Sheltersuits, so heißen die speziellen wind- und wasserdichten Jacken, die sich mit ein paar Griffen in einen Schlafsack umfunktionieren lassen. Einige Exemplare davon wurden am Mittwoch der Mannheimer Vesperkirche überreicht, damit die sie an Obdachlose weitergeben kann.
Sheltersuits wurden speziell für Obdachlose entwickelt
Entwickelt wurden die Wärmeanzüge von einer niederländischen Stiftung, der Sheltersuit Foundation, die im Bereich der Obdachlosenhilfe arbeitet. Die Johanniter-Hilfsgemeinschaft Kurpfalz hatte bereits im vergangenen Jahr Kontakt zu der Stiftung aufgenommen und erste Wärmeanzüge an die Mannheimer Vesperkirche verteilt. Am Mittwoch haben Vertreterinnen der Foundation und der Johanniter-Hilfsgemeinschaft weitere Exemplare überreicht.
Mitarbeiter der Vesperkirche verteilen die Wärmeanzüge
Die Mannheimer Vesperkirche freut sich über die gestifteten Sheltersuits. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Wärmeanzüge nicht für alle Obdachlosen das Richtige sind. Unter anderem, weil die Reißverschlüsse und das Verpacken eine gewisse Koordinationsfähigkeit voraussetzen.
Pfarrerin der Mannheimer Vesperkirche, Anne Ressel, hat aber schon eine Idee, wer für eines der neuen Exemplare in Frage kommt: Andreas L. Der besucht gerade die Vesperkiche und beobachtet, wie eine Vertreterin der niederländischen Sheltersuit-Foundation die Handhabung vorführt.
Ich finde das mega gut, dass es so etwas gibt. Das ist wie Weihnachten. Hauptsache ein warmer Schlafsack.
Andreas L. hat keine Bedenken, dass er gut mit dem Sheltersuit zurechtkommen wird. "Wenn man sich da zweimal mit befasst, funktioniert das." Da es nächste Woche wieder kalt werden soll, freut er sich besonders.
Sheltersuit-Foundation hat weltweit bereits 30.000 Wärmeanzüge verteilt
Entwickelt hat die Sheltersuits ein junger Niederländer, der erlebt hat, wie ein Bekannter seines Vaters, der obdachlos war, erfroren ist. Das erzählt die Vertreterin der Stiftung, Carina Eijsink, die nach Mannheim gekommen ist.
Weltweit gebe es inzwischen rund 30.000 Exemplare. Nach eigenen Angaben werden sie aus Recycling-Materialien hergestellt. Mittlerweile gebe es auch in Südafrika und England Produktionsstätten. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und Sponsoring. Rund 300 Euro kostet ein Sheltersuit auf dem Markt.
Herausforderung: Wo verstaut man den Wärmeanzug tagsüber?
Neben vier Sheltersuits wurden der Mannheimer Vesperkirche auch noch drei sogenannte Shelterbags übergeben. Dabei handelt es sich um Taschen, die man ausrollen kann und die sich dann in ein kleines Zelt verwandeln, wasserdicht und mit Kapuze. Die Shelterbags sind etwas leichter aber nicht ganz so warm wie die Sheltersuits. Die Herausforderung sei allerdings: Was macht man damit tagsüber?
Es gibt Menschen, die sagen: Ich hätte Interesse daran. Aber die Handhabbarkeit von einem zusätzlichen Gepäckstück in der Obdachlosigkeit ist nicht nur unkompliziert.
Was in Mannheim fehlt, seien Möglichkeiten, wo Obdachlose ihre Sachen tagsüber sicher verstauen können, so Ressel. In Hamburg gebe es diese Orte beispielsweise. Entgegen der sonstigen Gewohnheiten hat die Mannheimer Vesperkirche den Shelterbag-Besitzern in der Region angeboten, die Wärmeanzüge über den Sommer einzulagern. Andreas L. muss von dem Angebot wahrscheinlich keinen Gebrauch machen. Er hat einen Ort, wo er sein Exemplar sicher aufbewahren kann.