Hechingen: Friedhof als Ort der Ruhe und Stabilität
Einmal im Jahr laufen Baukontrolleur Andreas Strauch und Friedhofswärter Achim Daiker sämtliche Friedhöfe in Hechingen (Zollernalbkreis) ab. Auf dem Heiligkreuzfriedhof in Hechingen ist nicht alles so, wie es scheint. Die beiden wissen, dass man sich dort nicht nur ernsthaft verletzen, sondern im schlimmsten Fall sogar zu Tode kommen kann. Deshalb ist es wichtig, dass die Grabsteine regelmäßig auf ihre Standfestigkeit überprüft werden. Zunächst begutachten sie die großen Steine.
Gefahr lauert direkt am Grab
Sie prüfen die stehenden Steine mit einem sogenannten "Kipptester". Mit dem unterarmlangen Gerät wird mit 30 Kilo Gewicht gegen den Stein gedrückt. Ein "Piep" signalisiert den beiden Prüfern, dass alles in Ordnung ist.
Andreas Strauch demonstriert die Gefahr: Er kniet sich an den Rand eines Grabes, hält sich mit einer Hand am Stein fest und versucht, mit der anderen Unkraut zu jäten, ohne dabei ins Grab hineinzutreten. Wenn bei dieser Körperhaltung der 300 Kilogramm schwere Stein jetzt umkippen würde, könnte er den Kontrolleur an der Schulter oder am Kopf schwer verletzen - oder, wenn es dumm läuft, möglicherweise sogar erschlagen. "Halten kann ich den Stein jedenfalls nicht mehr", sagt Andreas Strauch.
Vermeintlich standfester Stein kippt um
Wie real die Gefahr wirklich ist, wird klar, als plötzlich einer der großen Grabsteine umkippt. Ein wuchtiges Exemplar aus Granit. "Jetzt ist das Schlimmste passiert, was passieren kann", sagt Andreas Strauch. "Wenn sich jetzt eine Person festhält: Leider Gottes wars das dann!" Die Blumen auf dem Grab sind jedenfalls zermatscht, der eigene Fuß wäre es möglicherweise auch.
Stauch klebt neongrüne Aufkleber mit der Aufschrift "Achtung, Unfallgefahr" auf den Stein. Diese Infos sind für die Angehörigen wichtig. "Schließlich könnte es sich auch um eine Grabschändung handeln, denn Vandalismus auf Friedhöfen kommt immer wieder vor", so Strauch.
Die Besitzer werden angeschrieben, denn sie müssen dafür sorgen, dass der Stein niemanden gefährdet und sicher steht. Strauch und Daiker schauen sich die Bruchstelle genauer an. Sie entdecken, dass ein Verbindungsstück aus Eisen am Stein zu dünn und vermutlich auch zu kurz geraten ist. "Jeder Statiker würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen" sagt Strauch.
Immer wieder Pfusch am Grab
Das Problem: Keiner kontrolliert, ob die Arbeiten gut oder schlampig erledigt wurden, da es keine Bauabnahme gibt. Baukontrolleur Andreas Strauch erzählt von einem Fall, der schon ein paar Monate zurückliegt: "Da hatte jemand seinen Grabstein im Internet bestellt. Ein Steinmetz aus Bremen musste das Fundament ausheben, den Stein setzen und dann wieder heimreisen". Da spiele der Zeitfaktor eine große Rolle. Oft wird an der Ausführung und am Fundament gespart, weiß Strauch. Es gab sogar Fälle, in denen Steine nur mit Silikon befestigt wurden, bei denen gar kein Mörtel verwendet wurde. "Der Steinmetz ist dann wieder weg, und das Übel steht da!"
Mehr Sicherheit auf dem Friedhof
Damit es auf dem Friedhof und am Grab in Zukunft sicherer wird, haben die beiden Prüfer einen Tipp parat. Sie empfehlen, kleine Steine zu kaufen und solche, die flach auf dem Boden liegen. Auch Rasengräber bergen weniger Gefahren, da man die Grabfläche betreten kann. Außerdem sollte man lieber örtliche Steinmetze beauftragen, als Dienstleistungen über das Internet zu bestellen.