Neuer Verhandlungsstand, Mitglieder entscheiden

Kompromiss im Tarifstreit nach Warnstreiks an vier Unikliniken in Baden-Württemberg

Bei den Warnstreiks vor den Verhandlungen im Tarifstreit zwischen ver.di und den Unikliniken hatten sich viele Mitarbeitende beteiligt. Nun gibt es einen ersten Verhandlungsstand.

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Von Autor/in Jenny Beyen, Jutta Kaiser, Tamara Land

Nach mehreren Warnstreiks gibt es im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Arbeitgebern für die Beschäftigten in baden-württembergischen Unikliniken Bewegung. Laut ver.di hat der Arbeitgebervorband AGU in der dritten Verhandlungsrunde ein neues Angebot vorgelegt. Darüber sollen in den kommenden zwei Wochen die Mitglieder entscheiden.

Angebot: 5,4 Prozent mehr Lohn über 27 Monate

Der Arbeitgeberverband bietet laut Informationen von ver.di den Beschäftigten an den Unikliniken in Freiburg, Tübingen, Ulm und Heidelberg insgesamt 5,4 Prozent mehr Lohn. Die Erhöhung soll gestaffelt in drei Schritten über einen Zeitraum von 27 Monaten erfolgen.

Auch für Auszubildende soll es mehr Geld geben, insgesamt 120 Euro, gestaffelt in drei Schritten. Außerdem soll der Tarifvertrag zum Rationalisierungsschutz wieder in Kraft gesetzt werden – er sichert die Beschäftigten bei Umstrukturierungen ab.

Angebot noch nicht offiziell angenommen, Mitglieder werden befragt

ver.di-Verhandlungsführer Jakob Becker erklärte, man habe in sehr harten und schwierigen Gesprächen für die 26.000 Beschäftigten an den vier Unikliniken einen Kompromiss erreicht. "Dies ist angesichts des massiven Gegenwinds durch die drohende GKV-Reform ein wichtiger Meilenstein", sagt er.

Noch ist das Angebot der Arbeitgeber aber nicht offiziell angenommen. Die Tarifkommission von ver.di empfiehlt die Annahme, will aber in den nächsten Wochen ihre Mitglieder befragen. In zwei Wochen, am 23. Juli, soll die Entscheidung fallen. 

Je 1.800 Mitarbeitende hatten sich am Montag und Dienstag am Streik beteiligt

An den vier Unikliniken in Baden-Württemberg blieben seit Montag OP-Säle geschlossen, Betten wurden nicht belegt. Eine Ausnahme galt für Notfälle, die weiterhin behandelt wurden. Grund war ein zwei- bis dreitägiger Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft ver.di aufgerufen hatte.

Laut ver.di beteiligen sich sowohl am Montag als auch am Dienstag rund 1.800 Beschäftigte an dem Streik. Am Montag und Dienstag fanden laut Planung an den Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm Demonstrationen und Streikaktionen statt. Es war bereits der dritte ver.di-Warnstreikaufruf in der laufenden Tarifverhandlungsrunde mit dem Arbeitgeberverband der Universitätskliniken.

Zunächst erhebliche Lücke zwischen Forderung und Angebot

Die Gewerkschaft ver.di forderte für die etwa 26.000 Beschäftigten siebeneinhalb Prozent mehr Lohn, mindestens aber 320 Euro mehr im Monat - bei einer Laufzeit von einem Jahr. Die Arbeitgeber boten zunächst eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro und insgesamt 4,75 Prozent mehr Geld verteilt über 2 Jahre und acht Monate - die erste Steigerung würde zum 1. Januar 2027 greifen.

Außerdem wollten die Unikliniken die Jahressonderzahlung um eine flexible Komponente erhöhen. Laut einer Mitteilung von Verdi sollte sich diese Erhöhung allerdings individuell verringern, falls Beschäftigte sich krank melden. Diese Klausel hat ver.di laut dem aktuellen Verhandlungsstand verhindert.

ver.di: Gute Tarifpolitik sticht schlechte Gesundheitspolitik

Im Vorfeld hatte sich ver.di harsch positioniert. "Die Arbeitgeber wollen Reallohnverluste für fast drei Jahre festschreiben", kritisierte ver.di-Verhandlungsführer Jakob Becker. Den Konfrontationskurs in dieser Tarifrunde begründeten die Arbeitgeber mit der falschen Gesundheitspolitik in Berlin.

Unikliniken machen fast 100 Millionen Euro Verlust

Der Arbeitgeberverband der Universitätskliniken hielt dagegen. "Anders als Unternehmen der Privatwirtschaft können Krankenhäuser steigende Kosten nicht über höhere Preise refinanzieren", hieß es in einem Pressestatement.

Die Finanzierung der Unikliniken hänge wesentlich von gesetzlich regulierten Budgets und Zuweisungen der Krankenkassen ab. Diese Rahmenbedingungen hätten sich seit 2026 zu Ungunsten der Kliniken verändert. Dadurch entstehe eine Finanzierungslücke von rund 100 Millionen Euro. Zudem machten die vier Universitätskliniken dieses Jahr rund 99 Millionen Euro Verlust.

Nun seien die ver.di-Mitglieder in der Verantwortung, darüber zu entscheiden, ob der Verhandlungsstand angenommen wird, heißt es von ver.di-Verhandlungsführer Becker. Die finale Entscheidung treffe nach der Mitgliederbefragung, die bis zum 23. Juli läuft, die Tarifkommission.

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Theresa Rauffmann
Autor/in
Jenny Beyen
Jutta Kaiser
Bild von Jutta Kaiser aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.
Tamara Land
Tamara Land, SWR Wirtschaftsredaktion

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