Die Neckarsulmer Supermarktkette Kaufland hat dem TÜV Süd einen Großauftrag erteilt: Er soll alle Filialen in Deutschland unangekündigt auf mögliche Mängel kontrollieren. Hintergrund ist ein Hygiene-Skandal im April. Damals hatten Journalisten die Mängel öffentlich gemacht. Jetzt zieht das Unternehmen Konsequenzen.
Filialschließungen nach Mäusekot und verschimmeltem Käse
Undercover-Journalisten von "Stern" und "RTL" hatten für die Recherche 50 Filialen untersucht. Zwei Reporterinnen arbeiteten demnach auch verdeckt in zwei Märkten. Entdeckt wurden unter anderem verschimmelter Käse in der Frischetheke einer Filiale im bayerischen Bad Tölz sowie Mäusebefall und nicht zuverlässig arbeitende Kühltruhen in Homburg im Saarland. Der Lebensmitteldiscounter Kaufland schloss daraufhin beide Filialen vorübergehend und kündigte eine Aufarbeitung an. Ein Fünf-Punkte-Plan für Hygiene, Sauberkeit und Sicherheit wurde ausgelobt.
Zertifikat soll Vertrauen der Verbraucher steigern
Jetzt soll ein TÜV-Zertifikat das Vertrauen der Kunden stärken. So lautet das Ziel der Supermarktkette. Mehr als 200 der insgesamt 780 Filialen in Deutschland hätten das Prüfsiegel bereits erhalten, teilte das Unternehmen mit.
Bei den unangemeldeten Kontrollen externer Experten überprüfe der TÜV unter anderem Reinigungsprozesse, die Hygiene bei Betrieb und Mitarbeitenden oder auch, ob die gesetzlichen Temperaturvorgaben eingehalten werden.
"500 Millionen Euro pro Jahr in neue Kühlmöbel"
An mehr als 200 Standorten will Kaufland die Kühlmöbel austauschen, heißt es in der Mitteilung weiter. Dafür seien 500 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Die geschlossene Filiale in Homburg werde voraussichtlich Ende des Jahres wieder eröffnet.
Kaufland hat nach eigenen Angaben mehr als 770 Filialen und über 90.000 Beschäftigte in Deutschland. Die Supermarktkette ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm im Kreis Heilbronn.