"Ich habe heute morgen Mitarbeiter gesehen, die mit Tränen zur Arbeit gekommen sind", berichtet der Leiter der Technikabteilung, Norbert Erhardt. Er arbeitet seit 34 Jahren bei der Eichbaum-Brauerei. Am Tag nach der Hiobsbotschaft sind laut ihm trotzdem alle Abteilungen besetzt. "Das macht uns aus. Wir haben immer Vollgas gegeben. Wir werden hierbleiben, bis das letzte Bier gebraut ist."
Kündigungen sollen in den nächsten Tagen kommen
Während Erhardt vor dem Werkstor steht, wird Malz angeliefert. Für den 57-Jährigen ist die ganze Situation kaum zu glauben. "Jetzt gerade werden Flaschen abgefüllt. Die Mitarbeiter sind am Boden zerstört, aber die Produktion läuft." Mehr als sein halbes Leben hat er für die Eichbaum-Brauerei gearbeitet.
Bei einer Betriebsversammlung am Montag wurden die Mitarbeitenden über die gescheiterte Rettung informiert. Danach seien die meisten direkt wieder zurück zur Arbeit. Das mache das Team hier aus. "Es ist einfach nur traurig, dass keiner da ist und sagt: Diese Truppe will ich übernehmen." In den nächsten Tagen sollte der Großteil der Belegschaft die Kündigung bekommen. Mannheim verliere damit eines der ältesten Unternehmen.
"Ich habe es aus den Medien erfahren."
"Als ich am Montag von der Nachtschicht aufgewacht bin, hat mich meine Frau informiert und gefragt, ob die Nachrichten fake sind." Zu Micheles Bedauern sind sie wahr. Seit 11 Jahren arbeitet er bei der Brauerei. Als er am Dienstag die Brauerei nach der Nachtschicht verlässt, hat er sich trotz allem sogar kurz gefreut. Über Nacht hat jemand am Werkstor ein circa acht Meter großes Banner angebracht: Solidarität mit allen Beschäftigten!
Daneben hängt eine Art Dankesbrief: "Du bist der Geschmack und Geruch meiner Heimat. Du bist das gastronomische Mannheim, auf das man sich im Urlaub freut."
Jungbrauer: Ich denke an meine Kollegen und Kolleginnen
Jakob hat bei Eichbaum seine Ausbildung gemacht. Mittlerweile ist er Geselle. Seine Zukunft ist unklar. Ob er nochmal einen Job als Brauer findet, weiß er nicht.
Es war nicht wie auf die Arbeit gehen, sondern eher wie nach Hause kommen und mit Freunden sein.
Der 23-Jährige ist froh, dass er noch so jung ist. Auch wenn seine Zukunft ungewiss ist und er wohl nach der Schließung der Brauerei Mannheim verlassen müsse. Am meisten mache er sich allerdings Gedanken um seine älteren Kolleginnen und Kollegen.
Reaktion auf angekündigte Brauerei-Schließung Mannheims OB Specht zum Eichbaum-Aus: "Wir sind maximal enttäuscht"
Nach dem Aus für die Mannheimer Eichbaum-Brauerei ist die Enttäuschung groß, auch bei der Stadtspitze. OB Specht erklärte, es habe einen tragfähigen Vorschlag zur Rettung gegeben.
IG Metall: Politik ist gefragt, um Eichbaum doch noch zu retten
Am Dienstag äußerte sich auch die Mannheimer IG Metall zum Aus für die Traditionsbrauerei. Geschäftsführer Thomas Hahl erklärte: "Wenn Fehlentscheidungen getroffen wurden, dann dürfen nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Rechnung bezahlen. Verantwortung muss dort übernommen werden, wo Entscheidungen getroffen werden. Manager müssen für ihre Fehler haften und sich ihrer Verantwortung stellen." Jetzt sei die Politik gefragt. Hahl regte an, dass der benachbarte Klinikverbund das Betriebsgelände übernimmt. Die Rothaus-Brauerei, die sich im Besitz des Landes befindet, solle den Weiterbetrieb übernehmen. Damit könne das Aus für die Brauerei verhindert werden, so der Gewerkschafter.