Mit Vaseline eingerieben, damit der Neopren-Anzug nicht wund reibt, geht es ins 22 Grad warme Wasser: Schwimmend durch zehn Länder von Ulm bis zur Mündung ins Schwarze Meer. "Aufgeregt" sei er jetzt schon, weil bei sowas immer Unvorhergesehenes passiere. Etwa eine Magen-Darm-Infektion durch das Donauwasser. Aber Joseph Heß hat eine Mission.
Mit seiner "Flussexpedition", wie er die extreme körperliche Herausforderung nennt, möchte der 39-Jährige seinen "kleinen Mikrobeitrag" dazu leisten, "diese Welt ein bisschen besser zu machen", sagte er kurz vor dem Start am Samstag am Neu-Ulmer Donauufer.
Wasserproben für erste Kartierung von Mikroplastik in der Donau
Mit dem Mikrobeitrag meint er die Erfassung von Mikroplastik in der Donau. Dazu gibt es bisher keine vollständigen Daten, sagt Katrin Schuhen, die Heß wissenschaftlich begleitet. Bis zu 400 Wasserproben wird das Begleit-Team aus der Donau ziehen. Schuhen und ihr Karlsruher Hydro-Chemie-Team werden diese dann im Labor auswerten.
Die Donau als Trinkwasserspender für rund 20 Millionen Menschen enthalte zu viel Mikroplastik. Täglich schwimmt etwa so viel Mikroplastik durch den Fluss, wie etwa das Gewicht von rund 42.000 Plastikflaschen.
Ziel neben dem Schwarzen Meer: Erste Mikroplastik-Karte der Donau
Warum bisher noch keiner eine solche Karte erstellt hat? Das sei extrem teuer, gibt Katrin Schuhen zu bedenken. Bei dem Gemeinschaftsprojekt zusammen mit Heß habe man sich gezielt Sponsoren ins Boot holen können. Plus Spenden. Nur so seien Reise- und Transportkosten, vor allem aber die hohen Laborkosten von rund 170.000 Euro zu bezahlen.
60 Kilometer will Heß ab jetzt täglich donauabwärts schwimmen. Am 7. September ist planmäßiges Aufsetzen an der Schwarzmeerküste. Das bedeutet nach seinen Berechnungen mehr als 40.000 Kraulzüge pro Tag, Kalorienverbrauch: 10.000. Das entspricht 1.200 Freibad-Bahnen. Das zehrt.
Ich habe extra viel gegessen, um mir 15 Kilogramm anzufuttern, die ich verlieren werde.
15 Kilogramm wird Heß in den kommenden beiden Monaten an Gewicht verlieren, sagt der promovierte Wirtschaftsingenieur. Und er hat extra zwei Neoprenanzüge eingepackt: Einen für jetzt in XL, einen für weiter flussabwärts in L. Erster Zwischenstopp war Günzburg. Am 14. Juli will er Wien, am 2. August Belgrad und am 23. Juli Budapest erreichen.