Der Lederhof ist in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs: Zwischen einem Parkhaus mit mehreren Stockwerken und einem Kinokomplex liegt der Bereich, direkt an dem Flüsschen Blau. Er galt in Ulm jahrelang als Brennpunkt: Die Alkohol- und Drogenszene hatte sich dort etabliert, es gab Gewalt und regelmäßige Polizeieinsätze.
Sozialarbeit, Hilfsangebote, Sommeraktionen
Ein Mittel, um die Lage zu verbessern, ist die Sozialarbeit. Seit 2024 ist das Zentrum "guterhirte" zweimal pro Woche am Lederhof präsent. Ein Container dient als feste Anlaufstelle. Die Mitarbeitenden vermitteln Hilfsangebote und organisieren Veranstaltungen wie Tischtennisrunden, Sommeraktionen oder Weihnachtsangebote.
Nach Angaben der Stadt Ulm hat sich so ein Treffpunkt für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entwickelt. Der Platz soll nicht länger vor allem mit Kriminalität verbunden werden, sondern mit Aufenthaltsqualität, so der Wunsch. Doch vollständig beruhigt hat sich die Lage an dem Ort deswegen nicht, so die Stadt. Ihr Fazit: "Wenn die Sozialarbeiter vor Ort sind, ist es ruhig – sind sie es nicht, kommt es zu Vorfällen."
Polizei-Bilanz: Straftaten am Lederhof deutlich gesunken
Parallel dazu verstärkte das Polizeipräsidium Ulm seine Kontrollen und Präsenz am Lederhof. Ziel sei es gewesen, die Kriminalität zu bekämpfen. Zugleich sollte das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger wieder gestärkt werden, so ein Polizeisprecher gegenüber dem SWR. Ob Letzteres gelungen ist, ist nicht klar. Aber die Zahlen haben sich positiv entwickelt.
2024 wurden am Lederhof noch 122 Straftaten erfasst, darunter 80 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und 13 Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen. 2025 sank die Zahl der erfassten Straftaten auf 40 - ein Rückgang um 67,2 Prozent. Besonders bei der Rauschgiftkriminalität hat es laut Polizei ein Minus von fast 80 Prozent auf 17 Fälle gegeben.
Parkbetriebsgesellschaft: "Wesentliche Verbesserung"
Klaus Linder ist Geschäftsführer der Ulmer Parkbetriebe (PBG), große Teile des Lederhofs sind auf ihrem Areal. Linder beschreibt die Entwicklung als klaren Fortschritt, die Lage habe sich "wesentlich positiv verbessert". Seit diesem Sommer gebe es auch neue Veranstaltungen auf dem Gelände. Es wurde die Open-Air-Eventlocation "Blaustrand" gegründet.
Anfang Juni feierten Hunderte junge Menschen auf dem Gelände eine erste Party - mit DJs, Getränke- und Essensständen. Laut Linder ein voller Erfolg. Solche Events sollen auch in Zukunft weiter stattfinden. Er betont, man wolle "das integrative Konzept vorantreiben", damit sich die unterschiedlichen Nutzergruppen nicht aus dem Weg gehen, sondern den Ort gemeinsam prägen.
Digitaler Begleiter: Technik soll Weg zwischen Parkhaus und Kino sicherer machen
Neben Sozialarbeit und Präsenz setzt Ulm am Lederhof auch auf ein digitales Projekt: den "digitalen Begleiter". Dabei handelt es sich um ein KI-gestütztes Sicherheitssystem, das Besucher auf dem Areal begleitet. Das Projekt läuft gerade noch in einer Testphase, so Projektleiter der Stadt Ulm, Tom Pfau. In einem halben Jahr soll die beendet sein. Ab dann werde man das Projekt für die Ulmer Bürgergesellschaft auch bewerben.
Bilanz am Lederhof: Verbesserungen sichtbar, aber Luft nach oben
Die Lage am Lederhof hat sich nach Einschätzung der Behörden verbessert. Polizei und Stadt stufen den Bereich inzwischen nicht mehr als gefährlichen Ort ein. Gleichzeitig bleibt er für die Stadt ein sensibles Thema: Ohne Sozialarbeit und Kulturprogramm, so die Erfahrung, kehren Probleme eher zurück. "Es ist besser, aber es kann noch besser werden", so Kathrin von Freyberg, Abteilungsleiterin Sicherheit, Gewerbe und Ordnung bei der Stadt Ulm.
Die Polizei behält den Lederhof auch in Zukunft im Blick. Es soll regelmäßig groß angelegte Kontrollaktionen geben. Aber nicht nur Polizei und Sozialarbeit, auch die Kultur soll bleiben. Am "Blaustrand" ist das nächste Fest am Schwörmontag geplant, weitere Events sollen folgen.