In Reutlingen haben rund 30 Frauen der Gruppe "Die flotten Nadeln mit Herz" 10.000 Euro Spenden gesammelt. Gründerin Gabriele Hoyh hatte die Idee, Strickwaren in Spendenkörben in Geschäften anzubieten. Der Erlös kommt schwerkranken Kindern zugute.
Gemütliches Stricken im Eiltempo
Im Eiltempo springen die Maschen von links nach rechts. Und doch hat in Reutlingen niemand Stress. Die Damen sind geübt. Sie stricken fast überall. Regina gilt unter ihnen als die Schnellste. "Ihr gibt man an einem Tag die Wolle mit und kurz darauf kommt sie schon mit Kinderjäckchen und Mützen zurück", erzählt eine der Frauen. Kein Wunder: Regina von Akazienwalde scheint das Strickzeug nie aus der Hand zu legen. "Man kennt mich nur mit Strickzeug. Man fragt schon: Wo ist dein Strickzeug? Es ist, als würde man ohne Brille aus dem Haus gehen. Ohne Strickzeug gehe ich nicht aus dem Haus."
Die rund 30 Frauen nennen sich "Die flotten Nadeln mit Herz". Einmal im Monat treffen sie sich zum Nähen, Häkeln und Stricken. In zehn Monaten haben sie bereits 10.000 Euro an Spenden gesammelt. Die Wolle bekommen sie gespendet.
Mit einer cleveren Idee kamen schnell Spenden zusammen
Gegründet wurde die Gruppe von Gabriele Hoyh. Nach ihrer eigenen Leukämie-Erkrankung wollte sie Kindern auf Palliativstationen helfen. "Wenn ich im Krankenhaus an den schwer kranken Kindern vorbeilief, tat mir das unendlich leid." Ihre Idee: Spenden sammeln mit selbstgemachten Strickwaren. Anfangs glaubte kaum jemand an ihren Erfolg. "Ich wurde belächelt. Viele sagten, ich solle zufrieden sein, wenn ich 300 Euro zusammenbekomme. Aber ich wollte mehr."
Gabriele Hoyh fragte in Apotheken, Praxen und Lebensmittelläden, ob sie ihren Spendenkorb im Laden aufstellen würden – und sie bekam einige Zusagen. In mehreren Edeka-Märkten im Landkreis Reutlingen steht in Kassennähe eine Box mit verschiedenen Strickartikeln: Söckchen für Erwachsene und Kinder, Mützen, gehäkelte Tiere, Schals und vieles mehr. Daneben die Spendenbox. Mit diesen Einnahmen und mit dem Erlös von Weihnachtsmärkten stieg die Summe im Laufe des letzten Jahres rasant.
Die Spenden gingen an die Pädiatrisch-palliative Lebensbegleitung und Netzwerkarbeit der Uniklinik Tübingen und den häuslichen Hospizdienst BOJE Tübingen.
Flotte Nadeln wollen auch im nächsten Jahr Spenden sammeln
Die Reutlinger Frauengruppe ist beeindruckt von Gabriele Hoyhs Engagement. Ohne sie wäre das alles nicht möglich geworden. "Mich hat als ehemalige Logistikerin das Vertriebskonzept begeistert: dass man hier auf Vertrauensbasis Körbe aufstellen kann und die Menschen sich bedienen. Das fand ich einfach ganz klasse", sagt Claudia Kern.
"Das Einzige, was uns jetzt noch fehlt, ist ein Lagerraum für unsere Spendenwolle." Ansonsten ist auch Gabriele Hoyh sehr glücklich über das Ergebnis. "Im nächsten Jahr möchten wir doppelt so viele Spenden sammeln, also insgesamt 20.000 Euro." Dieses Mal glaubt es ihr bestimmt jeder.