Erst im Frühjahr waren in Friedrichshafen (Bodenseekreis) die Tempo-30-Zonen massiv ausgeweitet worden. Auf mehr als der Hälfte dieser Strecken will die Stadt nun stattdessen Tempo 40 anordnen. Das geht aus einer aktuellen Sitzungsvorlage des Gemeinderats hervor.
Im April und Mai hatte die Stadt Friedrichshafen Tempo 30 auf mehr als 20 Straßen umgesetzt - darunter zentrale Verkehrsadern wie die Ravensburger Straße, die Paulinenstraße und die Ehlersstraße. Grundlage dafür war der Lärmaktionsplan, den der Gemeinderat im Oktober 2025 beschlossen hatte. Er hat zum Ziel, die Belastung durch Lärm in der Stadt zu verringern.
Folgen der Temporeduzierung für Feuerwehr und Busse
Schon damals hatte es Einschätzungen zu den Folgen von Tempo 30 für den Busverkehr und die Feuerwehr gegeben. Nun aber schreibt die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage: "Erst im Nachgang zu den Beschlüssen konnten die erforderlichen Auswirkungen und Folgen detaillierter untersucht und bewertet werden." Zu bestimmten Fakten habe der Gemeinderat damals "zum Teil keine oder nur unzureichende Kenntnis" gehabt. Ob die Entscheidungen "rechtsfehlerfrei" getroffen worden seien, sei deshalb "fraglich", heißt es in den Unterlagen.
Das betrifft zum einen die Feuerwehr: Jede Gemeinde sei verpflichtet, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten, so die Stadtverwaltung. Hierzu gehöre unter anderem, dass die Feuerwehrleute im Ernstfall innerhalb einer bestimmten zeitlichen Frist einsatzbereit seien. Eine Untersuchung habe aber ergeben, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung auf den entsprechenden Strecken das zum Teil verhindere.
Der Grund: Ehrenamtliche Einsatzkräfte bräuchten länger zur Feuerwache, wodurch die Feuerwehr die gesetzlichen Hilfsfristen teils überschreite. Kompensieren könne man das entweder durch zusätzliche hauptamtliche Stellen bei der Feuerwehr oder mithilfe eines Bereitschaftsdiensts ehrenamtlicher Kräfte. Beides sei jedoch - unter anderem aus finanziellen Gründen - unrealistisch und nicht umsetzbar, so die Stadtverwaltung.
Stadt hofft auf besseren Verkehrsfluss mit Tempo 40
Auch im Busverkehr verlängerten sich durch die zusätzlichen Tempo-30-Zonen die Fahrtzeiten. Das habe eine Analyse des Stadtverkehrs Friedrichshafen ergeben, heißt es in der Sitzungsvorlage. Von längeren Fahrtzeiten von bis zu sechs Minuten pro Fahrt und Richtung ist die Rede. Das führe unter anderem zu Problemen bei Anschlussverbindungen. Das soll durch die Einführung von Tempo 40 auf einigen Hauptverkehrsstraßen vermieden werden - auch weil sich die Stadtverwaltung dadurch einen besseren Verkehrsfluss erhofft.
Die neue Regelung wird am Montag, 5. Oktober, im Finanz- und Verwaltungsausschuss und am Montag, 19. Oktober, im Gemeinderat vorgestellt. Danach werde die Geschwindigkeitsbeschränkung angeordnet und in den nächsten Wochen Zug um Zug mit der entsprechenden Beschilderung spätestens zum Fahrplanwechsel des Stadtverkehrs zum Jahresende umgesetzt, sagte eine Sprecherin der Stadt dem SWR.