"Bewerbung aufgrund der politischen Lage zurückgezogen"

Werden Auslandsaufenthalte in den USA immer unbeliebter?

Auslandssemester in den USA sind eigentlich bei Studierenden beliebt. Doch die politische Lage verunsichert. Welche Rückmeldungen erhalten Universitäten in Baden-Württemberg?

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Von Autor/in Hannah Fritsch

Lange waren die USA das Sehnsuchtsland für einen Auslandsaufenthalt vieler Studentinnen und Studenten - auch aus Baden-Württemberg. Doch die Entwicklung des Landes in Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident beschäftigt auch Studierende. Schlägt sich die politische Lage bereits in sinkenden Bewerberzahlen nieder?

Studienplätze an US-Unis werden nicht ausgeschöpft

Auf SWR-Anfrage schreibt die Universität Heidelberg, ihren Studierenden würden etwa 50 Austauschplätze an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten und Colleges zur Verfügung stehen. Im akademischen Jahr 2025/2026 seien diese Plätze vollständig genutzt worden - im Herbst 2026 würden sie dagegen nicht annähernd ausgeschöpft. "Die Bewerberzahlen sind stark zurückgegangen", so die Uni Heidelberg. Ähnliches berichtet die Universität Mannheim: "Während in den vergangenen Jahren immer 90 bis 100 Studierende pro Jahr für einen Austausch in die USA gegangen sind, sind es dieses Jahr nur 66".

Auch an der Universität Hohenheim sind die Bewerbungen für die USA in diesem Jahr gesunken: Neun Studierende hätten im akademischen Jahr 2026/2027 als Erstwunsch für Ihren Auslandsaufenthalt die USA angegeben - im Jahr 2025/2026 seien es noch 22 gewesen, so die Uni.

Welche Gedanken machen sich Studierende zu einem Aufenthalt in den USA?

In Heidelberg wird diese Entwicklung darauf zurückgeführt, dass die Kosten eines Aufenthalts in den USA trotz erlassener Studiengebühren sehr hoch sind. Aber auch die politischen Entwicklungen dürften nach Einschätzung der Uni einen Einfluss auf die rückläufigen Bewerberzahlen haben.

Die Universität Tübingen berichtet von ähnlichen Rückmeldungen der Studentinnen und Studenten. So spiele die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten im Entscheidungsprozess der Studierenden immer häufiger eine Rolle: "In einzelnen Fällen haben Studierende ihre Bewerbung ausdrücklich aufgrund der politischen Lage zurückgezogen", so die Universität.

"Überwiegend positive Rückmeldungen" von Studentinnen und Studenten

Wenn ein Auslandsaufenthalt in den USA angetreten wird und die Studierenden vor Ort waren, berichten sie laut einigen baden-württembergischen Unis häufig Positives. So hätten Studierende der Universität Tübingen bislang nicht von "besonderen Problemen" bei der Einreise oder während des Studienaufenthalts berichtet. Zwar wären "politische Polarisierung und gesellschaftliche Spannungen" vereinzelt wahrnehmbar gewesen, das persönliche Sicherheitsgefühl vor Ort sei dadurch aber nicht beeinträchtigt gewesen, so die Uni Tübingen.

Auch die Universität Stuttgart erhält überwiegend positive Rückmeldungen von Studierenden, die ein Auslandssemester in den USA absolviert haben. "Es liegen uns Rückmeldungen vor, dass sich das Leben an US-Unis in einer eher 'liberalen Blase' abspielt und dass, sofern Studierende sich nicht bewusst für politische Themen interessieren und die Diskussion suchen, sie im täglichen Leben dort weniger von der aktuellen Situation mitbekommen als wir in Deutschland", so die Universität Stuttgart.

Politische Lage kein Hinderungsgrund für Auslandsaufenthalt in den USA

"Der Ansturm auf die Austauschplätze in den USA hat deutlich abgenommen", das sagt auch Finn. Er studiert in Stuttgart und wird von September bis Dezember 2026 ein Auslandssemester im US-Bundesstaat Massachusetts absolvieren. Vor allem die hohen Lebenshaltungskosten würden vielen Austauschstudierenden zu schaffen machen, berichtet der 24-Jährige. Dabei seien insbesondere die Kosten für eine Unterkunft eine Belastung. "Bei einem möblierten Einzelapartment in Uni-Nähe fangen die Mieten teilweise erst bei etwa 2.000 US-Dollar im Monat an - und das ist noch nicht einmal in einer Großstadt."

Von der politischen Lage habe ich es wirklich nicht abhängig gemacht.

Die politische Entwicklung der Vereinigten Staaten hätte bei seiner Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt dort eine untergeordnete Rolle gespielt. "Von der politischen Lage habe ich es wirklich nicht abhängig gemacht", so Finn. Er sei bereits zwei Mal privat in den USA gewesen und hätte dort durchweg positive Begegnungen mit den Menschen vor Ort gehabt. Auch deshalb ziehe es ihn erneut dorthin.

"Habe mich bewusst für einen republikanisch geprägten Bundesstaat entschieden"

Flo studiert in Niedersachsen und war von August bis November 2025 für ein Auslandssemester an einer US-Universität in Billings, Montana. "Am Ende habe ich mich sehr bewusst für einen republikanisch geprägten Bundesstaat wie Montana entschieden", sagt er.

Ein solcher Bundesstaat sei für ihn deutlich interessanter als ein eher demokratischer. Herausfordernd sei es rund um das Visum gewesen, berichtet der 24-Jährige: "Da wurde genau zu dem Zeitpunkt, als es bei mir konkret wurde, der Visumsprozess für ausländische Studierende in den USA ausgesetzt." Geklappt hat es dann für Flo am Ende trotzdem.

Welche anderen Länder werden bei Studierenden beliebter?

Während das Interesse an Auslandsaufenthalten in den USA an Universitäten in Baden-Württemberg scheinbar eher sinkt, zieht es Studierende vermehrt in andere Länder. Das sind laut der Universität Stuttgart insbesondere Kanada oder Japan und Südkorea.

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Hannah Fritsch
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