In der Landwirtschaft und im eigenen Garten ist es an der Tagesordnung: das Bewässern von Feldern und Beeten in den heißen Sommermonaten. Im Wald allerdings gehört die künstliche Bewässerung keineswegs zum Standard.
Versuchsfeld für Tröpfenbewässerung bei Graben-Neudorf
Damit der Baumnachwuchs angesichts zunehmender Hitze- und Dürreperioden überhaupt eine Überlebenschance hat, testen Wissenschaftler der Universität Freiburg jetzt eine Anlage zur Tröpfchenbewässerung bei Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe).
In der Schwetzinger Hardt bei Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis) sind die Folgen des Klimawandels überall zu erkennen. In dem Gemeindewald wachsen vor allem Kiefern und Buchen. Doch mit der Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre kommen die meisten Bäume nicht zurecht.
Viele Bäume in der Schwetzinger Hardt leiden unter den Folgen des Klimawandels
Viele Kronen sind licht und mit Misteln übersät, zahlreiche Stämme leiden an "Sonnenbrand". Die Rinde ist großflächig beschädigt und abgeplatzt. Pilze haben sich angesiedelt und machen dem betroffenen Baum das Leben schwer.
Irgendwann stirbt der Baum ab. Beim nächsten Sturm fällt der Stamm einfach um.
Achim Freund leitet das Forstrevier Rheintal-Nord. Der Förster hat den Ernst der Lage seit langem erkannt. Dem Fachmann ist klar, dass der Wald an die neuen Klimabedingungen angepasst werden muss. Er setzt dabei auf Baumarten, die mit Hitze besser zurechtkommen als Kiefern und Buchen.
Die Eiche kommt mit Hitze besser zurecht
Die Eiche zählt zu seinen Favoriten. Um sie großflächig anzusiedeln, hat er mit seinem Team in der vergangenen Saison viele Eicheln im Wald gesammelt und die Früchte vor dem Frühjahr im Boden ausgebracht. Eine Sisyphusarbeit. Doch schon nach wenigen Wochen zeigten sich die ersten Erfolge. Zarte Pflänzchen wuchsen aus dem Boden.
Nach der Hitze der vergangenen Tage drohen die Setzlinge jetzt aber reihenweise abzusterben. Die obere Bodenschicht ist staubtrocken.
Für die Jungpflanzen ein echtes Problem. Reichen ihre Wurzeln doch nicht tief genug, um an die wasserführenden Schichten zu gelangen. Die Folge: Blattwerk und Stiele verdorren. Die ganze Arbeit - umsonst?
Wissenschaftler suchen optimale Bewässerungsmethode für Jungpflanzen
Ein solches Horror-Szenario wollen die Wissenschafter des Instituts für Forstwissenschaften an der Universität Freiburg künftig verhindern. Im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Modellprojekts "Waldlabor Oberrhein" suchen sie nach den richtigen Konzepten.
Die Lösungen müssen effektiv, kostengünstig, nachhaltig und auch ressourcensparend sein - für den Wald der Zukunft. Übertragbar auf Standorte überall in Deutschland, wo im Sommer extreme Temperaturen herrschen und es an Grundwasser fehlt.
2.000 Jungpflanzen auf Versuchsfeld der Uni Freiburg
Im Gemeindewald bei Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe), wenige Kilometer von Reilingen entfernt, haben die Forscher dazu ein Versuchsfeld angelegt. 2.000 Jungpflanzen wachsen auf dem Areal. Baumarten wie die Linde, der Spitzahorn, die Trauben- und Roteiche.
Über lange Schläuche werden die Setzlinge mit Wasser versorgt. Das überlebenswichtige Nass gibt es aber nur tröpfchenweise. Und auch nur dann, wenn der Regen mal wieder ausbleibt und die Jungpflanzen zu verdursten drohen.
Auf einer benachbarten Vergleichsfläche kommt eine konventionelle Beregnungsanlage zum Einsatz, die ein Vielfaches an Grundwasser verbraucht. Auf einer dritten Fläche bleibt alles der Natur überlassen.
Es gibt viele Standorte in Deutschland, an denen Wassermangel herrscht. Hier muss die Wissenschaft Lösungen für die Wälder von morgen finden.
Die Forscher untersuchen in dem Modellprojekt viele unterschiedliche Parameter wie Wachstum und Mortalität der Jungpflanzen, aber auch Kosten und Ressourcenverbrauch. Die Daten werden über mehrere Jahre hinweg zusammengetragen und miteinander verglichen.
Förster Achim Freund aus Reilingen ist jedenfalls gespannt auf das Ergebnis der Studie. Denn in Zeiten des Klimawandels brauche unbedingt "gute Lösungen", sagt er, auch für den Wald.