Der neuste Trend in den sozialen Medien sind Zahnstocher - aber in einer besonderen Form: Was früher nur nach dem Essen genutzt wurde, gibt es jetzt als Genussmittel auf dem Schulhof, mit Geschmack oder mit Nikotin versetzt. Die Gefahr: Die dünnen Holzstäbchen in den verschiedenen Sorten sehen sich zum Verwechseln ähnlich - und machen süchtig.
Während erste Schulen in Deutschland zügig darauf reagiert haben und das Produkt verbieten, gibt es in Baden-Württemberg bislang keine vergleichbaren Fälle. Der Präventionsexperte Lars Kiefer sieht eine Problematik darin, dass Schulen oft erst spät oder gar nicht auf solche Trends aufmerksam werden - und Lehrkräfte meist nicht ausreichend über neue Risiken informiert seien.
Auf Instagram und TikTok werden die Produkte beworben und würden durch ihre Aufmachung scheinbar eine junge Zielgruppe ansprechen, so Kiefer. Vor allem die Verwechslungsgefahr zwischen den Zahnstochern mit Geschmack und den auch teils mit Nikotin angereicherten sei problematisch. "Auf der Verpackung gibt es nur einen kleinen Warnhinweis, wenn Nikotin drin ist", so Kiefer. Nikotin sei bereits in geringen Mengen gefährlich für junge Menschen, die noch im Wachstum sind - der Blutdruck erhöhe sich und das Risiko für eine Herzerkrankung könne steigen.
Zahnstocher-Produkt ist leicht zugänglich für Kinder und Jugendliche
Kiefer sieht ein hohes Risiko darin, dass die Zahnstocher als Einstieg und mögliche Vorstufe für den Nikotinkonsum genutzt werden könnten. Zudem warnt er, dass der Konsum dieser Produkte abhängig machen kann. Der leichte Zugang über das Internet oder sogenannten Kiosk-Automaten bemängelt Kiefer, Leiter der Fachstelle Sucht in Singen, welche zum Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gehört.
Im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz, wo an einer Schule bereits ein Zahnstocher-Verbot durchgesetzt wurde, ist dem baden-württembergischen Kultusministerium nach eigenen Angaben kein Fall im Land bekannt. Es lägen keine Meldungen seitens der Schulen über die Problematik vor, so eine Sprecherin auf SWR-Anfrage. Allerdings könnte die Nutzung von Nikotin-Zahnstochern von den Schulen untersagt werden.
Verständnis für Lehrkräfte
Lehrkräfte "haben mit Handyverboten, KI und Co. schon viel zu tun", erklärt Kiefer, der selbst lange in der Schulsozialarbeit tätig war. Er habe schon Verständnis, dass Trends wie Vapes oder die Situation rund um Nikotin-Zahnstocher leicht untergehen können. Deswegen sei es wichtig, Präventionsarbeit und Aufklärung in Schulen weiterhin fortzuführen und aufrechtzuerhalten.