Nachdem Drohparolen gegen Motorradfahrer auf Straßen gesprüht wurden, zeigen sich Biker aus Baden-Württemberg fassungslos. "Das geht natürlich überhaupt nicht. 'Motorradfahrer stirb', irgendwelche Gewaltandrohungen irgendwohin zu malen, das ist ein absolutes No-Go und indiskutabel", so Matthias Schröter, Gründer des Black Forest Speedclubs, gegenüber dem SWR.
Schröter verstehe, dass Anwohner oder Naturliebhaber sich durch eine gewisse Lärmproblematik der Motorräder gestört fühlen und im Straßenverkehr ein verständnisvolles Miteinander immer schwieriger werde. "Da denkt jeder für sich 'Ich habe jetzt Wochenende' oder 'Ich habe jetzt meinen freien Tag und ich will das jetzt hier genießen und ich fahre jetzt hier'", meint Schröter. Man müsse einander respektieren, sich Raum geben und "sich auch mal in andere Leute rein denken - was wäre, wenn ich jetzt hier wohnen würde?", gibt der Motorrad-Trainer zu bedenken.
Nach Drohungen: Keine Angst bei Motorradfahrern
Dass Motorradfahrer sich wegen der Drohungen nun anders verhalten würden, denkt Schröter nicht. "Ich glaube nicht, dass das irgendjemand stört oder verängstigt oder gar davon abhält, dann so eine Strecke zu fahren. Vielleicht sogar im Gegenteil." Angst und Motorradfahren - das sei nichts, was gut zusammenpasse.
Grundsätzlich sind Motorradfahrer ein sehr duldsames Völkchen, das sind tolerante und auch keine ängstlichen Menschen.
OB von Schorndorf: "Komplette Grenzüberschreitung"
Der Oberbürgermeister von Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), Bernd Hornikel (parteilos), nannte die Schmierereien eine "komplette Grenzüberschreitung". Dem SWR sagte er: "Menschen mit dem Tod oder mit Gewalt zu drohen, das verlässt einfach jede Diskussionskultur."
Am vergangenen Wochenende waren im Rems-Murr-Kreis unter anderem bei Schorndorf, aber auch im Kreis Esslingen auf mehreren Straßen Schmierereien gegen Motorradfahrer aufgetaucht. Unter anderem waren die Parolen "Biker stirb" und "Ein Bikerschwein weniger" zu lesen. Unbekannte hatten die Schriftzüge vermutlich in der Nacht von Freitag auf Samstag auf die Fahrbahn geschmiert.
Hornikel bat die Anwohner um Verständnis dafür, dass es nun mal eine Landstraße sei, auf der gefahren werde. Von den Verkehrsteilnehmern forderte er jedoch auch Rücksicht ein und "dass ihnen klar ist, dass es gerade sehr laut ist, was sie tun."
Zoff um Motorräder eskaliert "Biker stirb!" - Polizei ermittelt wegen Schmierereien auf Straßen im Rems-Murr-Kreis
Am Wochenende sind auf mehreren bei Motorradfahrern beliebten Strecken drohende Schriftzüge aufgetaucht. Damit spitzt sich der Streit um Biker in der Region zu.
Schon länger Streit zwischen Anwohnern und Motorradfahrern
Das Landratsamt Rems-Murr verurteilt die Vorfälle auf das Schärfste und teilte mit: Gewaltandrohungen und Sachbeschädigung hätten auf den Straßen keinen Platz.
Der Streit ums Motorradfahren schwelt im Rems-Murr-Kreis schon lange, vor allem am Wochenende. Anwohner beschweren sich regelmäßig wegen des Lärms. Der Landkreis versucht nach eigenen Angaben seit Jahren gegenzusteuern. Fahrern, die die Verkehrsregeln nicht einhalten, sei allerdings mit den rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln schwer beizukommen.
Drohparolen gegen Biker in zwei Landkreisen
Inzwischen hat die Straßenmeisterei laut Polizei fast alle Schmiereien mit einem speziellen Reinigungsfahrzeug entfernt. Es werde wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt, hieß es weiter.