Landesjägertag 2025

Neues Bewusstsein bei Jägern in BW: Jagd auf Rehe soll flexibel angepasst werden

Der Landesjagdverband setzt beim Abschuss von Rehen auf abgewogene Konzepte statt auf Jagddruck und spricht von einem neuen Wild-Wald-Bewusstsein. Was steckt dahinter?

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Stand

Jäger in Baden-Württemberg diskutieren über das passende Vorgehen bei der Jagd auf Rehe. Anlass ist der Landesjägertag am Samstag in Altensteig im Kreis Calw. Auch wenn der Wald im Land klimabedingt umgebaut werden muss, will der Landesjagdverband weniger Rehe schießen als teilweise gefordert. Um Verbissschäden an neu gepflanzten Bäumen zu vermeiden, sei die drastische Reduktion der Anzahl an Rehen keine Lösung, sagte Hauptgeschäftsführer René Greiner anlässlich des Landesjägertags.

Projekt Wild-Wald-Bewusstsein soll helfen

Falscher Jagddruck sei sogar kontraproduktiv. Wie Kühe seien Rehe Wiederkäuer und brauchten dafür Ruhe, erklärte Greiner. Bekämen sie diese nicht, steige der Energiebedarf - und die Tiere fressen dort, wo sie gerade im Dickicht stünden. Rehe seien Feinschmecker, so Greiner. Sie pickten sich eher die Rosinen heraus, mal hier ein Pflänzchen, mal dort eines.

Deswegen sei es auch wichtig, im Wald Hunde anzuleinen, nicht kreuz und quer zu gehen, sondern auf den Wegen zu bleiben - und das möglichst nicht in der Dämmerung, ergänzte Sarina Beiter. Sie verantwortet beim Landesjagverband das Projekt Wild-Wald-Bewusstsein.

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Rehe brauchen abwechslungsreiche Nahrung

Grundsätzlich bevorzugten die Tiere leicht verdauliche, nährstoffreiche Pflanzen, verdeutlichte Beiter. Gerade wenn junge Bäume aus den Baumschulen kämen, seien diese voll mit Nährstoffen. Rehe sind ihr zufolge zudem auf ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot angewiesen. "Fehlt dieses, greifen sie auf junge Triebe zurück und können so das Aufwachsen der nächsten Waldgeneration erschweren."

Landesjagdverband für "kluge Bejagungskonzepte"

Wiederum sind Rehe laut René Greiner etwa für Insekten oder für den Transport von Samen wichtig. "Es ist auch eine naturethische Frage", sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbandes und fragt: "Hat eine einheimische Art wie das Reh eine Daseinsberechtigung bei uns oder nicht?" Der Wald stehe unter Druck, räumte Greiner ein: Wegen des Klimawandels müsse er schnell umgebaut werden, Monokulturen etwa wolle man nicht mehr.

Er solle gleichzeitig regionales Holz liefern, Ausflugsziel für Menschen und Lebensraum für Tiere sein. Wichtig seien daher Gespräche zwischen Forstwirtschaft, Jägerschaft, Kommunen und Waldbesitzern sowie kluge Bejagungskonzepte.

Wo Aufforstung an erster Stelle stehe, müsse intensiv gejagt werden, sagte Greiner. Wichtig seien dann Ausweichflächen, die durchaus auch mal kleinräumig innerhalb eines Jagdreviers eingerichtet werden könnten. Wo Zäune aufgestellt würden, müssten diese später wieder abgebaut werden. 

Gut 188.000 Rehe in BW geschossen

Mit 188.192 Tieren steht Rehwild an der Spitze der Jagdstrecke 2023/24 in Baden-Württemberg. Es gehe allerdings nicht um die reine Zahl der Abschüsse, betonte Greiner. Vielmehr müsse man zum Beispiel auf die Altersstrukturen der Bestände und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter achten. 

Landesjagdverband will Dialog fördern

Der Landesjagdverband will die Grundlagen für Dialog schaffen - auch unter Jägern und Jägerinnen, wie Projektleiterin Beiter sagte. Dabei sollten etwa in Schulungen forstliche Aspekte stärker berücksichtigt werden. "Es geht um Fragen wie: Warum ist der Umbau für Tiere, Menschen und den Wald wichtig? Was macht der Klimawandel mit den Tieren und dem Wald?" Alle Beteiligten müssten schauen, welche Kapazitäten der Lebensraum biete. 

Offenburg gilt als beispielhaft

Als Positivbeispiel nannten die Fachleute des Verbands Offenburg, wo vor einigen Jahren das Vorgehen geändert wurde. Ein durchdachtes Bejagungskonzept zum Wohl von Wild und Wald sei nun tierschutzgerechter, ethisch korrekter und vor allem an wildbiologischen Erkenntnissen orientiert.

Der Hauptgeschäftsführer des Landesjagverbandes, Greiner, verwies zudem auf die Geschichte: Bis 2009 habe es Abschusspläne für Rehe gegeben. Seither sollten Förster und Jäger gemeinsam in den jeweiligen Revieren schauen, wie die Gegebenheiten vor Ort seien und wie viel Wild in den kommenden Jahren erlegt werden solle. "Das hat leider nicht immer stattgefunden", sagte er. Dieses Format soll laut Greiner wiederbelebt werden.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR