Hoffnung für Arthrose-Patienten

Nach revolutionärer Knie-Behandlung: Knorpel bei Patientin wächst nach

Ein neues Verfahren an der Uniklinik Freiburg lässt abgenutzten Knieknorpel nachwachsen. Eine Betroffene berichtet von deutlich weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit.

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Von Autor/in Nadine Zeller

Viele Menschen über 65 leiden unter Knieproblemen. Arthrose ist eine der häufigsten Volkskrankheiten - doch ein künstliches Knie wollen die meisten vermeiden. Ein neues Verfahren in Freiburg lässt abgenutzten Knorpel wieder nachwachsen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bisher nicht, trotzdem wird die Methode bereits bei Patienten wie Susanne Ehmer aus dem bayrischen Schwabach angewendet.

Knie-Schmerzen, die den Alltag bestimmten

Noch vor dem Eingriff konnte Susanne Ehmer kaum schmerzfrei laufen. "Ich bin aufgestanden und hatte schon im Bett Schmerzen. Jeden Schritt habe ich gespürt", erinnert sie sich. Fünf Monate nach der Operation zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Sie kann wieder Berge hinauf- und hinuntersteigen - fast schmerzfrei.

Eine Frau sitzt auf einer Parkbank.
Noch muss sich Knie-Patientin Susanne Ehmer gedulden, bis sie wieder ihre Lieblings-Sportarten ausüben darf.

Knie-Distraktion: Wie der Knorpel nachwächst

Die 58-Jährige entschied sich gegen eine Knieprothese und für die sogenannte Knie-Distraktion. Dabei werden Schrauben in Ober- und Unterschenkel gesetzt, an denen ein Gestell befestigt wird, das das Kniegelenk leicht auseinanderzieht. Dadurch wird der Gelenkspalt vergrößert und der Knorpel kann nachwachsen.

Eine neue Behandlungsmethode, die von einigen Medizinern als "revolutionär" bezeichnet wird. Denn lange glaubte man, dass zerstörter Knorpel nicht wiederherstellbar sei. Die Freiburger Uniklinik ist eine der ersten Kliniken in Deutschland, die das neue Verfahren anbieten. Allerdings meist auf Kosten der Patientinnen und Patienten - die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen den Eingriff bisher nicht. Außerdem führt die Uniklinik das Verfahren nur bei Menschen bis zu einem Alter von 65 Jahren durch.

Auf einem Handyfoto ist ein verbundenes Bein mit Schiene zu sehen.
Nach ihrer Knie-OP musste Susanne Ehmer sechs Wochen lang ein Gestell tragen.

Sechs Wochen musste Susanne Ehmer ihr Gestell tragen. Danach begann die lange Phase des Muskelaufbaus, die Geduld und regelmäßiges Training erfordert. "Muskel wird schnell abgebaut, aber braucht ewig zum Aufbauen. Für diesen Weg braucht man Zuversicht, Geduld und Training", erklärt der behandelnde Chirurg Kaywan Izadpanah.

Erste sichtbare Erfolge beim Knorpel im Knie

Bei der Nachuntersuchung fünf Monate nach dem Eingriff zeigt sich: an Stellen, die zuvor knorpelfrei waren, ist nun wieder Knorpelüberzug vorhanden. Izadpanah betont: "Wir sehen jetzt fünf Monate nach dem Eingriff, dass sich deutlich mehr Knorpel gebildet hat." Bis das volle Knorpelwachstum erreicht ist, kann es jedoch bis zu einem Jahr dauern.

Ein Arzt sitzt vor seinem Computer, auf dem Röntgenbilder angezeigt werden.
Chirurg Kaywan Izadpanah ist inzwischen von dem neuen Behandlungsverfahren überzeugt: Rund ein Jahr dauert es, bis der Knorpel vollständig neu gewachsen ist.

Kleine Schritte zurück in die Beweglichkeit

Für Sportarten wie Skifahren ist es für Susanne Ehmer noch zu früh. Wandern und Fahrradfahren sind jedoch bereits wieder möglich. Sie sagt: "Wenn man erwartet, nach vier Monaten ein neuer Mensch zu sein, ist man natürlich enttäuscht. Aber zu sehen, dass sich was tut und die Option besteht, dass es noch viel besser wird, ist doch gut."

Die Uniklinik Freiburg hat in den vergangenen Monaten bereits rund 1.200 Anfragen für das Verfahren erhalten. Der Rückblick zeigt: Die ersten Schritte zurück zu mehr Beweglichkeit sind vielversprechend - ein Hoffnungsschimmer für Arthrose-Patienten, die eine Knieprothese vermeiden möchten.

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Nadine Zeller
SWR Reporterin Nadine Zeller
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David Zastrow
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