Vor Spielbeginn des Südwestderbys in der Zweiten Fußballbundesliga kam es laut Karlsruher SC am Sonntagmittag vor der Südtribüne des Wildparkstadions zu einem Polizeieinsatz gegen Fans des KSC. Die Polizei spricht von mangelhaften Einlasskontrollen durch den KSC. Der Verein weist die Kritik zurück.
Vor Derby KSC-FCK: "Sicherheitsrelevante Mängel" bei den Einlasskontrollen
Gegen 12 Uhr, anderthalb Stunden vor dem Spiel, waren laut Polizei sicherheitsrelevante Mängel bei den Einlasskontrollen festgestellt worden. Der Forderung nach Nachbesserung sei der Verein nicht ausreichend nachgekommen. Die Einlasskontrollen des KSC stehen seit dem Pyro-Eklat im Spiel gegen St. Pauli im November 2022 in der Diskussion.
Es bestand seitens der Polizei der Verdacht, dass verbotene Gegenstände ins Stadioninnere gebracht werden sollen.
Die Polizei gibt an, dass sich im weiteren Verlauf rund 100 KSC-Fans vor den Einsatzkräften versammelten, um die Beobachtungen der Polizei bei den Einlasskontrollen zu erschweren.
Einsatzleiter der Polizei Karlsruhe: Beamte seien beworfen worden
Laut Polizei sind die Beamten von den Fans bedrängt und mit Gegenständen beworfen worden. Das sagte der Einsatzleiter der Polizei Karlsruhe, Gustav Zoller, im SWR.
Wir haben entsprechende Maßnahmen ergreifen und agieren müssen. Dann hat sich die Situation schnell wieder beruhigt.
Man habe die Fans "mit einfacher körperlicher Gewalt" zurückgedrängt. Dabei sei auch ein Schlagstock eingesetzt worden. Die Polizei widerspricht Angaben der Fanhilfe Karlsruhe, wonach auch Pfefferspray zum Einsatz gekommen sein soll. Die Fanhilfe ist eine Abteilung des Fan-Dachverbands Supporters.
KSC weist Kritik an Problemen bei der Einlasskontrolle zurück
In einer Stellungnahme teilt der Verein mit, dass die Verantwortlichen die von der Polizei festgestellten Mängel ernst genommen und sich umgehend vor Ort im Bereich der Einlasskontrolle informiert hätten. Dort sei man auf die ungenügende Qualität der Personenkontrolle hingewiesen worden. Daraufhin habe der Verein das Sicherheitspersonal erneut angewiesen, die Kontrollen zu intensivieren. Von verbotenen Gegenständen sei nicht die Rede gewesen.
Darüber hinaus verlief die separate Kontrolle der durch die aktive Fanszene mitgeführten Fanutensilien ohne Beanstandungen.
Die Äußerung, dass eingesetzte Beamte der Polizei bedrängt worden seien, weisen die Verantwortlichen des KSC zurück.
Alle [Augenzeugen] bestätigen übereinstimmend, dass es zu keinem Zeitpunkt Handlungen der Fans gegeben hat, welche die unverhältnismäßige und gewalttätige Aktion der Polizei auch nur annähernd gerechtfertigt hätten.
Der KSC hat die Polizei aufgefordert, aufgezeichnete Kamerabilder zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sei ein klärendes Gespräch mit den Verantwortlichen der Polizei angefragt worden.
Bereits kurz nach dem Spiel hatte der KSC auf seiner Homepage eine erste Stellungnahme veröffentlicht. Darin hatte der Verein den Polizeieinsatz als "unverhältnismäßig" verurteilt.
Fanhilfe Karlsruhe wirft Polizei bewusste Eskalation vor
Angaben der Fanhilfe Karlsruhe zufolge habe die Polizei zum ersten Mal den Einlass an der Südtribüne des Stadions kontrolliert. Dabei soll es zu erheblichen körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sein.
Fans wurden umgehend zielstrebig von hinten geschoben, bekamen Knüppel auf den Kopf und wurden körperlich hart angegangen.
Die Fanhilfe ruft betroffene KSC-Anhänger auf, sich zu melden.
Einlasskontrollen des KSC schon häufiger in der Kritik
Zuletzt waren die Einsatzkontrollen des Karlsruher SC nach dem Pyro-Eklat im November 2022 massiv in die Kritik geraten. Bei der Pyro-Aktion vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli waren elf Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Eine Person erlitt bleibende Lungenschäden.
Urteil vor dem Amtsgericht Karlsruhe Pyro-Eklat beim KSC: Amtsgericht verurteilt Fanprojekt-Mitarbeiter zu Geldstrafen
Das Karlsruher Amtsgericht hat drei Sozialarbeiter des KSC-Fanprojekts zu Geldstrafen verurteilt. Nach einem Pyro-Eklat hatten sie sich geweigert, als Zeugen auszusagen.
Die Frage, wie die Materialien dieser Aktion ins Stadion kommen konnten, war unter anderem Teil der gerichtlichen Aufarbeitung in mehreren Prozessen sowohl gegen Fans, als auch gegen Mitarbeiter des Fanprojekts. Die einzelnen Urteile des Amtsgerichts Karlsruhe lagen zwischen Geldstrafen und Haftstrafen ohne Bewährung. Für Mitte Mai sind die ersten Berufungsverfahren in dieser Sache angesetzt.