Damit es an trubeligen Frühlings- und Sommerabenden auf Freiburgs Plätzen friedlich und sauber bleibt, schickt die Stadt mehr sogenannte Nachtmediatorinnen und Nachtmediatoren los. Ein Team aus elf Leuten ist ab sofort donnerstags bis samstags und vor Feiertagen zwischen 17 und 23 Uhr in Freiburg unterwegs, wie die Stadt jetzt mitteilte.
In Zweier-Teams sollen sie unter anderem in der Innenstadt, am Seepark und an der Dreisam dafür sorgen, dass es für Anwohnerinnen und Anwohner nicht zu laut wird und Feiernde ihren Müll korrekt entsorgen. Außerdem leisten sie den Angaben zufolge bei Bedarf Erste Hilfe oder begleiten Menschen zur nächsten Bushaltestelle. Gestartet war das Programm im Mai 2023 mit vier Nachtmediatoren, auch "Nachteulen" genannt.
Nachteulen in Freiburg: Eigenschutz geht vor
Jade Decker und Joris Kamerzin sind zwei dieser elf Nachteulen. An einem Samstagabend Anfang Mai ziehen sie gemeinsam durch die Stadt. Decker ist von Anfang an dabei, also im vierten Jahr. Sie hat schon einige Erfahrungen gesammelt, meistens gute, wie sie sagt. Wenn es Konflikte gibt, holen sie sich Hilfe. In Gewaltsituationen begeben sie sich nicht. "Eigenschutz ist immer noch das höchste Gut", sagt sie.
An diesem Abend bleibt es friedlich. Das Wetter ist gut, in der Stadt ist viel los. Decker und Kamerzin inspizieren das Ufer der Dreisam. Mehrere Kilometer geht es direkt am Fluss entlang. Am Ufer wird oft illegal gegrillt und der Dreck liegen gelassen. Ob das immer so gut ankommt, wenn sie die Leute so direkt ansprechen? Es komme selten vor, dass sie "angemacht werden", sagt Decker.
Stadt Freiburg: Nachtmediatoren als Erfolgsmodell
10 bis 20 Kilometer legt jedes Team pro Abend zurück - je nach Einsatzort. "Wir haben das mal ausgerechnet", sagt Decker. "Im ersten Jahr sind wir von hier bis nach Rom gelaufen." Unterwegs verteilen sie bei Bedarf auch kleine Aschenbecher für die Tasche. Die kämen bei allen besonders gut an, sagen Decker und Kamerzin.
Im ersten Jahr sind wir von hier bis nach Rom gelaufen.
Aus Sicht der Stadt Freiburg sind die Nachtmediatoren ein Erfolgsmodell. Ihre präventive Wirkung habe sich in den vergangenen Jahren gezeigt, heißt es in der Mitteilung. Demnach gab es beispielsweise von Anwohnerinnen und Anwohnern am Seepark deutlich weniger Beschwerden. Die elf Beschäftigten arbeiten in Teilzeit bei der Stadt. Für den Doppelhaushalt 2025/2026 hatte der Gemeinderat die Stellenanteile erhöht.
Wie Stuttgart und Heidelberg das Nachtleben regeln
Auch in anderen Städten in Baden-Württemberg setzen sich Menschen für ein friedliches Miteinander im Nachtleben ein. Stuttgart zum Beispiel hat seit 2021 einen sogenannten Nachtmanager, der zwischen Anwohnern auf der einen Seite und Kulturschaffenden und Clubbetreibern auf der anderen vermittelt. Außerdem gibt es einen Mitarbeiter in der städtischen Wirtschaftsförderung als verwaltungsinternen Lotsen für das Nachtleben.
In Heidelberg gab es von 2022 bis 2024 ein ähnliches Konzept wie in Freiburg. Im Auftrag der Stadt liefen sogenannte Night Coaches während der Sommermonate in Zweier- oder Dreierteams über die Neckarwiese und durch die Altstadt, immer freitags und samstags von 17 bis 1 Uhr nachts.
Ähnlich wie Streetworker sprachen sie mit Anwohnern, Feiernden und Passanten, um Konflikte zu vermeiden, bevor sie entstehen. Mit Erfolg: Weniger Ordnungswidrigkeiten und Beschwerden seien die Folge gewesen, so der Nachtbürgermeister Jimmy Kneipp. Im Zuge der Haushaltskürzungen der Stadt wurde das Projekt vergangenen Jahres jedoch eingestellt.