Mitarbeitende sind verunsichert

Kartellamt verhindert Tönnies-Übernahme des Crailsheimer Schlachthofs

Die Tönnies-Gruppe darf drei Standorte des Vions-Konzern nicht übernehmen, darunter der Schlachthof in Crailsheim. Das entschied das Bundeskartellamt.

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Von Autor/in Leonie Kühn

Es herrscht Aufruhr beim Vion-Schlachthof in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall): Die Tönnies-Gruppe, inzwischen Premium Food Group, darf das Unternehmen nicht wie geplant übernehmen. Das hat das Bundeskartellamt am Donnerstag entschieden. Die Übernahme hätte die Marktposition "bedenklich bestärkt". Rund 600 Mitarbeitende des Crailsheimer Schlachthofs sorgen sich nun um ihre Zukunft.

Kartellamt verhindert Übernahme der deutschen Standorte des Vion-Konzerns

Insgesamt drei Standorte des niederländischen Vion-Konzerns wollte die Premium Food Group übernehmen, darunter der Schlachthof in Crailsheim. Das hat das Bundeskartellamt mit der jetzigen Entscheidung verhindert. Bisher ist Vion Marktführer bei der Rinderschlachtung in Deutschland. Mit einer Übernahme hätte Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen, neben der Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen, auch bei Rindern eine dominierende Position erlangt, sagt das Kartellamt.

Mitarbeitende des Crailsheimer Schlachthofs besorgt über Zukunft

Rund 600 Mitarbeitende des Vion-Standorts in Crailsheim sind nun durch die Entscheidung des Bundeskartellamts verunsichert. Die Geschäfte liefen aktuell gut, hieß es aus dem Betriebsrat. Über die jetzige Entscheidung seien die Mitarbeitenden allerdings entsetzt, berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Michael Kugler dem SWR. Jetzt sei die Unsicherheit noch größer als bisher und die weiteren Schritte des Konzerns müsse man abwarten.

Wir haben da schon Hoffnung reingesetzt, dass man von Tönnies jetzt übernommen wird und dass es dann hier gewiss weitergeht.

Tönnies und Vion prüfen weiteres Vorgehen

Laut Vion habe die Entscheidung vorerst keine Auswirkungen auf das allgemeine Tagesgeschäft. In einer Stellungnahme betont das Unternehmen, weiterhin für die Kundinnen und Kunden sowie Partnerinnen und Partner aus der Landwirtschaft da zu sein. Die Entscheidung des Bundeskartellamts sei zwar anders ausgefallen als angenommen, man respektiere sie aber, so die Vion-Geschäftsführerin Tjarda Klimp. Dennoch werde man die Bewertung des Bundeskartellamts analysieren und anschließend über weitere Schritte entscheiden.

Tönnies sei enttäuscht über die Entscheidung des Bundeskartellamts. "Diese Entscheidung ist ein harter Schlag für die Landwirtinnen und Landwirte in Süddeutschland, die seit Monaten auf eine klare Zukunftsentscheidung gehofft haben", heißt es in einer Stellungnahme. Das Unternehmen will die Begründung des Amts nun überprüfen und erst dann über mögliche rechtliche Schritte entscheiden.

Viele Landwirte der unabhängigen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe-Franken (UEG) hoffen, dass der Betrieb in Crailsheim weitergeht, so Geschäftsführer Uwe Rüttiger. Sonst werde die Schweineproduktion in der Region nachhaltig geschädigt.

Das wäre der Worst Case für die Mitarbeiter und für die Bauern. Das würde für uns bedeuten, dass wir die Tiere weiter weg fahren müssen [...]. Da werden viele Betriebe dann aussteigen.

Protestaktion am Schlachthof in Crailsheim

Anfang April hatten rund 80 Tierschutzaktivistinnen und Tierschutzaktivisten den Betrieb in Crailsheim teilweise zum Erliegen gebracht. Sie hatten sich auf dem Gelände festgeklebt - einige im Betrieb, andere vor der Pforte. Die Zufahrt zum Schlachthof wurde blockiert. Sie befürchteten durch die mögliche Übernahme unter anderem eine größere Marktmacht der Premium Food Group und eine Verschlechterung beim Tierwohl.

Crailsheim

Aktivisten klebten sich fest und kletterten aufs Dach Protestaktion auf Schlachthof in Crailsheim: 27 Aktivisten droht Anzeige

In Crailsheim sind am Montagmorgen Aktivisten in einen Schlachthof eingedrungen. Dort haben sie sich sowohl vor dem Firmentor als auch im Betrieb auf dem Boden festgeklebt.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

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Leonie Kühn