das Gebäude war damals erst neu erbaut worden - für einen Millionenbetrag. Die Gemeinde Glottertal habe große Hoffnung in den damaligen Träger Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald gesteckt, sagt Karl Josef Herbstritt, Bürgermeister von Glottertal. Im Jahr 2022 dann der Schock: Das gerade erst fertig gestellte Seniorenzentrum Katharina-Rieder-Haus schloss. Der Caritasverband hatte Insolvenz angemeldet.
Neuer Träger für Seniorenzentrum Glottertal
Am Donnerstag ist die Nachricht verkündet worden: Der Caritasverband hat einen neuen Träger für das Seniorenzentrum in Glottertal gefunden. Die Dreisam Sozialmedizinische Pflegebetriebe gGmbH wird das Gebäude übernehmen. Seit mehr als 30 Jahren ist das Pflegeunternehmen in den Landkreisen Freiburg und Emmendingen tätig.
Der Caritasverband sei froh darüber. Endlich bekomme die Pflege wieder einen Platz in Glottertal. "An dieser Aufgabe ist der Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald damals leider gescheitert und wir sind uns schmerzlich bewusst, dass wir die Erwartungen der Menschen enttäuscht haben", sagt Bettina Leonhard, Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Breisgau-Hochschwarzwald.
Wir sind hier gescheitert.
Karl Josef Herbstritt, Bürgermeister von Glottertal, ist erleichtert. "Weil es die letzten Jahre doch eine Belastung war, dieses schöne, gut konzipierte Haus im Leerstand zu sehen", sagt er. Das Haus habe in dieser Zeit auch ein bisschen gelitten, meint Herbstritt. Er sei froh, dass man jetzt wieder im Ort den letzten Lebensabschnitt durchlaufen kann.
Neuer Träger - neues ambulantes Konzept
Für das Seniorenzentrum ist ein einzigartiges Pflege- und Wohnkonzept geplant. Die Menschen sollten trotz Pflegebedarf selbstbestimmt und eigenständig leben können, sagt Martin Lörcher, Geschäftsführer Dreisam Sozialmedizinische Pflegebetriebe gGmbH. Dafür ist ein Zusammenspiel von ambulant betreutem Pflegewohnen, einer Tagespflege für 20 Personen und einem ambulanten Dienst geplant.
Das bedeutet: Die Zimmer im Haus werden umgebaut in 40 kleine Appartements mit eigener Küche. Größe: zwischen 24 und 30 Quadratmeter. Dazu gibt es große Gemeinschaftsräume. Für die Appartements erhalten die Bewohner einen Mietvertrag, einen eigenen Schlüssel, eine eigene Klingel und einen Briefkasten. Die Bewohner können auch ihre eigenen Möbel mitbringen. Sie seien aber zu keiner Zeit allein im Haus, versichert Martin Lörcher. Es gebe immer eine Betreuung.
Dazu gibt es ein Grundleistungspaket, wie Putzservice und Betreuung. Weitere Pflegeleistungen können individuell gebucht werden, wie zum Beispiel eine Begleitung zum Arzt. Außerdem entstehen fünf sogenannte Verhinderungspflegeplätze. Das sind sozusagen Pflegeplätze auf Zeit, wenn zum Beispiel pflegende Angehörige im Urlaub sind.
Fachkräftemangel - auch in Glottertal
Das große Problem Fachkräftemangel beschäftigt auch die Dreisam sozialmedizinische Pflegebetriebe - so wie zuvor schon den Caritasverband. An dem Konzept sei der Vorteil, dass nur so viel Personal da sei, wie gerade benötigt werde. Zudem setzt es auf Angehörige, Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt.
Es ist nur so viel Personal da, wie die Menschen an Pflege benötigen.
Das ambulant betreute Pflegewohnen sei kostengünstiger als ein stationäres Angebot, sagt Martin Lörcher. Das Basispaket kostet 2.062 Euro. Lörcher vergleicht das mit einem herkömmlichen Pflegeheim: Da zahle man im ersten Jahr einen Eigenanteil von mehr als 3.000 Euro.
Wann es losgeht mit dem neuen Seniorenzentrum
Die Dreisam Sozialmedizinische Pflegebetriebe Gesellschaft plant den Start schrittweise. Am 1. Juli sollen die Tagespflege im Zentrum öffnen und der ambulante Dienst starten. Im September sollen dann erste Bewohner in die ambulanten Pflegewohnungen einziehen können. Über den Sommer wird das Haus umgebaut, damit aus den Zimmern Appartements werden. Außerdem wird später noch ein zweiter Aufzug eingebaut. Die Umbaukosten liegen bei rund einer dreiviertel Million Euro.