Urteil wegen Raubserie

Zeuge fand erstes Opfer in Ulm schwerverletzt auf der Straße

Von seinem Fenster aus entdeckt ein Mann in Ulm eine schwerverletzte 92-Jährige. Die Frau ist das erste Opfer eine Raubüberfall-Serie. Ein Vater-Sohn-Duo wurde jetzt dafür verurteilt. 

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Von Autor/in Ole Hilgert, Magdalena Gräfe

Ein Vater und sein Sohn haben Anfang des Jahres in Ulm und im Alb-Donau-Kreis ältere Frauen überfallen, ausgeraubt und einige von ihnen schwer verletzt. Das Landgericht Ulm hat beide am Montag zu Haftstrafen verurteilt. Ein Anwohner berichtet dem SWR, wie er dem Opfer der ersten Tat geholfen hat.

Anwohner findet 92-Jährige schwerverletzt auf der Straße 

Der 10. Februar 2025 beginnt für Markus Pfeffer aus Ulm-Wiblingen ganz gewöhnlich. Doch als der 48-Jährige vormittags sein Badezimmerfenster zum Lüften öffnet, entdeckt er draußen auf der Straße eine reglose Person. Sofort eilt Pfeffer nach draußen und bittet seine Frau, einen Rettungswagen zu rufen.  

"Ich bin sofort runter, um zu helfen", sagt er. Die schwerverletzte Seniorin liegt inmitten einer Blutlache. "Mein erster Gedanke war, dass die Frau gestürzt ist", sagt Markus Pfeffer. An ein Verbrechen dachte er nicht. Doch als er die 92-Jährige fragt, was passiert sei, berichtet sie, auf den Kopf geschlagen worden und dadurch gestürzt zu sein. Ein Unbekannter habe ihr die Stofftasche entrissen.

Mein erster Gedanke war, dass die Frau gestürzt ist.

Eine Straße in einem Wohnviertel mit parkenden Autos: In dieser Straße in Ulm-Wiblingen geschah der erste Überfall. Opfer war eine 92-Jährige Seniorin.
In dieser Straße in Ulm-Wiblingen geschah der erste Überfall. Opfer war eine 92-Jährige Seniorin.

Während die Polizei zu ermitteln beginnt, kommt die 92-Jährige ins Krankenhaus. Dort stellen die Ärzte neben den Kopfverletzungen auch noch einen Bruch im Hüftbereich fest.  

Überfälle nach dem immer gleichen Muster: Seniorinnen umgestoßen und beraubt 

Was zu diesem Zeitpunkt unbekannt ist: Der brutale Überfall ist nur der Anfang einer ganzen Raubserie. Innerhalb von acht Tagen werden noch vier weitere Seniorinnen überfallen. Nur gut eine Stunde nach der ersten Tat spricht in Blaubeuren ein junger Mann eine 82-Jährige an und stößt sie zu Boden. Die Frau stürzt und der Mann entreißt ihr die Handtasche mit 150 Euro Bargeld darin.

Einen Tag später wird eine 73-Jährige in Schelklingen angegriffen. Die Seniorin stieg gerade in ihr Auto, als der Täter versucht, ihr die Handtasche, die sie um das Handgelenk gewickelt hat, zu entreißen. Als die Frau sich wehrt und den Täter beißt, schlägt er sie mehrfach ins Gesicht. Erst als ein Passant einschreitet und den jungen Mann auf die Schulter tippt, flieht dieser ohne Beute. Wenige Tage später wird eine 86-Jährige umgestoßen und bestohlen. Die Beute: zwölf Euro Bargeld und ihre Einkäufe. Einige Tage darauf wird - wieder in Wiblingen - eine 88-Jährige umgestoßen. Gestohlen wird ihre Handtasche mit einem Handy und 35 Euro Bargeld.   

Polizei ermittelt schnell: Vater-Sohn-Duo verhaftet 

Die Polizei kommt den Tätern mithilfe von Telefondaten und Videoüberwachung auf die Spur. Schon nach einer knappen Woche verhaftet sie einen 26-jährigen Mann und dessen 63-jährigen Vater. Die beiden sollen die Raubüberfälle gemeinsam begangen haben. Während der Sohn die Frauen ausraubt, fährt der Vater das Fluchtauto.  

Während des Prozess vor dem Ulmer Landgericht kommen weitere Details an Licht. Der 63-Jährige hat nicht nur das Auto gefahren, sondern die Taten auch geplant und entschieden, welche Seniorinnen ausgeraubt werden sollen. Er drohte seinem Sohn mit Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung oder mit Gewalt gegen dessen Lebensgefährtin, sollte er die Seniorinnen nicht ausrauben.

Das Motiv der Täter: Schulden im mittleren fünfstelligen Bereich. Mit den erbeuteten Beträgen wollten die beiden Tabak und Benzin kaufen - außerdem ihre Schulden begleichen.

Urteil: Lange Haftstrafe für den Vater, Sohn vermindert schuldfähig

Der 26-Jährige leidet unter verminderter Intelligenz. Das berücksichtigte das Gericht auch in seinem Urteil am Montag. Während der Vater wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren Haft verurteilt wird, muss der Sohn - aufgrund seines frühen Geständnis und wegen erheblich verminderter Schuldfähigkeit - für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.  

Opfer leiden noch heute unter den Überfällen

Im Prozess wird auch deutlich: Die Beute durch die Überfälle betrug insgesamt kaum 300 Euro. Die Seniorinnen leiden noch heute unter den Taten. Einige haben nach wie vor Schmerzen beim Gehen oder Liegen. Zudem bleiben seelische Wunden. Die 73-jährige Autofahrerin sei ängstlich geworden, schließe sich seit der Tat immer sofort im Auto ein. Auch das 82-jährige Opfer aus Blaubeuren verlässt ihr Haus aus Angst nur noch selten. Und die 92-Jährige Wiblingerin pflegte vor der Tat ihren Mann zuhause. Seit dem Angriff hat sie nun selbst Pflegegrad 2 und ist auf einen Rollator angewiesen - ihr Mann musste in ein Pflegeheim. 

Auch Markus Pfeffer beschäftigte die Tat noch lange. "Das begleitet einen als Anwohner", sagt er, "wenn so etwas passiert, direkt vor der eigenen Haustür."  

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Ole Hilgert
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