In Heilbronn wird Wohnraum in den nächsten Jahren immer knapper, die Mieten werden steigen, glaubt nicht nur der Mieterbund. Die Stadt setzt auf Neubauten, doch Kritiker sehen darin ein Teil des Problems.
Alfred Huber kurvt mit seinem Fahrrad durch das neue Wohnquartier Neckarbogen. Er rollt vorbei an nachhaltigen Holzhybridhäusern und Blockrandbauten aus einheimischem Sandstein - aneinandergereiht wie bei einer Ausstellung moderner Architektur.
Huber zieht die Augenbrauen zusammen. "Das kann nicht unsere Zukunft sein", sagt der Vorsitzende des Mieterbunds Heilbronn-Franken.
Sorgen bereitet ihm nicht das Wohnkonzept, sondern die daraus resultierenden hohen Mieten. Denn diese könnten zum Leitbild für Heilbronn werden. "Das ist unheimlich, Wohnungen mit 35 Quadratmetern für weit über 1.000 Euro", moniert der 82-Jährige.
Solch hohe Mietkosten habe er in seinen 40 Jahren beim Mieterbund noch nie erlebt. "So kann das nicht weitergehen", warnt Huber. Er glaubt, dass andere Vermieter in der Stadt nachziehen und ihre Mieten entsprechend anpassen werden.
Heilbronn wächst - mehr Menschen, mehr Wohnbedarf
Huber ist mit seiner Befürchtung nicht allein. Auch der Immobilien-Sachverständige Frederic Schorndorfer rechnet in den kommenden fünf bis sechs Jahren mit steigenden Mieten in Heilbronn.
"Der Druck auf dem Wohnungsmarkt wird zunehmen", meint Schorndorfer. Mit dem Ausbau des Bildungscampus, dem KI-Zentrum IPAI und dem neuen IT-Zentrum der Schwarz Gruppe gewinnt Heilbronn zunehmend an Attraktivität - nicht nur für Studierende, sondern auch für Fachkräfte aus dem In- und Ausland.
Heilbronn wird sich dem Niveau Stuttgarts annähern
Heilbronn setzt auf neue Wohnbauprojekte
Die Stadt selbst sieht die Lage weniger dramatisch. Laut einer aktuellen Prognose könnte Heilbronn bis 2030 um rund 4.400 Einwohner wachsen.
Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, hat das Planungsamt bereits neue Baugebiete identifiziert, die "Schritt für Schritt entwickelt werden können", erklärt Stadtsprecherin Claudia Küpper. "Damit sichert die Stadt Heilbronn die Rahmenbedingungen, damit der Wohnungsmarkt mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten kann", ergänzt sie.
Genau darin sieht Alfred Huber das Problem: Statt nur auf Neubauten mit hohen Mieten zu setzen, sollten bestehende, ältere und vor allem bezahlbare Wohnungen besser genutzt werden. "In Heilbronn stehen rund 2.600 Wohnungen leer", sagt Huber.
Der Mieterbund schlägt vor, diese Wohnungen stattdessen instand zu setzen und zu nutzen. Zudem sei es an der Zeit, "ein Zweckentfremdungsverbot wie in anderen Städten einzuführen", fordert Huber.
Ein Zweckentfremdungsverbot steht derzeit nicht zur Debatte, heißt es aus dem Rathaus. Einen strukturellen Wohnungsleerstand gebe es in Heilbronn nicht, erklärt Stadtsprecherin Claudia Küpper.
Leerstehende Wohnungen machten lediglich 4,15 Prozent des Gesamtbestands aus. Das sei nicht nur üblich, sondern auch notwendig, damit der Wohnungsmarkt reibungslos funktioniere - etwa bei Umzügen, Renovierungen oder der Wohnungssuche.
Stattdessen setzt Heilbronn auf geförderten Wohnraum, der mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird, damit die Mieten günstig bleiben: Die Stadt hat beschlossen, dass bei Bauprojekten mit zwölf oder mehr Wohnungen ein Teil als geförderter Wohnraum entstehen soll. Dafür wird mit dem jeweiligen Investor eine Quote vereinbart "Zielmarke ist oftmals ein Anteil von mindestens 20 Prozent", sagt Küpper.
Auch im Neubauprojekt Neckarbogen plant die Stadt mit rund einem Fünftel gefördertem Wohnraum. Alfred Huber ist skeptisch, ob die geplanten Förderungen von den Bauherren tatsächlich umgesetzt werden. "Das glaube ich noch nicht", zweifelt der Vorsitzende des Mieterbunds.
Bei den vielen Bauprojekten und unterschiedlichen Investoren fehle es noch an Transparenz, so Huber. Deshalb wird er auch künftig regelmäßig mit dem Fahrrad durch den Neckarbogen kurven und die Entwicklung im Auge behalten.