Wohnen der Zukunft

Wohnen auf kleinstem Raum: Wie steht es um den Tiny House Trend?

Tiny Houses gelten als Wohntrend der Zukunft. Auch im Kreis Karlsruhe sind schon kleinere Siedlungen auf Campingplätzen entstanden. Doch wie steht es um den Hype der Mini-Häuser?

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Von Autor/in Luka-Andreas Robič

Zum sechsten mal findet das "NEW HOUSING Tiny House Festival" in der Messe Karlsruhe in Rheinstetten statt. Am kommenden Wochenende dreht sich hier alles um das Leben und Wohnen auf kleinstem Raum. Seit Jahren liegen die Mini-Häuser im Trend - und gelten zunehmend als möglicher Beitrag zur Lösung des Wohnraummangels in Städten. Doch wie steht es um den anfänglichen Hype?

Tiny House: Trend hat sich gefestigt

Im Ortenaukreis und im Kreis Karlsruhe gibt es bereits einige kleinere Tiny House Siedlungen. Zum Beispiel auf den Campingplätzen in Ettlingen und im Albtal bei Waldbronn (beide Kreis Karlsruhe). In Burgrieden im Kreis Biberach ist in diesem Jahr sogar das erste Tiny-House-Quartier entstanden. Die Nachfrage hält weiter an, bestätigt auch Pressesprecher des Tiny House Festivals Matthias Jundt.

Er hat den Eindruck, dass sich das Thema Tiny Housing "raus aus dem Trendthema und hin zu einer Konsolidierungsphase" bewegt hat. Was bedeutet, dass sich viele Dinge in der Branche momentan konkretisieren. Zum Beispiel baurechtliche oder sicherheitstechnische Fragen.

Zusammengefasst wird das in einer "Industrienorm Kleingebäude", die der Tiny House Verband Karlsruhe rausgebracht hat. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Interessenverbänden und Baurecht haben gemeinsam an Anforderungen von Tiny Houses gearbeitet und sie in dieser Norm verabschiedet. Sie konkretisiert unter anderem, was ein Tiny House ist und welche Rahmenbedingungen für den Bau eines Tiny House wichtig sind.

Müller: Tiny House kann nicht "einfach so" hingestellt werden

Der Tiny House Experte Fabian Müller sieht die Entwicklung ähnlich wie Matthias Jundt. Er sagt, es habe sich "ein immer größerer Realitätssinn entwickelt". Noch vor ein paar Jahren seien Interessierte mit den Herausforderungen, die ein Tiny House mit sich bringt, überrascht worden. Das habe sich mittlerweile gewandelt.

Als Grund dafür nennt er "die vielen Erfahrungen", die in den letzten Jahren gesammelt wurden. Das Tiny House kann nicht - wie bisher häufig dargestellt - einfach mal hingestellt und drin gewohnt werden. Laut Müller gibt es einiges zu beachten.

Ein Tiny House Projekt muss auch vorbereitet werden. Konzept, Rentabilität und Nachfrage. Baugenehmigung, Erschließung und Verpachtung. Viele Themen spielen eine Rolle.

Er nennt das Tiny-House-Siedlungsprojekt in Heidelberg als ein erfolgreiches Beispiel. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist eine enge Zusammenarbeit mit der jeweiligen Gemeinde erforderlich. Jedes Grundstück ist anders, hat eigene Herausforderungen und Anforderungen, die es zu bewältigen gilt, so Fabian Müller.

Tiny-House-Pionier sieht Entwicklung kritisch

Kritischer betrachtet die Entwicklung einer der Pioniere im deutschen Tiny House Gewerbe. Dieter Puhane hat vor ein paar Jahren selbst noch Tiny Häuser gebaut und verkauft. Er sorgt sich um die Richtung, in die sich Tiny Housing in Deutschland und der Region entwickelt. Ihn beschäftigt vor allem das Thema Nachhaltigkeit. "Mein Ziel war es immer, dass mein Kunde ein Produkt erhält, wo keine Schadstoffe drinnen sind, und Material verwendet wird, das aus der Region kommt".

Als er noch selbst Tiny Häuser herstellte, legte er großen Wert darauf, dass seine kleinen Häuser so nachhaltig wie möglich waren. Mittlerweile gibt es allerdings immer mehr Hersteller aus dem Ausland, die Tiny Houses zu einem billigeren Preis anbieten. Er fragt sich deshalb: "Wer soll die ausländische Technik reparieren, wenn sie kaputtgeht?" Seiner Meinung nach können deutsche Hersteller die von ausländischen Anbietern gebauten und installierten Produkte nämlich nicht reparieren.

Dieter Puhane gilt als der Gründer der Tiny-House-Bewegung in Deutschland und hat in Rheinau vor ein paar Jahren eine kleine Siedlung mit Modellhäusern gebaut.
Dieter Puhane gilt als der Gründer der Tiny-House-Bewegung in Deutschland und hat in Rheinau vor ein paar Jahren eine kleine Siedlung mit Modellhäusern gebaut.

Die Zukunft von Tiny Housing

Tiny Housing wird in Zukunft laut Matthias Jundt also immer konkreter. Unter anderem durch das erhöhte Interesse der Politik. Er spricht von immer mehr Zuspruch von Gemeindevertretern hinsichtlich Tiny-House-Projekten und dass sich sogar die Stadt Karlsruhe auf dem diesjährigem Festival ein Tiny House als Werbefläche gekauft hat. Der Trend zu kleinen Häusern ist also keineswegs vorbei - doch aus dem Hype wird nun Ernst: Es geht darum, nachhaltige, durchdachte Konzepte zu schaffen, die auch langfristig funktionieren.