Neue Info-Points erklären Naturphänomen

Donau versickert bei Tuttlingen - und endet damit in der Nordsee

Die Donau bei Tuttlingen ist mal mehrere Meter tief, mal dient ihr Bett als Wanderweg. Das Wasser verschwindet wie von Zauberhand im Boden. Aber wo landet das Wasser am Ende?

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Von Autor/in Peter Binder

Neue Info-Points bei Immendingen, Tuttlingen-Möhringen und Fridingen, informieren über ein einmaliges geologisches Phänomen: Sie sollen die Donauversickerung verständlich machen. Und touristisch noch interessanter. Dort steht unter anderem, dass die Donau oft in die Nordsee fließt. Und dass Wien dann am Krähenbach liegt. Wie kommt's?

Donau versickert, Flussbett im Sommer teilweise leer

Die Donau versickert im Sommer oft. Dadurch bleibt zwischen Immendingen und Möhringen an 150 bis 200 Tagen nichts vom Wasser übrig - das Flussbett ist also an dieser Stelle komplett trocken. Das Wasser läuft unterirdisch durch ein Höhlensystem und füllt den Aachtopf. Die Aach läuft dann in den Bodensee. Das Bodensee-Wasser, das als Donau angefangen hat, fließt mit dem Rhein in die Nordsee.

Grafik, die zeigt, wo die Donau entspringt, wo sie entlangfließt und wo die Donau bei Tuttlingen versickert.
Brigach und Breg sind die Quellflüsse der Donau. Im Sommer versickert die Donau - zwischen Immendingen und Möhringen bleibt oft nichts von dem Wasser übrig. Das Wasser fließt unterirdisch bis zum Aachtopf. Hier kommt der Krähenbach ins Spiel: Er füllt das leere Bett der Donau. SWR

Ursache dafür, dass die Donau bei Immendingen und Möhringen versickert, ist das Kalkgestein der Schwäbischen Alb. Es löst sich allmählich auf, an der Erdoberfläche und im Untergrund. So entstehen Risse und Löcher, durch die das Wasser abfließt. Das geschieht immer, auch wenn die Donau viel Wasser führt. Es fällt nur besonders auf, wenn sie vollständig versickert oder versinkt. Führt sie viel Wasser, kann man die Strudel beobachten, in denen das Wasser in die Tiefe gezogen wird.

Die Donau als Flüsschen zwischen Wiesen und Feldern.
Wie viel Wasser die Donau hier führt, weiß man vorher selten. Sie ist trickreich, jeden Tag anders. Peter Binder

Weltmetropole am Bach aus Möhringen

Bei der Versickerung spielt auch der Krähenbach eine wichtige Rolle. Denn das kleine Bächlein mündet bei Tuttlingen-Möhringen in die Donau, die über Ulm und Wien irgendwann ins Schwarze Meer fließt. Ist die Donau durch die Versickerung bei Tuttlingen-Möhringen weg, füllt der Krähenbach ihr leeres Bett. Dadurch hätte der Krähenbach auch das Recht, Namensgeber des Flusses zu sein. Wenn man es also ganz genau nehmen wollte, müsste es weiter flussabwärts heißen: Wien am Krähenbach. Damit fließt die Donau in zwei Weltmeere: Ins Schwarze Meer und in die Nordsee.

Liebliches BHächlein fließt zwischen Bäumen entlang
Lange, bevor er Wien erreicht, fließt der Krähenbach durch ein idyllisches, nach ihm benanntes Tal. Peter Binder