Oliver Wigger steht neben der Tanzfläche im ehemaligen Agostea. Er möchte die Eismaschine abholen. Wigger hat das Gerät für Slush-Eis bei der Auktion im Internet ersteigert: "Ich finde die cool. Und habe mir immer schon sowas gewünscht."
Was der Ingenieur aus der Schweiz nicht wusste, als er vor einigen Wochen sein Gebot abgab, ist, dass er 500 Kilometer aus Zürich bis nach Koblenz am Rhein fahren muss: "Ich hab gedacht, es ist Koblenz in der Schweiz in der Nähe vom Bodensee. Ich musste jetzt schon mit meiner Frau diskutieren, ob sich das wirklich lohnt. Aber ich find's jetzt gut, so ein persönliches Stück zuhause zu haben."
Einiges los am Abholtag im ehemaligen Agostea
Die Menschen, die am Abholtag in die ehemalige Disco im Schängel-Center kommen, sind so unterschiedlich, wie die Dinge, die es dort noch abzuholen gibt: ein Belgier, der beruflich Veranstaltungstechnik vermietet, steht auf einer Leiter und schraubt einen großen Kronleuchter von der Decke, zwei junge Frauen, nehmen Jutesäcke und Weidenkörbe als Deko für eine Jugendfreizeit mit und zwei Gastronomen aus Koblenz holen Barhocker ab.
"Es ist schön, dass man die Dinge wiederverwenden kann. Für uns ist es erheblich günstiger, die Stühle so zu bekommen als sie neu zu kaufen", sagt Markus Rodemerk, der in Koblenz das Spökes betreibt. "In meiner Jugend war ich regelmäßig hier", sagt Andreas Römer vom Sugar Ray's am Münzplatz: "Es ist schon erschreckend, wenn man das alles im Rohzustand sieht. Aber ich hoffe halt, dass hier bald mal wieder was Neues reinkommt."
Was soll aus dem Koblenzer Club werden?
Laut den Organisatoren der Versteigerung gibt es bereits Pläne, was aus dem ehemaligen Agostea werden könnte. Vorsichtig sagt Jens Pangenberg, der die Bar Kurioos in der Koblenzer Altstadt betreibt, "wieder eine Location, in der gefeiert werden kann." Mehr Infos möchte er noch nicht preisgeben.
Zurzeit kann man sich auch nur schwer vorstellen, wie in dem ehemaligen Nachtclub wieder etwas Neues entstehen kann. Die Räume wirken ziemlich chaotisch. Überall stehen oder liegen Dekoartikel und kuriose Einzelteile: Porzellan-Puppen, Modell-Autos, Schlitten, und verstaubte Plüschtiere.
Ikonische Ritterrüstung für 400 Euro versteigert
In der Zwischenzeit sind fünf Handwerker aus dem belgischen Spa angekommen. Sie machen sich mit Akkuschraubern an Sitzbänken und einer großen Bar zu schaffen, die sie ersteigert haben. Die Männer nehmen auch die ikonische Ritterrüstung der Diskothek mit, die mit der Nummer 001 für 400 Euro unter den virtuellen Hammer kam.
Neben Handwerken und Gastronomen kommen im Laufe des Tages immer mehr Menschen aus Koblenz und Umgebung ins Schängel-Center, die sich ein Stück Jugend aus dem Agostea als Andenken gesichert haben. Zum Beispiel ein Mann, der vor 20 Jahren Stammgast war: "Als man vor ein paar Tagen im Rahmen der Auktion rein konnte, haben meiner Frau die Bilder gefallen. Die habe ich dann für 20 Euro ersteigert. Wir wollen sie uns jetzt ins Wohnzimmer hängen. Dann haben wir ein Stück Agostea zu uns nach Hause geholt."
Zweite Versteigerungsrunde soll bald beginnen
Es sei schön zu sehen, dass ein Stück "Koblenz-Geschichte bei den Leute zuhause weiterlebt" - in privaten Bars, im Partykeller oder in den Wohnzimmern, sagt auch Organisator Marcel Witt.
Wer noch Sachen aus dem ehemaligen Nachtclub ersteigern möchte, hat nochmal eine Chance: Voraussichtlich nächste Woche beginnt die zweite Versteigerungsrunde. Dann möchten die Organisatoren erneut mehr als 100 Angebote einstellen. Der Erlös der Auktionen soll vor allem dazu verwendet werden, die gesamten Räumlichkeiten - inklusive Wände - zurückzubauen.