In Ulm gibt es seit Dienstag ein drittes Taubenhaus - dieses Mal hoch über den Dächern der Innenstadt auf dem obersten Deck im Parkhaus Deutschhaus. Damit soll die Stadt sauberer werden - und den Tauben soll es gleichzeitig gut gehen.
Neues Konzept: Vögel können direkt "einfliegen"
Ziemlich unscheinbar steht er auf Ebene 7 im obersten Stock des Ulmer Parkhauses: Ein circa drei auf drei Meter großer, metallener Container, der zwei Parkplätze einnimmt. Wenig deutet darauf hin, dass dort künftig Tauben wohnen sollen. Erst wenn man um das kleine Häuschen herumgeht, kommt eine offene Luke zum Vorschein - die künftige Eingangstür der Vögel.
Das neue Taubenhaus etwas anders als seine beiden Pendants in Ulm: Es befindet sich in mehr als 20 Metern Höhe und bietet ein Zuhause für bis zu 200 Tauben. Die bisherigen Unterkünfte, sogenannte Taubenwagen, befinden sich dagegen ebenerdig am Ehinger Tor und im Stadtteil Böfingen. Das neue Modell auf dem Parkhaus zeichnet sich durch eine innovative Bauweise aus.
Der rechteckige Vogel-Eingang ist in die Glasfront des Parkhauses eingelassen. Auf einer Plattform im Freien können die Vögel landen und dann durch einen kleinen Tunnel ins Innere des Häuschens gelangen. Der Eingang befindet sich an der Rückseite und ist für Menschen unerreichbar.
"Wir haben kein Taubenproblem, aber Handlungsbedarf haben wir trotzdem", sagte Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD) bei der Eröffnung. Es gehe darum, die Tauben von der Straße zu holen und damit die Sauberkeit in der Stadt zu verbessern. Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten, bei denen die Tiere vor allem dem Haus am Ehinger Tor fernblieben, seien die Erfahrungen mit den ersten beiden Taubenwagen sehr positiv gewesen. "Die Tauben nutzen das", so Ansbacher.
Für viele Stadtbewohner sind die Tiere ein Ärgernis. Denn sie hinterlassen viel Dreck und Kot. Anwohnerinnen und Anwohner klagten in der Vergangenheit sogar über eine regelrechte "Taubenplage". Mit den drei Taubenhäusern will die Stadt Abhilfe schaffen.
Die Taubenpopulation wird dezimiert und der Tierschutz dabei beachtet - besser kann man es nicht machen.
Taubenhäuser als Lösung für Sauberkeit und Tierschutz
Die Idee hinter den Taubenschlägen ist simpel: Die Tiere "wohnen" in ihrem Haus. Das heißt, sie essen, schlafen und brüten dort. Das würden sie sonst alles unkontrolliert an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt machen. Gleichzeitig ist in den Taubenhäusern für das Tierwohl gesorgt.
Der Riesenvorteil des Taubenhauses ist, dass wir die Eier tauschen können.
Ehrenamtliche Tierschützer kümmern sich regelmäßig um die Reinigung des Hauses und die Fütterung der Tiere. Gleichzeitig wird die Fortpflanzung der Tauben kontrolliert: Ihre Eier werden gegen künstliche Eier aus Gips- oder Kunststoff ausgetauscht, um die Population zu regulieren. "Das merkt die Taube nicht. In der Natur passiert das auch, dass nicht jedes Ei schlüpft", so Bastian Röhm, Ulmer Gemeinderatsmitglied (Tierschutzpartei) und ehrenamtlicher Tierschützer. Nach ein paar Wochen würde die Taube dann einsehen, dass es mit dem Brüten nichts war. Anschließend könne das Ei problemlos herausgenommen werden, sagt Röhm.
Vertreter der Stadt und die Verantwortlichen der Taubenschläge sind überzeugt von der Methode. Sie betonen, dass die Tauben durch die Häuser von den Straßen geholt werden, was nicht nur die Verschmutzung in der Innenstadt reduziert, sondern auch das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier erleichtert. "Die Taubenhäuser sind die beste Methode, um die Vögel artgerecht zu betreuen und gleichzeitig die Stadtsauberkeit zu verbessern", sagt Bastian Röhm.
Die Stadt hat 85.000 Euro in die neue, moderne Vogelpension investiert. Die Verantwortlichen hoffen jetzt, dass das neue Taubenhaus von den Vögeln gut angenommen wird.