Friedrich Weinbrenner ist vor 200 Jahren gestorben, prägt aber bis heute die Erscheinung seiner Heimatstadt Karlsruhe. Nicht nur mit den Gebäuden, die er errichten ließ. Er ist auch der Verfasser der ersten deutschen Denkmalschutzverordnung - wegen der die Gebäude noch immer erhalten sind. Die Stadt Karlsruhe hat am Donnerstag das Programm für das Jubiläumsjahr vorgestellt.
Wer um den Einfluss und die Arbeit von Weinbrenner weiß, sieht Karlsruhe mit anderen Augen. Den Marktplatz mit der Pyramide, die Stadtkirche, das Markgräfliche Palais, das Ettlinger Tor - all das gäbe es nicht ohne Weinbrenner.
SWR-Reporter Tobias Zapp war mit Architekturexperten in Karlsruhe unterwegs, um die Spuren von Friedrich Weinbrenner im Stadtbild zu entdecken:
Weinbrenners Begeisterung für die Antike ist nicht zu übersehen
Friedrich Weinbrenner wird 1766 geboren. Die Zimmerei seines Vaters befand sich vor dem Linkenheimer Tor an der heutigen Akademiestraße. Dort macht er eine Lehre zum Zimmermann. Anschließend studiert Weinbrenner Architektur, unter anderem in Wien und Berlin. 1792 geht er nach Italien. Die antiken Bauten faszinieren ihn.
Fünf Jahre später kehrt Weinbrenner nach Karlsruhe zurück, wo er Karriere macht und eine eigene Architektur entwickelt. Klare Geometrie und blockhaftes Design. Nüchterne Formen statt prunkvollem Barock. Und: Mit starken Einflüssen der Renaissance und der Antike. Nicht zu übersehen, wenn man vor den Säulen des Karlsruher Rathauses, der Stadtkirche und der Stephanskirche steht.
Friedrich Weinbrenner: Zimmermann und Stadtplaner
Weinbrenner öffnet Räume in der Stadt, als badischer Baumeister entwirft er unter anderem den Marktplatz mit der Pyramide. Dass sich hier mit dem Rathaus und der Stadtkirche ein politisches und ein kirchliches Gebäude gegenüberstehen, ist kein Zufall. Anfang des 19. Jahrhunderts entstehen außerdem das Ettlinger Tor als Triumphpforte und das Markgräfliche Palais am Rondellplatz.
Auch in anderen Städten in Baden war Weinbrenner aktiv, entwarf zum Beispiel das Kurhaus in Baden-Baden.
Weinbrenner sah Stadtbild als Ganzes
Weinbrenner ist aber nicht "nur" Architekt, er denkt in größeren Zusammenhängen, sieht das Stadtbild als Ganzes und seine Entwicklung. Jedes Gebäude, jedes Haus, das er entwirft, entsteht im städtebaulichen Zusammenhang. Weinbrenner hat außerdem maßgeblich dazu beigetragen, dass es damals eine Wasserversorgung mit der entsprechenden Infrastruktur gab.
Friedrich Weinbrenner eröffnet eine Bauschule in Karlsruhe, wo er angehende Architekten ausbildet - ein Vorläufer der späteren Technischen Hochschule. Er gehört neben Johann Gottfried Tulla zu den Gründervätern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Ausstellung mit Zeichnungen im ZKM Karlsruhe
Zu Weinbrenners 200. Todestags widmet die Staatliche Kunsthalle dem Badischen Baumeister bis 14. Juni eine Ausstellung im ZKM. Sie zeigt rund 50 teils großformatige Zeichnungen und die Bandbreite zwischen Skizzen antiker Bauten, visionären Entwürfen und minutiösen Ausführungsplänen, unter anderem für das Markgräfliche Palais und das Hoftheater.
Die Architektur und der gestalterische Einfluss von Weinbrenner prägen Karlsruhe bis heute. Und das, obwohl viele seiner Gebäude nicht mehr stehen, zerstört oder zurückgebaut wurden.