Zwischen Freude und Ärgernis

Neun Störche auf dem Münster in Zwiefalten verursachen hohe Kosten

Störche auf Kirchendächern gibt es immer wieder. In Zwiefalten im Kreis Reutlingen sind es aber gerade neun Stück, und es werden mehr. Warum das teuer werden kann.

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Von Autor/in Theresa Krampfl

Überall auf dem fast 50 Meter hohen Münster in Zwiefalten (Kreis Reutlingen) sieht man Nester und Störche. Die Störche bauen ihre Horste neben das große goldene Kreuz oder rund um lebensgroße Figuren auf der Fassade des Münsters. Was Touristen freut, ist für das Land teuer. Die Toleranz in der Gesellschaft für die Störche sinke, so Pfarrer Sigmund Schänzle.

Störche sind nicht mehr so beliebt in Zwiefalten

Man hört sie klappern und sieht sie über Zwiefalten kreisen. Der Pfarrer des Münsters Sigmund Schänzle sagt, die Störche seien ein sehr beliebtes Fotomotiv bei Besuchenden. Als der erste Storch vor zehn Jahren hier ankam, hätten sich alle sehr gefreut. So langsam sinke aber die Toleranz in der Gesellschaft, weil man wegen Denkmalschutz das Münster mit speziellen Kränen regelmäßig von Kot und Ästen befreien müsse. Das sei nicht gerade billig. Die Behörde Vermögen und Bau Tübingen teilte dem SWR mit, für Einsätze am Münster, die durch die Störche entstehen, gebe man in diesem Jahr rund 60.000 Euro aus.

Das Land Baden-Württemberg sei dafür zuständig und zahle diese Aufwendungen mit Steuergeldern, so Schänzle. Andere Projekte wie die Renovierung der Münsterorgel müssten dann hinten angestellt werden. Zwiefaltens Bürgermeisterin Alexandra Hepp bestätigt auf SWR-Nachfrage, dass ihre Gemeinde nicht an den Kosten beteiligt ist.

Es könnten noch mehr Störche werden

Pfarrer Schänzle spricht sehr liebevoll über die Störche, er mag sie. Doch er sieht das Problem größer werden. Störche würden immer wieder dahin zurückkommen, wo sie geboren wurden. "Die Jungen wissen genau, wo sie herkommen. Und wenn sie zum Brüten wiederkommen, nehmen sie ihre ganze Verwandtschaft mit", sagt Schänzle.

Pfarrer Schänzle vor dem Münster in Zwiefalten. Auf dem Dach verteilt haben Störche ihre Nester gebaut. Sie ziehen dort ihre Jungen auf.
Pfarrer Sigmund Schänzle sieht das Problem größer werden. Trotzdem ist er begeistert von den Tieren.

Wir freuen uns über die Störche. Aber es ist das Gleiche wie mit dem Biber. Irgendwann wird es zum Problem.

Auch wenn das Land sogenannte Kunstnester auf Stelzen in Zwiefalten verteilt, brüten die Störche wohl doch am liebsten auf dem Münster. Das Glockenläuten scheint ihnen nichts auszumachen. Selbst nach dem Tod des Papstes, als die Glocken lange läuteten, sind sie geblieben.

Überall haben Störche Nester auf dem Zwiefalter Münster gebaut. Sie ziehen dort ihre Jungen auf.
Die Störche sind gerne in der Nähe von Menschen, aber mit einem gewissen Abstand in der Höhe.

Regelt sich das von selbst?

Schänzle ist sich sicher: "Die Natur ist gescheiter als wir." Sie wird sich selbst regulieren und dafür sorgen, dass es keine Invasion von Störchen wird.

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