Mit 14 Leuten ist das Team von Alpha-Protein in Bruchsal zwar klein, die Ideen sind aber groß. Insekten sind laut Gründer Gia Tien Ngo das Lebensmittel der Zukunft. Als das Unternehmen vor fünf Jahren gegründet wurde, hatte es noch die Lebensmittelproduktion im Fokus: Mehlwürmer zum Essen - der Ekelfaktor sei aber noch zu groß.
Deshalb konzentriere man sich in erster Linie auf die Tierfutterindustrie. Den Kot der Tiere verarbeitet das Unternehmen außerdem weiter zu Dünger. Die Technik für die eigene Produktion hat man in den letzten Jahren optimiert.
Know-how ist da, nur das Geld fehlt
Mittlerweile ist das Start-up so weit, seine Produktion auf einen industriellen Maßstab zu erweitern. Selbst eine Produktionshalle in Kronau steht schon bereit. Das Einzige, was fehlt, ist Geld. Seit zwei Jahren sucht das junge Unternehmen nach Investoren. Mit unzähligen habe man bereits Gespräche geführt, bei vielen mehr angefragt. Ein Investor habe sich aber bis heute nicht finden lassen. Zumindest nicht in Europa.
„Es wäre schade, wenn man in Deutschland Innovationen vorantreibt und fördert, und die dann an ausländische Investoren gehen, bzw. an Fernost gehen. Außerdem sind hier meine Wurzeln, hier möchte ich das groß machen und hier auch die Arbeitsplätze schaffen.“
In Asien sind Investoren laut Gia Tien Ngo tendenziell zwar risikofreudiger und vermutlich einfacher zu finden. Sein auch durch staatliche Förderung aufgebautes Know-how wolle er aber möglichst nicht aus den Händen geben. So wie es beim direkten Bruchsaler Nachbarn Volocopter schon der Fall war.
Lage für Start-ups in Deutschland generell schwierig
Alpha-Protein ist in der Startup-Szene damit kein Einzelfall. Laut IHK Stuttgart tun sich die jungen Unternehmen grundsätzlich schwer damit, Investoren an Land zu ziehen. Zum einen habe das damit zu tun, dass deutsche und europäische Investoren grundsätzlich weniger bereit sind, Risiken einzugehen.
„Das Scheitern ist bei uns in der Kultur nicht so akzeptiert, wie das in manch anderen Ländern ist.“
Zum anderen würden Banken durch Regularien oft daran gehindert, junge Unternehmen zu finanzieren. Außerdem könnte man laut IHK Wagniskapital steuerlich fördern, um die Bereitschaft für Investitionen zu vergrößern.
Geschäftsidee für Start-up aus dem Hühnerstall
Die Idee für das Unternehmen Alpha-Protein hatte Geschäftsführer Gia Tien Ngo während seines Studiums in den USA. Er lebte in einem Haushalt, in dem nur Fisch gegessen wurde. Auch Quark war dort schwierig zu beschaffen. Er litt an Eiweißmangel. Konzentration und Aufmerksamkeit ließen nach und eine Lösung musste her. Die fand der Unternehmer im Hühnerstall seiner Vermieterin. Sie fütterte die Tiere mit Mehlwürmern. Der Proteingehalt der Insekten lag bei über 50 Prozent. Gia Tien Ngo mixte sich die Tiere anfangs in seine Smoothies. Der Proteinmangel war passé und eine Geschäftsidee geboren.
Mehlwürmer nachhaltig in mehrfacher Hinsicht
Mehlwürmer könnten mit Biomüll, wie etwa altem Brot oder Gemüseresten, gefüttert werden. Als Futtermittel sind sie laut dem Unternehmer nachhaltiger als etwa Fischmehl oder Soja. Ihren Kot verwendet man hier weiter als Düngemittel. In Zukunft träumt man in Bruchsal davon, eine Mehlwurm-Produktion in regionale Landwirtschaftsbetriebe zu integrieren.
Die Vision ist der Lebensmittelmarkt
Bei Alpha-Protein ist man sich sicher, dass die Tiere in Zukunft auch für die Proteinversorgung von Menschen eine wichtige Rolle spielen werden. Das Know-how zur Lebensmittelproduktion habe man bereits. Sogar Mehlwurm-Pizza wurde hier schon gebacken. Allerdings nur testweise.
Alpha-Protein rennt die Zeit davon
Das Bruchsaler Start-up steht für die industrielle Produktion in den Startlöchern. Allerdings läuft die Zeit davon. Wenn bis Weihnachten kein Investor gefunden wird, müsse man Stellen abbauen, sagt Gia Tien Ngo. Das will der junge Unternehmer aber unbedingt vermeiden. Im Zweifelsfall auch durch einen Investor aus Fernost.