Audi muss den Gürtel enger schnallen. Der Automobilhersteller mit einem Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) will jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen und deutschlandweit bis 2029 rund 7.500 Stellen abbauen. 90 Prozent des Personalabbaus sollen über sozialverträgliche Instrumente wie Altersteilzeit und Vorruhestand erfolgen. Jetzt sind Details bekannt.
Einsparungen bei Audi: Angebote für die Jahrgänge 1964 bis 1970
Für Mitarbeitende der Jahrgänge 1964 bis 1968 hat Audi ein neues Vorruhestandsprogramm im Angebot, das einen früheren Ruhestand ermöglicht. Zudem besteht für die Jahrgänge 1967 bis 1970 die Möglichkeit der sogenannten langen Altersteilzeit. Dabei arbeiten die Beschäftigten zunächst drei Jahre lang regulär weiter, bevor sie für weitere drei Jahre freigestellt werden. Beide Programme basieren auf doppelter Freiwilligkeit – das heißt, sowohl das Unternehmen als auch die Mitarbeitenden müssen zustimmen.
Betriebsrat fordert: Stellenabbau nicht mit "Rasenmäher-Methode"
Weitere Details zum Personalabbau wurden am Donnerstag nicht bekannt. Der Betriebsrat richtet klare Forderungen an die Geschäftsleitung: Der geplante Personalabbau dürfe nicht nach dem Prinzip der pauschalen "Rasenmäher-Methode" erfolgen. Vielmehr müsse jede einzelne Maßnahme sorgfältig und individuell auf die unterschiedlichen Geschäftsbereiche sowie auf die betroffenen Mitarbeitenden zugeschnitten werden.
Audi plant massive Einsparungen und Stellenabbau
Für die Produktion seien keine Kürzungen vorgesehen gewesen, hieß es im Frühjahr, als das Sparpaket erstmals angekündigt wurde. Audi sicherte seiner Belegschaft eine Beschäftigungsgarantie bis 2033 zu. Trotzdem ist die Unsicherheit auf dem Werksgelände groß, wie eine Blitzumfrage unter den Beschäftigten zeigt.
Unsicherheit und Sorgen in der Belegschaft
Viele wüssten nicht, wohin die Reise gehe, beschreibt etwa Logistikmitarbeiterin Samira Mack die Stimmung in ihrem Team. "Man hängt in der Luft, man weiß nicht, wie es weitergehen soll". Besonders schwer wiegt die Ungewissheit für Beschäftigte mit unsicherem Status. Manuel Gauch ist einer von ihnen. Der Leiharbeiter in der Vormontage sorgt sich konkret um seinen Job: "Ob ich eine Zukunft habe, ist meine Frage."
Eberhard Zawal, der seit 50 Jahren im Unternehmen ist, sieht das Ganze etwas gelassener: "Auf und nieder gibt es immer. Wenn man mehr Elektroautos baut, braucht man weniger Leute. Das ist ja auch logisch", sagt der Fertigungsgruppenleiter dem SWR. Auch Jenny Berkefeld, Serienbetreuerin im Karosseriebau, glaubt an die Wandlungsfähigkeit der Traditionsmarke: "Es gab ja schon immer Höhen und Tiefen in der Automobilbranche."
Doch in einem Punkt herrscht weitgehend Einigkeit: Die Marke mit den vier Ringen muss schleunigst mehr Fahrzeuge verkaufen, um den Standort Neckarsulm zu sichern. "Unsere Zahlen gehen nach unten, das Geschäft läuft rückwärts - und wir müssen irgendwie überleben. Nicht nur das Unternehmen, auch jeder Einzelne von uns", mahnt Audianer Athanasius Lambropoulos. Es gehe längst nicht mehr nur um Bilanzen, sondern um Arbeitsplätze - um Existenzen, die auf dem Spiel stünden, fügt Presswerkmitarbeiter Lambropoulos hinzu.
Audi steckt tief in der Krise
Mit 1,67 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2024 lag Audi deutlich hinter den deutschen Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz. Der operative Gewinn brach sogar um 38 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro ein. Hauptgründe sind vor allem rückläufige Auslieferungen sowie eine Vielzahl neuer Produkte, die ihre Wirkung noch nicht entfalten konnten.