Ein Jagdpächter aus Hardthausen (Kreis Heilbronn) muss sich seit Montag vor dem Heilbronner Landgericht verantworten. Die Anklage lautet: versuchter Mord. Der Mann soll im Sommer 2024 mehrfach Drahtseile auf einer Mountainbike-Strecke im Wald zwischen Eberstadt und Weinsberg-Grantschen (beide Kreis Heilbronn) gespannt haben. Der Angeklagte ließ zu Prozessbeginn durch seine Verteidigerin verlesen, er habe niemanden verletzen wollen.
Zeuge entdeckt Drahtseil rechtzeitig - Jagdpächter angeklagt
Den Angaben zufolge wollte der damals 59 Jahre alte Mann die Radfahrer von der Waldstrecke fernhalten. Er spannte in einer Höhe von etwa einem Meter nahezu unsichtbare Drahtseile. Nach Einschätzung der Ermittler bestand dadurch eine erhebliche Gefahr für die Nutzer der Strecke. Glück und Zufall sei es zu verdanken, dass niemand verletzt wurde oder ums Leben kam, hieß es damals von der Polizei.
Ein besonders stabiles Drahtseil wurde laut den Ermittlungen rechtzeitig von einem Zeugen entdeckt und entfernt. Dadurch konnte möglicherweise Schlimmeres verhindert werden. Im Prozess ließ der Angeklagte am Montagmorgen allerdings verlesen, er hätte extra dünne Drähte besorgt. Diese sollten reißen, wenn jemand durchfährt. So wollte er den Trail unattraktiv machen, aber niemals jemanden gefährden.
Polizei: Betroffener Mountainbike-Trail ist illegale Strecke
Laut Polizei handelt es sich bei der Strecke zwischen Eberstadt und Weinsberg nicht um einen offiziellen Mountainbike-Trail. Beschwerden oder Anzeigen wegen der Nutzung habe es aber nicht gegeben. Nach Ansicht des Angeklagten wollte er dafür sorgen, dass das Jungwild in dem Bereich zur Ruhe komme.
Weiter verlas seine Anwältin: Er habe auch lange versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und darum gebeten, eine andere Strecke zu nutzen. Auch Flatterband, das er aufgehängt habe, sei ignoriert worden.
Der Mann war zunächst in Untersuchungshaft. Später war er aber wieder auf freien Fuß gekommen. Das Gericht hatte keine Fluchtgefahr gesehen. Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren bis hin zu lebenslanger Haft.
Immer wieder Angriffe auf Mountainbike-Strecken
Der Fall erinnert an weitere Vorfälle in der Region Heilbronn-Franken. Immer wieder wurden Hindernisse auf Mountainbike-Strecken entdeckt: So wurden auf einem offiziellen Mountainbike-Trail in den Löwensteiner Bergen (Kreis Heilbronn) Nägel in den Boden geschlagen. Auch in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) wurden Nägel auf Strecken platziert sowie Drähte über Mountainbike-Trails gespannt.