Der Mond hatte für die Kelten eine wichtige Funktion: Er war Taktgeber für ihre Zeitmessung, für Feste und für die Landwirtschaft. Wie er das Leben der Vorfahren auf der Schwäbischen Alb geprägt hat, können Wanderfreudige bei einer Vollmondwanderung des Heidengrabenzentrums bei Grabenstetten (Kreis Reutlingen) erfahren.
Grabhügel vom Heidengraben: Auf den Spuren der Kelten
Noch ist an diesem Februarabend vom Vollmond nichts zu sehen. Aber eine mondförmige, helle Praline und ein Glas Wein zur Begrüßung sollen die Gruppe Natur- und Geschichtsinteressierter für die bevorstehende Wanderung stärken. Auf der verschneiten Offenfläche, wo sich die 30 Besuchenden zuprosten, zeugen nachgebildete Grabhügel von der spätkeltischen Vergangenheit des Heidengrabens.
Ab etwa 120 vor Christus, in der späten Latènezeit, ist hier eine Siedlung errichtet worden, ein Knotenpunkt für Handel am Rande der Schwäbischen Alb: Zahlreiche Funde belegen weitreichende Handelsbeziehungen der Kelten auf der Alb bis in den Mittelmeerraum.
Auf ihren Spuren ist die Wandertruppe unterwegs. Der Weg führt sie über das schneebedeckte Grabhügelfeld der Hallstattzeit, das aus etwa 42 Grabhügeln besteht. Hier wurden einst Großbauern bestattet, die von den Machtzentren der Keltenzeit profitierten. Das Grab als Statussymbol, erklärt Historikerin Tanja Breitenbücher.
Mond fasziniert auch heute noch
Weiter geht es, vorbei an rekonstruierten Teilen der keltischen Befestigungen. Als es dunkel ist und endlich der Vollmond erscheint, wandern die Blicke ehrfürchtig zum Himmel. Hier und da werden Fotos gemacht. "Es ist wunderschön, dass wir hier bei diesem Vollmondglanz mystische Sachen erfahren dürfen", schwärmt eine in Mütze und Mantel eingepackte Teilnehmerin. Ein Mann wenige Schritte hinter ihr meint: "Das hat irgendwie was Beruhigendes, es macht mir einfach ein wohliges Gefühl."
Der Mond als Zeitmesser der Kelten
Immer wieder hält die Gruppe an. Etwa dann, wenn Winzer Jürgen Pfänder Leckereien aus seinem mitgebrachten Lastenrad nimmt und auftischt: Glühwein gegen die Winterkälte und Obatzten für den Genuss. Oder, wenn Historikerin Breitenbücher ihr Wissen teilt: "Die Kelten rechneten in Nächten, nicht in Tagen. Ihr Kalender war mondbasiert und die Zeit wurde zyklisch gedacht", so Breitenbücher.
Die Kelten rechneten in Nächten, nicht in Tagen.
Diese Verbindung von Mond und Zeit werde durch historische Quellen wie die Schriften von Caesar und Plinius dem Älteren belegt, erklärt sie. Caesar schrieb in seinem Werk "De Bello Gallico" (Der Gallische Krieg), dass die Gallier jeden Zeitraum nach der Zahl der Nächte und nicht der Tage zählten. Auch Plinius beschreibt druidische Rituale, die eng mit dem Mondzyklus verbunden waren. So sammelten Druiden beispielsweise Misteln am sechsten Tag nach dem Neumond, da dieser Zeitpunkt als besonders heilig galt.
Einblicke in die keltische Kultur
Neben den historischen Fakten ist Raum für die Faszination des Mondes selbst. Jutta Gluiber, Natur- und Landschaftsführerin, hat die Veranstaltung mitorganisert und findet: "Es schwingt immer was Mystisches mit, was wohl auch bei den Völkern der Urzeit schon immer vorhanden war."
Bei ihren Veranstaltungen kombinieren Gluiber und ihr Partner Jürgen Pfänder Naturerlebnisse und Wissensvermittlung, diesmal in Kooperation mit dem Heidengrabenzentrum. Das Informationszentrum gibt es seit 2024. Es wird finanziert von den drei an den Heidengraben angrenzenden Gemeinden Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben.
Neben einer Dauerausstellung zum Leben der Kelten auf der Alb organisiert das Zentrum immer wieder Veranstaltungen wie diese. Das scheint gut anzukommen: Nach der ersten und schnell ausverkauften Vollmondwanderung am 1. Februar ist die nächste für den 25. Oktober geplant. Und mehr Veranstaltungen sollen folgen: "Wir haben viele Ideen, die wir in Zukunft umsetzen möchten", verrät Breitenbücher.