Ebola-Ausbruch in Demokratischer Republik Kongo

Heidelberger Expertin gibt Entwarnung: "Ebola ist für Europa nicht relevant"

Mit Blick auf eine Pandemie ist Ebola für Europa nicht von Bedeutung, sagt die Heidelberger Infektionsmedizinerin Claudia Denkinger. In Afrika sei die Lage aber besorgniserregend.

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Während sich der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ausweitet, stellt die Infektionskrankheit aus Sicht von Claudia Denkinger für Europa keine konkrete Gefahr dar. Denkinger ist Professorin und leitet die Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. "Was eine Pandemie anbelangt, ist Ebola für Europa letztendlich nicht relevant. Eine ausgedehnte Weiterverbreitung in der Bevölkerung in Deutschland und Europa ist nahezu ausgeschlossen", sagt Denkinger im SWR-Interview.

Die Expertin geht zwar davon aus, dass es in Europa importierte Ebola-Fälle geben wird - allerdings in sehr geringer Zahl. Denn die Übertragung von Ebola sei eine ganz andere als bei Covid-19. "Bei Übertragung über die Atemluft wie bei Covid können sich die Viren einfach ausbreiten. Bei Ebola ist es so, dass man wirklich direkt mit den Körperflüssigkeiten eines infizierten Patienten in Kontakt sein muss oder mit Tieren in Kontakt gewesen sein muss, die Ebola-infiziert sind."

Die Heidelberger Infektionsmedizinerin Claudia Denkinger neben einem Mikroskop
Mit Blick auf eine Pandemie sei Ebola für Europa nicht von Bedeutung, sagt die Heidelberger Infektionsmedizinerin Claudia Denkinger. Tamara von Rechenberg

Forscherin vermutet viele unerkannte Ebola-Fälle

Deutlich dramatischer schätzt Denkinger die Lage in den betroffenen Ländern in Zentralafrika ein - und nennt dafür drei Gründe: Erstens gebe es noch keine Impfstoffe, die gegen den dort auftretenden Ebola-Stamm namens "Bundibugyo" wirken. Das sei bei einem vorherigen Ebola-Ausbruch in den Jahren 2018 bis 2020 anders gewesen. Damals hätten sogenannte Ringimpfungen in den Gegenden rings um den Ausbruchsort stattgefunden.

Als zweiten Grund nennt Denkinger die Tatsache, dass der aktuelle Ausbruch offenbar lange Zeit unbemerkt blieb, weswegen es viele unerkannte oder vermutete Fälle gebe. Wie viele es tatsächlich sind, werde sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Der dritte Punkt, der Denkinger Sorgen macht: Bei den kongolesischen Provinzen Ituri und Nord-Kivu, von wo aus sich die Infektionskrankheit ausbreitet, handelt es sich um eine sehr städtische Region mit viel Mobilität. "Da gibt es sehr viele Minenarbeiter, die dort reinkommen, arbeiten und dann in ihre Heimatdörfer zurückgehen." Dort sieht die Forscherin ein besonders hohes Verbreitungspotenzial.

Investitionen in globale Gesundheit sinken

Da Ebola mit einer hohen Sterblichkeit einhergehe, wecke es durchaus Emotionen. Erfahrungsgemäß würden dann häufig auch mehr Gelder bereitgestellt werden, erklärt sie. Auf der anderen Seite beobachte sie einen Trend: Wohlhabende Länder investieren immer weniger in Entwicklungs-Zusammenarbeit und globale Gesundheit. Um die Verbreitung von Ebola einzudämmen, müsse aber dringend gehandelt werden, so Denkinger.

Das darf keine Eintagsfliege sein.

Der Ebola-Ausbruch in Zentralafrika könne ein Weckruf sein, so die Infektionsmedizinerin. Er dürfe aber nicht nur auf die aktuelle Situation begrenzt sein. Nötig seien kontinuierliche Investitionen in Diagnostik, Impfung und Behandlung von Erkrankungen - "Erkrankungen, die eben auch den globalen Süden betreffen, aber auch jederzeit uns betreffen können."

Ebola: Ein unbestätigter Verdachtsfall in Heidelberg

In der Forschung beschäftigen sich Denkinger und ihr Team nur indirekt mit Ebola. Bei der Vorhersage von Risiken durch Infektionskrankheiten gehe es vor allem um solche, die über die Atemwege übertragen werden und daher eine größere Gefahr als Ebola darstellten.

Für die Heidelberger Infektionsmediziner gab es bislang einen ernstzunehmenden Verdachtsfall von Ebola. Der habe sich aber nicht bestätigt, erklärt die Professorin. Wenn ein Ebola-Fall nachgewiesen wird, alarmiert ihr Team die sogenannten "STAKOB-Zentren". Sie haben die strukturellen Voraussetzungen, um Patienten mit hoch gefährlichen Erregern zu behandeln. In Süddeutschland gibt es Standorte in Stuttgart, Frankfurt und München.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR

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