Gefahr an den Gleisen

"Ich muss jede Woche eine Notbremsung machen": Lokführer warnen vor Leichtsinn an Bahnübergängen

Immer wieder laufen Menschen trotz roter Ampel über die Gleise - manchmal mit tödlichen Folgen. Zwei Lokführer aus Südbaden berichten von dramatischen Situationen und der ständigen Belastung im Berufsalltag.

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Von Autor/in Judith Hartmann

Am Bahnübergang gelten klare Regeln: Bei rotem Signal und geschlossener Schranke muss angehalten werden. Trotzdem passieren immer wieder Unfälle. Auch in Baden-Württemberg gab es in den letzten Monaten mehrere Unfälle, weil geltende Regeln nicht beachtet wurden. Das teilte die Bundespolizei auf Nachfrage mit.

Andreas Winkler und Julian Roos arbeiten als Lokführer in Südbaden und kennen solche dramatischen Szenen. "Die Leute denken, dass sie es noch über die Gleise schaffen, bevor der Zug kommt", sagt Andreas Winkler. "Dass aber eben die allermeisten Unfälle tödlich ausgehen - daran denkt keiner.“ In ihrem Berufsalltag beobachten die beiden Lokführer immer wieder leichtsinniges Verhalten. Nun möchten sie darüber sprechen und dafür sensibilisieren.

Lokführer Julian Roos gibt an, dass er etwa einmal die Woche eine Notbremsung einleiten muss, da sich Menschen leichtsinnig verhalten. "Ich hatte schon mal eine Situation, wo jemand meinte, mit Kindern über den Bahnübergang laufen zu müssen, obwohl ich da noch angefahren kam. Das war schon ziemlich knapp", erzählt Roos.

Leute unterschätzen Bremsweg

Lokführer Andreas Winkler bemerkt immer wieder, dass Menschen die Gefahr an Bahnübergängen unterschätzen. Oft sei ihnen nicht bewusst, wie schnell ein Zug wirklich fährt - und wie lang der Bremsweg ist. Selbst bei einer Schnellbremsung brauche ein Zug rund 200 Meter, bis er zum Stehen komme, so Winkler. Besonders frustrierend für den Lokführer: Oft würden Menschen ihr Leben riskieren, nur um ein paar Minuten Zeit zu sparen.

Prinzipiell wissen die Leute natürlich: Es ist verboten, es ist gefährlich. Aber man versucht trotzdem, die Gleise zu überschreiten, um den Zug vielleicht noch zu erreichen.

Lebensgefahr für den Nervenkitzel

Die zuständige Bundespolizei sieht nicht nur den Leichtsinn mit Sorge. Manche Menschen würden auch bewusst den Nervenkitzel suchen und sich dabei in Lebensgefahr bringen. Immer wieder käme es zu Unfällen, weil Personen auf Züge klettern oder Selfies auf den Gleisen machen. "Auf Social Media will jeder den anderen toppen. Das macht die Leute auch leichtsinnig in dem, was sie tun und das führt dementsprechend zu Unfällen oder tödlichen Verletzungen", sagt Friedrich Blaschke von der Bundespolizei Weil am Rhein.

Eine S-Bahn fährt durch einen Bahnübergang in Bahlingen am Kaiserstuhl.
Die Schranke, rotes Licht und das Andreaskreuz warnen vor der durchfahrenden S-Bahn.

Jeden Tag, wenn ich zur Arbeit komme, habe ich eine gewisse Grundspannung und mache mir Gedanken, was heute passieren könnte.

Dauerbelastung für Zugpersonal

Für die beiden Lokführer Winkler und Roos gehört die ständige Sorge, dass etwas Schlimmes passieren könnte, zum Arbeitsalltag dazu. Roos, der seit fünf Jahren als Lokführer arbeitet, war dennoch überrascht, wie oft Menschen sich leichtsinnig verhalten. Winkler und Roos hoffen, dass ihre Warnung gehört wird. Denn ein einziger leichtsinniger Moment könne schwere Folgen haben.

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