Die anhaltende Trockenheit stellt den Betrieb im Odenwald vor immer mehr Herausforderungen. Die riesigen Flächen rund um die Stutenmilchfarm im Waldbrunner Ortsteil Mülben im Neckar-Odenwald-Kreis sind ein Paradies für Pferde. Zum "Kurgestüt Hoher Odenwald" gehören aktuell rund 350 Tiere, Stuten mit ihren Fohlen. Die Stuten werden täglich gemolken. Aus der Milch werden unter anderem Hautpflege-Produkte, Nahrungs- und Heilmittel hergestellt. Der Betrieb ist der älteste und größte seiner Art in Deutschland.
Aktuell zeigen sich rund um die Stutenmilchfarm die Folgen der Hitze, vor allem die Folgen der anhaltenden Trockenheit: Die Wiesen grau-braun, überall sandig-staubige Stellen, kaum noch Grün. "Es ist hart", sagt Seniorchef Hans Zollmann. Die 350 Tiere wollen täglich satt werden, aber frisches Futter ist so gut wie nicht mehr zu finden.
Gras wächst nicht mehr, und von den Futterpflanzen, die wir im Frühjahr ausgesät haben, sind viele kaputtgegangen.
Alternative Futterpflanzen können Hitze nicht mehr trotzen
Normalerweise fressen die Stuten und ihre Kälber auf den Weiden. Außerdem bekommen sie zusätzliches Futter. Für die Pferde wurde Rotklee angebaut. Die Wurzeln dieser Pflanze reichen zwar deutlich tiefer in die Erde als Gras-Wurzeln, aber auch ein guter Teil des Rotklees hat es wegen der Trockenheit nicht geschafft. Mit der Trockenheit besser umgehen kann die Luzerne, die der Betrieb anbaut: Diese Futterpflanze hat bis zu fünf Meter lange Wurzeln, mit denen sie im tiefen Boden noch an Feuchtigkeit gelangt.
"Wie lange die Luzerne das noch schafft, wissen wir im Moment aber auch nicht", sagt Hans Zollmann. Seine Futterwiesen hat der Betrieb jetzt zum zweiten Mal in diesem Jahr gemäht und daraus Heu gemacht. "Einen weiteren Schnitt wird es bei der Trockenheit nicht geben", weiß Zollmann. In anderen Jahren kann er seine Wiesen drei- bis viermal mähen, um Heu für die Pferde daraus zu gewinnen.
Wir gehen jetzt schon komplett in die Winterfütterung über.
Winter-Futtervorräte müssen genutzt werden
Der Betrieb muss jetzt schon, wie viele andere auch, auf die Futtervorräte für den Winter zurückgreifen. Getreide, das bisher für den Weiterverkauf angebaut wurden. So fällt ein Teil des eingeplanten Einkommens wegen der Trockenheit weg. Und noch etwas macht der Familie Sorge: Futterpflanzen für das kommende Frühjahr müssen demnächst ausgesät werden.
"Was, wenn es dann immer noch zu trocken ist"?, fragt sich Hans Zollmann. Oder wenn Fröste die jungen Pflanzen erfrieren lassen? "Dann haben wir im Frühjahr das nächste Problem", fürchtet er. Nach der extremen Trockenheit dieses Sommers spüre ein Betrieb wie die Stutenmilchfarm die Auswirkungen nach seinen Erfahrungen noch zwei bis drei Jahre lang.
Wegen der Hitze: Nur noch nachts auf die Weide
Den Pferden selbst macht das Wetter dabei weniger Probleme: In den heißen Tagen verbringen sie die Nacht draußen auf den Weiden und Koppeln des Biobetriebs, morgens um vier Uhr wechseln sie dann in die schattigen Freilaufställe. Dort werden auch die Stuten auch gemolken. Auf die Milchleistung hat die Hitze laut Zollmann kaum Auswirkungen. Wenn aber die extreme Trockenheit anhält und das Futter immer öfter tatsächlich knapp wird, "dann müssten wir den Bestand irgendwann verkleinern", fürchtet Zollmann.