Eine 26 Jahre alte Mutter ist beim Überqueren der Gleise am Samstag an einem Bahnübergang in Leingarten (Kreis Heilbronn) von einem Regioexpress erfasst und tödlich verletzt worden. Ihr zweijähriges Kind, das sich in einem Kinderwagen befand, blieb nach ersten Erkenntnissen unverletzt. Im letzten Moment soll sie den Wagen von den Gleisen geschoben haben. Die Polizei untersucht derzeit, wie es trotz funktionierender Warnsysteme zu dem tragischen Unglück kommen konnte. Eine Schranke gibt es an der Stelle nicht.
Mutter geht bei Rot über Bahnübergang und wird von Zug erfasst: Frau stirbt, ihr Kind überlebt
Der Bahnübergang Leingarten-Mitte verfügt über eine Fußgängerampel und ein akustisches Warnsignal. Sowohl die Fußgängerampel als auch das akustische Warnsignal am Bahnübergang haben nach ersten Erkenntnissen einwandfrei funktioniert, sagte ein Polizeisprecher am Montag auf SWR-Anfrage. Es gebe keine Hinweise auf einen technischen Defekt.
Warum die Frau dennoch den Gleisbereich betrat, ist weiterhin unklar. Das sei Gegenstand der Unfallermittlung, so der Sprecher weiter. Auch Bürgermeister Ralf Steinbrenner (parteilos) kann sich nicht erklären, wie es zu dem Unfall kommen konnte: "Es ist unbegreiflich", sagte er im SWR-Interview. Auch die Sicht an dieser Stelle sei unbeeinträchtigt.
Das macht einen fassungslos. [...] Es ist so tragisch, wenn sie da hinkommen und hören das Kind schon schreien.
Keine Schranke an Bahnübergang: Anwohner berichten von gefährlichen Situationen
"Ich kann mir nur vorstellen, dass die Frau sehr sehr abgelenkt war", so Steinbrenner weiter. Der tödliche Unfall hat auch bei Anwohnenden die Diskussion über die Sicherheit des unbeschrankten Bahnübergangs neu entfacht. Eine Passantin, die in unmittelbarer Nähe wohnt, schildert den Vorfall am vergangenen Samstag so:
Ich habe gehört, dass der Zug sehr, sehr lange gehupt hat. Ich verstehe es nicht.
Die Frau berichtet, dass es immer wieder zu gefährlichen Verhalten, insbesondere von Jugendlichen, an der Stelle komme. Auch Radfahrer oder E-Scooter-Fahrer würden die Gleise überqueren, ohne ausreichend auf den Bahnverkehr zu achten. Gleichzeitig spricht sie sich für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen aus: "Vielleicht wäre eine Schranke noch gut. Ich habe mir das schon so oft überlegt."
Wie sie hat auch ein weiterer Passant beobachtet, dass die Menschen "hier oft nicht richtig schauen". "Ich habe schon oft mitbekommen, dass manche Eltern durch ihr Handy abgelenkt sind. Aber ich habe nicht gedacht, dass so etwas passiert", sagte der Mann dem SWR.
Nach tödlichem Unfall: Bahnübergang wird untersucht
Nach dem Unfall wird nun auch der Bahnübergang "Leingarten-Mitte" selbst näher betrachtet. Ein Unfallschwerpunkt sei der Übergang auf jeden Fall nicht, sagte Bürgermeister Steinbrenner. Dennoch ist es nicht der erste tödliche Unfall, so der Polizeisprecher. Bereits im Jahr 2022 sei nahe des aktuellen Unfallorts, am Bahnhof Leingarten, ein Mann beim Überqueren der Gleise gestorben.
Allerdings liege die Zuständigkeit für mögliche bauliche oder technische Maßnahmen nicht bei der Polizei. "Natürlich gerät jetzt der Bahnübergang in den Fokus", so der Polizeisprecher. Ob aber weiterer Handlungsbedarf besteht, müsse von den zuständigen Stellen bewertet werden. Die Polizei könne dabei lediglich beratend tätig sein.
Zuständig seien die Deutsche Bahn beziehungsweise die Betreibergesellschaft AVG (Albtal-Verkehrs-Gesellschaft) sowie die Bundespolizei. Laut Steinbrenner soll es nächste Woche Gespräche dazu geben.
43 Fahrgäste im Zug - Strecke stundenlang gesperrt
Trotz einer Notbremsung konnte der Zusammenstoß nicht verhindert werden. Im Zug befanden sich nach Angaben der Polizei 43 Fahrgäste - von ihnen wurde niemand verletzt. Für die Unfallaufnahme und die Bergungsarbeiten musste die Bahnstrecke zwischen Heilbronn und Karlsruhe rund viereinhalb Stunden in beide Richtungen gesperrt werden.