Ein offenbar bundesweit agierendes Netzwerk soll gegen Geld Menschen vermittelt haben, die sich als Prüflinge ausgaben. Reihenweise sollen sie so für die Führerschein-Anwärterinnen und -Anwärter die Theorieprüfung bestanden haben. Jetzt haben die Heilbronner Polizei und Staatsanwaltschaft zugeschlagen. Am Mittwochmorgen kam es zu einer groß angelegten Razzia mit über 130 Einsatzkräften. Im Fokus stand auch ein Heilbronner Fahrschulinhaber.
Lukratives Geschäftsmodell: 5.000 Euro für eine bestandene Prüfung
Der 52-jährige Mann soll mit der Bande zusammengearbeitet haben, so die Behörden. Die Vermittlung soll dem Fahrschulinhaber aus Heilbronn erhebliche Einnahmen eingebracht haben. Gemeinsam mit seinen Söhnen und weiteren Mittelsmännern habe er systematisch seinen Fahrschülerinnen und Fahrschülern zu einer bestandenen Theorieprüfung verholfen, heißt es.
Diese hätten teilweise täuschend ähnliche Stellvertreter übernommen - ausgestattet mit den echten Ausweispapieren der Prüflinge. Laut Polizei bezahlten die Prüflinge dafür teils bis zu 5.000 Euro für den bestandenen Test.
Betrug bei Führerschein-Prüfung: "Prüflinge" reisten durch halb Deutschland
Laut Polizei reisten die "Ersatzprüflinge" teils hunderte Kilometer aus anderen Bundesländern an, um dann im Raum Heilbronn den Test zu absolvieren. Dabei sollen die Drahtzieher vorab abgeklopft haben, welcher Prüfer im Einsatz war und sagten daraufhin manche Fake-Aktion auch kurzfristig ab.
Die Polizei stellte bei der Razzia, bei der zeitgleich 29 Gebäude in fünf Bundesländern durchsucht wurden, eine fünfstellige Bargeldsumme, hochwertige Luxusautos sowie Schreckschusspistolen und weiteres Beweismaterial sicher. Insgesamt wurden zwölf Menschen festgenommen, heißt es von der Behörde.
Der Heilbronner Polizeipräsident Frank Spitzmüller und Oberstaatsanwalt Frank Schwörer lobten die monatelange akribische Arbeit der Ermittler. Nun seien auch die Fahrerlaubnisbehörden gefragt: "Jede so erworbene Fahrerlaubnis muss zwingend geprüft und wieder entzogen werden", so Spitzmüller. Schließlich seien diese Schein-Prüfungen ein Risiko für alle Verkehrsteilnehmenden.