Sie gewähren bei Instagram, Tiktok und Co. vermeintlich Einblicke in ihr Privatleben und werben ganz nebenbei für Produkte und Dienstleistungen: So genannte Influencer gibt es inzwischen in allen Lebensbereichen. Die einen schwören auf bestimmte Cremes, andere auf ein bestimmtes Hundefutter oder erzählen, wie gut ihnen Versicherung XY geholfen hat. Reise-Influencer tragen vor traumhafter Kulisse bestimmte Marken oder preisen direkt einen Reiseveranstalter oder ein Hotel an. Was die meisten von uns nebenbei im Handy eingespielt bekommen, schauen sich die Finanzbeamten in Rheinland-Pfalz jetzt ganz gezielt an. Denn die Influencer sind in das Visier der Steuerfahndung geraten.
Spezialisierte Steuerfahnder werten Daten aus
Rheinland-Pfalz und andere Bundesländer werten gerade einen Datensatz mit Informationen über Influencer aus. Eine Sprecherin des Finanzministeriums in Mainz schrieb dem SWR: "Sowohl in der Steuerfahndung als auch in der steuerlichen Außenprüfung wurden Schwerpunktprüfungskräfte für diesen Bereich ausgebildet. Sie stehen zugleich als Ansprechpartner für die übrigen Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung."
Die Steuerfahnder prüfen, was die Influencer auf ihren Kanälen bewerben, wie viel Reichweite sie haben bzw. wie viele Menschen den Kanal abonniert haben. Das kann Rückschlüsse auf die Einnahmen ergeben. Genau lassen sich die Finanzbehörden nicht in die Karten gucken – aus ermittlungstaktischen Gründen, wie es heißt. Offiziell ist die Rede von einer hohen dreistelligen Zahl von potenziellen Fällen, die jetzt geprüft würden. In Geld ausgedrückt nehmen die Finanzbehörden an, dass es sich um Einnahmen im unteren zweistelligen Millionenbereich handelt, die eventuell noch versteuert werden müssten.
Einnahmen von 500 Euro bis 5.000 Euro pro Post
Nicht wenige Influencer verdienen enorme Summen. „Wer eine mittlere Reichweite von etwa 250.000 Followern hat, verdient pro Post schon mal 500 bis 5.000 Euro,“ sagte Prof. Sven Pagel, Medienwissenschaftler an der Hochschule Mainz dem SWR. Unter Influencern mit einer solchen Reichweite sind auch Rheinland-Pfälzer.
So verdienen Influencer ihr Geld
Wahrscheinlich gibt es Influencer, die nicht wissen, dass sie Einkommenssteuer zahlen müssen und auch nicht, was ihnen droht, wenn sie das nicht tun. Erzielen sie regelmäßig Einkünfte, gelten sie als Gewerbetreibende und sind damit steuerpflichtig. Aber dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, gilt natürlich auch für Influencer. Bei Steuerhinterziehung drohen zusätzlich zur Nachzahlung Geldstrafen und in schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahre Haft. Erklärt wird das unter anderem in einem Zeichentrick-Video der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen.
Manche Influencer halten sich für clever und ziehen ins Ausland, weil sie denken, so dem deutschen Fiskus entkommen zu können. Besonders beliebt ist zurzeit Dubai. Wenn ihnen jedoch nachgewiesen werden kann, dass sie ihre Einnahmen durch Social-Media-Aktivitäten in Deutschland erzielen, z.B. indem sie sich an ein deutsches Publikum richten, dann sind sie hier auch steuerpflichtig.
Steuerflucht ins Ausland nicht unbedingt erfolgversprechend
Und dabei geht es nicht nur um Geldeinnahmen, sondern auch um Produkte, die die Influencer vorstellen und behalten dürfen und auch um Einladungen zu Reisen oder Konzerten. Das sind sogenannte geldwerte Vorteile und die müssen versteuert werden, sobald sie einen bestimmten Betrag überschreiten. Dieser Grundfreibetrag, bis zu dem in der Regel keine Steuern gezahlt werden müssen, liegt bei Singles in diesem Jahr bei 12.096 Euro für alle Einnahmen zusammen. Wer unsicher ist und Ärger vermeiden will, kann sich beim Finanzamt informieren oder bei einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater.