Die beiden Elefanten-Damen Pama und Zella genießen in der Wilhelma Stuttgart aktuell noch das frische Weiß: Schneebälle geformt mit dem Rüssel stehen hoch im Kurs - zum Futtern, nicht zum Werfen. Was da aber einen Steinwurf weiter von den rund 60 Jahre alten Elefantenkühen am Dienstag passiert, davon ahnen die beiden wohl nichts: Dort ist Spatenstich für die neue Elefantenwelt des zoologisch-botanischen Gartens.
Elefantenwelt wird auch zweiter Eingang der Wilhelma
Die Elefantenwelt soll künftig eine ganze Herde, also bis zu 15 erwachsene Elefanten beherbergen: Muttertiere samt Nachwuchs sollen dort ebenso Platz finden wie Jungtiere und ein Bulle. Dafür stehen dann 5.400 Quadratmetern drinnen und zusätzlich 14.500 Quadratmeter draußen zur Verfügung. Das ist zehn Mal so viel Platz wie in der bisherigen Anlage, die ziemlich in die Jahre gekommen ist.
Dafür wurde das bisherige Areal des Schau-Bauernhofes im obersten Zipfel der Wilhelma vorbereitet. Dort soll nun bis Anfang 2030 der Neubau entstehen. Zudem wird dort ein zweiter zentraler Eingang für die Wilhelma gebaut - samt Shop, Restaurant und einem Panoramafenster mit Blick auf die Elefanten. 68,5 Millionen Euro sind für das Vorhaben veranschlagt - 15 Millionen Euro davon trägt der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma, den Rest übernimmt das Land als Eigentümer des zoologisch-botanischen Gartens.
Rosensteintunnel sorgt für Elefanten mit warmen Ohren
Die neue Elefantenwelt eröffnet neue Haltungsformen für die Dickhäuter: Die Asiatischen Elefanten können dort in der Gruppe gehalten werden. Das bedeutet mehr Sozialkontakt untereinander und weniger Fokus auf die Tierpflegerinnen und -pfleger. Im Fachjargon bedeutet das, dass die Wilhelma vom "Direct Contact" auf "Protected Contact", also "geschützten Kontakt" umsteigt. Dieses Konzept haben sich die europäischen Zoos für 2030 als Ziel gesteckt.
Denn die Elefantenhaltung dient nicht nur als Attraktion und naturkundliches Anschauungsobjekt für die Besuchenden, sondern auch dem Artenschutz - man spricht von einer "Reservepopulation".
Die Elefantenwelt soll dabei künftig auch die Abwärme des Rosensteintunnels nutzen. Dieser wurde 2022 eröffnet, verläuft direkt unter der Wilhelma und hat sein oberes Portal unter der neuen Elefantenwelt. Und die Wärme ist wichtig: Trotz allem Spaß im Schnee, nach einiger Zeit müssen die Elefanten wieder rein in die Wärme. Denn ihre Ohren, die in der südostasiatischen Heimat als Klimaanlage dienen, reagieren empfindlich auf die Minusgrade in unseren Breiten.