Ein altes Militärgebäude öffnet die Türen für Musik, Kunst und Mitmachaktionen. Im Innenhof der Wilhelmsburg in Ulm wird es ab dem 23. Juli 2026 bunt. Zum neunten Mal beginnt das Programm "Stürmt die Burg". Ein ganz eigenes Programm bietet parallel der historische Kehlturm.
Es ist völlig vogelwild, viel Fantasie, viele tolle Sachen, tolle Menschen, tolle Ideen.
Breit und wuchtig, keine Stufen, sondern eine steinerne Rampe: Schon am Eingang zum Kehlturm ahnen Besucher, dass sie ein besonderes Gebäude betreten. Große Schilder weisen den Weg nach links. Das ist auch dringend notwendig. Denn selbst Moritz Gombert verirrt sich hier noch ab und zu - nach drei Jahren. "Kürzlich habe ich ganz simpel gesagt den Ausgangsweg zur Toilette einfach nicht gefunden, weil ich im falschen Geschoss war."
Moritz Gombert von der Ulmer Sanierungstreuhand ist Projektleiter für den "Open Tower". Schon als der Kehlturm 2024 erstmals öffnete, war er da. Und doch, sagt er, entdeckt er immer wieder Neues. "Kürzlich waren wir mal auf dem Dachboden, das war ein wirklich tolles Erlebnis, den alten, ausgebauten Riesenraum zu sehen. Der ist nicht öffentlich, aber das sind immer wieder so Nischen, die man entdecken kann. Nach Jahren noch."
Kürzlich waren wir mal auf dem Dachboden, das war ein wirklich tolles Erlebnis, den alten, ausgebauten Riesenraum zu sehen.
Kehlturm der Wilhelmsburg: Hinter jeder Tür ist etwas zu entdecken
Wo früher Pferde Kanonen auf das Dach des Kehlturms zogen, folgen heute die Besucher dem gewundenen Gang stufenlos nach oben. Rechts geben Fenster immer wieder den Blick in einen Innenhof frei. Links liegen die Räume, in denen Kulturschaffende, Unternehmer und Forschende arbeiten und sich präsentieren.
Annika Zech zum Beispiel sitzt in Turmzimmer 21 im Science-Lab. Die Wissenschaftlerin und Journalistin will Interessierte über interaktive Proteine informieren - fernab vom heutigen Trend, sagt sie, spreche sie "nicht über Ernährung, sondern über die Funktionen von Proteinen, zum Beispiel das grün-fluoreszierende Protein". Dafür stehen Mikroskope und 3D-Drucker bereit.
Aus der Tür heraus wieder links geht es die sanfte Steigung der Rampe weiter hoch. Ein Turmzimmer leuchtet eisblau, in einem anderen stehen Heilkräuter auf einem Tisch, es gibt ein Zimmer für Siebdruck und eins mit essbaren Klangskulpturen. Je länger man dem Gang folgt, desto weniger ist klar, auf welchem Stockwerk man sich befindet.
25 Projektteilnehmer bilden eine Gemeinschaft
Aus der nächsten Tür lacht Jens Gramer. Der Inhaber des Ladens Fifty-Eight in Ulm schafft aus alten Skateboards neue Möbel - und hat hier eine Werkstatt aufgebaut. Die Arbeit im Kehlturm mit den 25 anderen Projektteilnehmern findet er großartig. "Es ist irre. Es ist völlig vogelwild, viel Fantasie, viele tolle Sachen, tolle Menschen, tolle Ideen. Und das ist eigentlich das Schöne, dieser Mix aus diesen wahnsinnig tollen Sachen."
Der Kehlturm soll ab 2028 dauerhaft vermietet werden
Das, was jetzt entsteht, soll bleiben. Das erklärt Moritz Gombert. Schon 2024 habe man mit dem "Open Tower" Erfahrungen für eine dauerhafte Vermietung der Räume im Kehlturm gesammelt. Damals wurde klar: Das Angebot wird angenommen. Es funktioniere, verschiedenen Nutzungen nebeneinander zu haben. Außerdem wurde klar, was noch verbessert werden muss. Nun "Open Tower 2.0" - ein weiterer Testlauf. Ab 2028 sollen die Räume dauerhaft vermietet werden.
Behutsame Sanierung des Turms
Während im Gemäuer viel Neues ausprobiert wird, wird der Turm selbst nur wenig und sehr behutsam verändert. "Ich glaube, dass der Ort eigentlich mehr oder weniger fertig ist. Es gibt einfach eine ganz starke Ausstrahlung, die man spürt, wenn man hier ist", sagt Moritz Gombert. Der denkmalgeschützte Kehlturm solle so nah wie möglich am Originalzustand bleiben.
Ganz oben angekommen gibt es nicht nur Getränke - hier gibt es einen neuen Ausblick auf Ulm und auf die Wilhelmsburg selbst.