Leise rollt der E-Kleinbus von VW mit den aufgedruckten Bosch-Logos durch die Straßen von Stuttgart. Doch unscheinbar ist das Auto nur auf den ersten Blick: Als ein Fußgänger plötzlich hinter einem Auto hervortritt und auf die Straße läuft, erscheint im Inneren des Wagens auf einem Monitor ein Warnhinweis - mit der Empfehlung, jetzt bitte abzubremsen.
Sprach-KI zur Gefahrenerkennung im Verkehr
Dafür verantwortlich ist eine künstliche Intelligenz, die in dem Bus verbaut ist - eine der neusten Entwicklungen von Bosch. Sie soll auf den Straßenverkehr achten und Fußgänger, Hindernisse und Gefahren erkennen und verstehen.
Die dafür nötigen Informationen bekommt die KI per Kamera. Die Bilder werden direkt im Auto ohne Internetverbindung verarbeitet.
Nur für die Entwicklung werden die Gedanken der KI auf einem Bildschirm angezeigt. Künftig soll das im Hintergrund ablaufen - der Fahrer soll von dem System nur etwas mitkriegen, wenn es eine Empfehlung abgibt.
Assistent für Fahrassistenten
Die eigentlichen Manöver am Steuer muss dann allerdings ein anderes Assistenzsystem übernehmen. Ein Fortschritt ist das System laut Bosch vor allem deshalb, weil hier ein Sprachmodell zum Einsatz kommt.
Die von den Kameras gesammelten Informationen werden also in Worte übersetzt, vom System analysiert - und zu Schlussfolgerungen verarbeitet. Ein neuer Ansatz im Vergleich zu herkömmlichen Fahrassistenten, der im Vergleich zur Technologie von Robotertaxis weniger Ressourcen und Platz braucht.
Bosch-KI ähnelt menschlicher Informationsverarbeitung
Die Technik hat viele Gemeinsamkeiten mit der Art, wie der Mensch selbst im Verkehr Gefahren analysiert, erklärt Jens Buchner, Spezialist für Generative KI bei Bosch.
Wenn das Modell zum Beispiel sieht, es rollt ein Ball auf die Straße, dann weiß es, dem Ball könnte ein Kind folgen. Und gibt eine entsprechende Fahrempfehlung dazu aus. Das heißt, bitte jetzt schon vorausschauend bremsen oder die Geschwindigkeit reduzieren.
Robotertaxis spielen keine Rolle für Bosch
Allerdings ist der VW-Bus ein Testfahrzeug. Innerhalb von zwei Jahren will Bosch die Technik in Serie bringen. Denn bei der KI im Auto ist international längst ein Wettlauf im Gange.
Allerdings geht es dabei derzeit vor allem um selbstfahrende Taxis - und nicht um Autos für Privatpersonen. In den USA und China sind solche Fahrzeuge auf festgelegten Straßen bereits unterwegs. Die Fahrgäste dieser Autos können sich also am Steuer zurücklehnen und sogar schlafen.
Bosch als weltgrößter Autozulieferer entwickelt hingegen Systeme, die Fahrer entlasten, aber nicht komplett ablösen sollen. Für das Management des Technikkonzerns ist das allerdings kein Versäumnis, sondern Strategie, erklärt Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch.
Autonomes Fahren So sicher sind selbstfahrende Autos im Vergleich zu Menschen
Einer neuen Studie zufolge sind selbstfahrende Autos insgesamt sicherer unterwegs als Menschen am Steuer. Allerdings bauen sie in bestimmten Situationen mehr Unfälle als Menschen, etwa beim Abbiegen oder bei Dämmerung.
Bosch will für Privatleute produzieren
Im Gegensatz zu den Robotaxi-Herstellern verfolge Bosch als Zulieferer den Ansatz, für die Massenproduktion zu entwickeln. Bosch entwickle Technologie für Autos, die ganz normale Menschen kaufen können.
"Der Ansatz Taxis zu betreiben, ist ein anderes Geschäftsmodell und bedingt auch andere Technologie. Für uns ist das nicht der richtige Weg. Sondern wir gehen in die Technologie rein für den Autofahrer und die Autofahrerin als Eigenbesitz", so Hartung.
KI auch in anderen Geschäftsbereichen im Einsatz
Auch in anderen Geschäftsbereichen setzt Bosch auf KI, investiert Milliarden. Beispielsweise in intelligente Backöfen, die automatisch die die richtige Hitze und Garzeit bestimmen oder Kinderwiegen, die bei Gefahren für Babys warnen.
Finanziell ist jedoch der Automobilbereich mit Abstand am wichtigsten für Bosch. Hier muss das Unternehmen sich gegen die starke internationale Konkurrenz behaupten.