Seit Montag müssen sich drei Männer und eine Frau vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Ihnen wird unter anderem gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern vorgeworfen.
Mindestens 67 Menschen aus dem Ausland eingeschleust
Der 39 Jahre alte Hauptangeklagte leitete zwei Mannheimer Unternehmen - eine Zeitarbeits- und eine Baufirma. Die offiziellen Geschäftsführer waren jeweils die Eltern des 39-Jährigen. Gegen beide werde gesondert ermittelt, so die Staatsanwaltschaft.
Gemeinsam mit den beiden mitangeklagten Männern sowie weiteren Komplizen soll der 39-Jährige im Zeitraum von Juni 2021 bis September 2024 mindestens 67 Arbeitskräfte - vor allem aus Usbekistan, Kasachstan und Tadschikistan - angeworben und ohne ordnungsgemäße Anmeldung zur Sozialversicherung illegal beschäftigt haben.
Hauptangeklagter: Es habe keine "Schleuser-Bande" gegeben
Beim Prozessauftakt hat sich der Hauptangeklagte zum Teil geständig eingelassen. Gleichzeitig machte der 39-Jährige deutlich, dass es keine "Schleuser-Bande" gegeben habe. Auch einer seiner beiden Verteidiger teilte beim Prozessauftakt mit, dass die Hauptverhandlung zeigen werde, "dass wir hier keinen typischen Schleuser-Fall haben". Die Arbeitnehmer seien freiwillig in Deutschland gewesen und hätten teilweise mehr als ein Jahr in den Unternehmen gearbeitet, so der Verteidiger.
Die zuständige Staatsanwältin sagte im Prozess, dass die Arbeitskräfte überwiegend einen Stundenlohn zwischen acht Euro und 9,50 Euro netto bekommen hätten. Das Gehalt sei teils schwarz ausgezahlt worden. Dabei seien die Sozialversicherungen laut Anklage um rund 478.000 Euro geprellt worden. Durch die Einsparungen bei den Lohnnebenkosten hätten beide Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gehabt. Denn die Preise für die Leistungen seien entsprechend günstiger gewesen, so die Staatsanwältin. Der Hauptangeklagte sagte im Prozess, dass er dies nicht angestrebt habe.
Die Arbeitskräfte sollen in verschiedenen Wohnungen gelebt haben, die von den beiden Firmen angemietet wurden. Mietzahlungen in Höhe von monatlich rund 300 Euro waren laut Staatsanwaltschaft den Arbeitnehmern vom Lohn abgezogen worden.
Gefälschte Pässe sollen in der Türkei angefertigt worden sein
Bei den beiden Mitangeklagten handelt es sich um Brüder. Sie sollen die gefälschten Pässe, die die Arbeitskräfte bekamen, bei Fälschern weitgehend in der Türkei in Auftrag gegeben haben. Alle drei Männer sitzen in Untersuchungshaft. Die ebenfalls angeklagte Frau soll das betrügerische Geschäftsmodell als Buchhalterin gemanagt haben. Sie ist wegen Mittäterschaft angeklagt und war für mehrere Monate in Untersuchungshaft. Diese wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt, so die Staatsanwaltschaft.
Firma soll zweieinhalb Millionen Euro Gewinn gemacht haben
Durch die illegale Beschäftigung hätten die beiden Firmen insgesamt rund zweieinhalb Millionen Euro Gewinn gemacht. Für den Prozess vor dem Landgericht Mannheim sind noch 21 weitere Verhandlungstage bis Ende September angesetzt.